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— Dieser Königliche, wenn er fällt,
Wird eine Welt im Sturze mit sich reissen,
Und wie ein Schiff, das mitten auf dem Weltmeer In Brand geräth mit einem Mal und berstend Auffliegt und alle Mannschaft, die es trug, Ausschüttet plötzlich zwischen Meer und Himmel, Wird er uns alle, die wir an sein Glück
Befestigt sind, in sein Fall hinabzieh'n“.
Ohne sittliches Verschulden allerdings enden Max und Thekla, aber das herbe, moralisch unbefriedigende dieser Tragik wird aufgehoben durch den Sieg der Treue in der Brust der Siegenden über das allgewaltige Schick- sal; denn dieses vermag nichts über ihre Liebe, und die Treue bleibt bei Max und Thekla in ächt germanischer Heldenhaftigkeit gewahrt bis in den Tod.
Aesthetische Zulässigkeit der Schicksalsidee und Gründe für die Ein- führung derselben in Schillers Werk.
So ist denn Schillers Wallenstein im Wesentlichen eine Schicksals- tragödie, wenn wir von der ersten Conception absehen, in der das Stück nach Schillers eigenen Worten auf eine Staatsaction angelegt war,*† wovon es noch deutliche Spuren zeigt.
Nun leidet freilich nach modernen Begriffen jede Schicksalstragödie daran, dass sie den menschlichen Willen unfrei und zum Spielballe eines blinden Verhängnises macht und daher die Gerechtigkeit vernichtet. Aber wir haben gesehen, dass das Schicksal im Wallenstein als gerechte sittliche Vergelterin Rache nimmt an den, der„mit frevelhafter Hand den heiligen Herd der Laren umstürzen will“. Wallenstein selbst stellt als das finsterste und unatürlichste Laster, das alles aus den Angeln hebt, den Treubruch** besonders den gegenüber Freunden und Wohltätern hin. Damit hat er, der aus masslosem Ehrgeize die Hand gegen seinen Herrn und Wohltäter dem Kaiser erhebt und eine ganze Armee zum Laster der Felonie verführen will, sich selbst sein Urteil gesprochen. Genau so wie er selbst über Octavio, urteilt das Schicksal über ihn; der Fall ist ja der gleiche und auch Octavio (man vergleiche den Schluss der Trilogie) entgeht für seinen Treubruch gegenüber Wallenstein der streng aber gerecht abwägenden Nemesis nicht. Und der Ehrgeiz Wallensteins, dieser dämonische Drang, ob dessen er dem Schicksale verhält, erscheint zurechnungsfähig und verschuldet. Denn dieser Dämon liegt im Charakter Wallensteins und wir sagen mit Schopenhauer,
* Briefwechsel mit Körner. Brief vom 28. November 1796.
*r Dies geht besonders aus W. Tod I. 6. hervor. Spricht doch Wallenstein: „Die Treue sag' ich euch Ist jedem Menschen, wie der nächste Blutsfreund, Als ihren Rächer fühlt er sich geboren. Was noch so wütend ringt, sich zu zerstören Verträgt, vergleicht sich, den gemeinen Feind Der Menschlichkeit, das wilde Thier zu jagen, Das mordend einbricht in die sichre Hürde, Worin der Mensch geborgen wohnt.—


