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Die Schicksalsidee in Schillers Wallenstein
Entstehung
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Demnach enthält Schillers Wallenstein drei Momente in sich. Das anfangs vorwaltende später aber relativ mehr zurückgedämmte Moment der militärischen und politischen Action, ferner das subjectiv lyrische Mo- ment der Freundschaft Wallensteins zu Max und der Liebe zwischen Max und Thekla und endlich das antike Moment der Schicksalsidee in zeitge- mässer und poetisch wahrer Form manifestirt im astrologischen Glauben. Es lag nicht im Zwecke dieses Aufsatzes eine Analyse des ersten und zweiten Momentes zu geben, es sollie nur in Kürze aus dem Inhalte der Dichtung gezeigt werden, wie das Schicksal in Schillers Wallenstein als wirkende und stürzende Macht waltet. Diese der Antike entlehnte Vor- stellung war für Schiller um so verlockender, als seit dem Jahre 1798 durch aesthetisches Studium der Alten und namentlich durch die geistige Einwirkung Goethes auf Schiller in diesem sich die Ueberzeugung von der absoluten Mustergültigkeit der Antike pildete. Während Schiller in der Ab- handlung über tragische Kunst(B. 11. S. 458), welche sich zuerst im zweiten Stücke der neuen Thalia vom Jahre 1792 gedruckt findet, das an- tike Schicksal noch aesthetisch verwirft und davon spricht dass sich die griechische Kunst zur reinen Höhe tragischer Rührung nie erhoben habe und dass die Neuern darauf verzichten müssen griechische Kunst je wieder herzustellen, findet sich die Schicksalsidee scuon im Taucher und im Ringe des Polykrates* poetisch verwendet, sie zieht im Wallenstein auf die Bühne ein und in der Braut von Messina vollends will Schiller die an- tike Schicksalstragödie sammt der Zuthat der Chöre in die Neuzeit ein- führen. So erscheint denn die Einführung des Schicksals als ein Ausfluss der Bewunderung des Hellenismus, zu der der gereifte Dichter sowie sein grosser Freund in der daher mit Recht sogenannten Epoche der GClassicität gelangten.** 13

* D. h. in dem bekannten Balladenjahre 1797.

*r Ein zweiter Teil der Arbeit wird den Briefwechsel zwischen Schiller und Körner zu Rate ziehen und die Anschauungen der übrigen Wallensteinausleger namentlich die Süverns und K. Tomaschek's kritisch näher erörtern.

Prof. Dr. Franz Hann.