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Die Schicksalsidee in Schillers Wallenstein
Entstehung
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Warum sagt Buttlermussten auch die Schweden siegend und so eilend nah'n. Gern überliess ich ihn des Kaisers Gnade, sein Blut nicht will ich, nein er möchte leben. Doch er muss sterben.Der Ort nicht, sein Verhängnis tödtet ihn.

Bei all' dem wäre noch immer eine Möglichkeit für Wallenstein dem Verhängnise zu entgehen, wenn er, der grosse Menschenkenner, der be- wusste, planvolle Berechner, der Romantiker, der auf Ahnungen und Vor- zeichen etwas hält, nicht gerade jetzt aus Verblendung am Sorglosesten wäre. Die nüchterne, aufgeklärte Gräfin Terzky sogar ist von bösen Ahnungen ergriffen, denn grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus(IV. 9.)(V. 3.) Träume melden den Tod Wallensteins, aber Wallenstein sagt die innere Warnungsstimme gerade jetzt gar nichts. In dem herrlichen, von wahrsten Geiste ächter Romantik getragenen 3. Auftritt des V. Actes sieht Wallenstein nach dem gestirnten Himmel.

Am Himmel ist geschäftige Bewegung

Des Thurmes Fahne jagt der Wind, schnell geht Der Wolken Zug, die Mondessichel wankt

Und durch die Nacht zuckt ungewisse Helle.

Kein Sternbild ist zu sehn! Der matte Schein dort, Der einzelne ist aus der Kassiopeia

Und dahin steht der Jupiter. Doch jetzt

Deckt ihn die Schwärze des Gewitterhimmels.

Doch dem Astrologen Wallenstein verrät, so will es das Verhängnis, gerade jetzt im entscheidenden Momente der gestirnte Himmel nichts, gar nichts, denn durch den Tod Maxens, des edelsten Freundes, glaubt Wallen- steinden Neid des Schicksales gesühnt zu haben.(V. 4). Darum ist er ganz ruhig, und als ihm(V. 5) sein treuer Seni zuruft, dass die Zeichen grauenhaft stehen, dass nahes Unglück von falschen Freunden drohe, antwortet ihm Wallenstein, das auserkorene Schlachtopfer des Schicksales:

Du träumst, Baptist, die Furcht bethöret dich. Von falschen Freunden stammt mein ganzes Unglück Die Weisung hätte früher kommen sollen,

Jetzt brauch' ich keine Sterne mehr dazu.

Da wirft sich Gordon Wallenstein zu Füssen, er deutet ihm unter flehentlichen Bitten das ihm drohende Verhängnis an, allein Wallenstein hört auf all' dies nicht. Wie eine Motte dem Feuer zuflattert, stürzt er sich selbst ahnungslos in sein Verderben.

Gut Nacht Gordon!

Ich denke einen langen Schlaf zu thun,

Denn dieser letzten Tage Qual war gross. Sorgt, dass sie nicht zu zeitig mich erwecken.

Dies sind die letzaten Worte, welche Schiller den grossen Friedländer sprechen lässt.(V. 5.)

Rasch wird durch Deveroux und Macdonald auf Buttlers Geheiss der Mord vollzogen. Man hört nähmlich Trompeten in der Ferne. Das sind schwedische Trompeten, rufen Macdonald und Deveroux.Die Schweden steh'n vor Eger! Lasst uns eilen. Trostlos enteilt Gordon und mit rasender Schnelligkeit wird, da jede Minute kostbar erscheint, der Mord vollzogen. Wäre er einige Minuten verzögert worden, er wäre unterblieben.

Nicht die Schweden, die kaiserlichen sind in Eger eingedrungen, athem- los stürzt der getreue Gordon herbei.