Druckschrift 
Die Schicksalsidee in Schillers Wallenstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Es ist ein Irrthum Es sind nicht die Schweden, Die Kaiserlichen sinds, die eingedrungen

Der Generalleutnant schickt mich her, er wird Gleich selbst hier sein Ihr sollt nicht weiter geh'n.

Was Gordon einen Irrtum nennt, ist das Eingreifen des Fatums. An einem Augenblicke hing Wallensteins Leben, doch dieser Augenblick er war der Tigersprung des Schicksales, das Wallenstein lange umlauert hatte. So ist Peripetie und Katastrophe durch die Schicksaltücke herbeigeführt; aber vergessen wir nicht, das tückische Schicksal, es ist der Anwalt der Moral, der Treue, und durch Wallensteins Tod triumphirt daher ein sittliches Princip ebenso wie durch die unüberwindbare treue Liebe Maxens und Theklas, die sich stärker zeigt als das Schicksal, weil dieses nicht im Stande ist, ihnen dieselbe aus den Herzen zu reissen. Weil, wie wir ge- zeigt zu haben glauben, das allwaltende Schicksal in Schillers Wallenstein das wirkende und stürzende Agens ist, bemüht sich auch Schiller in seiner Dichtung sichtlich die ganze Familie und Freundschaft des Friedländers unter den verderbenden Bann der heiligen Ananke zu stellen. IIlo und Terzky gehen, weil mit der gleichen Schuld behaftet, auf gleiche Weise unter. Heiter, voll froher Siegeszuversicht,(W. Tod IV. 78.) stürzen sie gleich ihrem Feldherrn und Freundahnungslos in das ausgespannte Mord- netz, wie Gordon sagt. Gleich einem finsteren Dämon schreitet das Schicksal durch Wallensteins Haus und darum liegt eine trübe, düstere Athmosphäre über dem Heime des Friedländers, welche in den furchtsamen, auf schauriges Geschehen gleichsam harrenden Charakter der Herzogin, wie überhaupt in den düsteren Ahnungen, welche zuletzt sogar die Gräfin Terzky ergreifen, ihren psychologischen Reflex findet. Am deutlichsten möchte ich sagen fühlt Thekla, die zartbeseitete und doch zugleich heroisch starke Seele das Walten des Verhängnisses. Lässt sie doch Schiller(Piccolom. III 9.) pro- phetisch, wie eine zweite Cassandra, als alles für Wallenstein noch sonnig zu sein scheint, die Worte sprechen:

Es geht ein finstrer Geist durch unser Haus Und schleunig will das Schicksal mit uns enden.

Ihr ist es, als ob der Rachestahl für ihr ganzes Haus schon ge- schliffen sei. Als ihr(W. Tod III 2.) durch die Gräfin Terzky die That des Verrates, welche ihr Vater zu tun im Begriffe ist, mitgeteilt wird, spricht sie:

O meine ahnungsvolle Seele Jetzt

Jetzt ist sie die kalte Schicksalshand

Die in mein fröhlich Hoffen schaudernd greift. Ich wusste wohl, o gleich als ich hier eintrat, Weissagte mir's das bange Vorgefühl,

Dass über mir die Unglückssterne stünden.

Darum hat sich aber auch der astrologische Turm,das Heiligtum, das sonst so streng verwahrt wird, gleich in den ersten Stunden für Thekla geöffnet. Seni führte Thekla in den Turm, und schüttelte das Haupt bedenk- lich, da ihm die Linien von Theklas Hand nicht eben zu gefallen scheinen. (Piccol. III. 4). Ja Max und Thekla gehen unter, weil sie mit dem in Ver- bindung stehen, der das Kainszeichen des Schicksales trägt, nämlich mit Wallenstein. In richtiger Vorsehung dieses Umstandes sagt Max am Schlusse der Piccolomini von Wallenstein: