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Die Schicksalsidee in Schillers Wallenstein
Entstehung
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Du hast die alten Fahnen abgeschworen Verblendeter und traust dem alten Glück!

Den Krieg zu tragen in des Kaisers Länder, Den heil'gen Herd der Laren umzustürzen Bewaffnest du die frevelhafte Hand. Nimm dich in Acht! dich treibt der böse Geist Der Rache dass dich Rache nicht verderbe.

AlSo, so spricht Buttler, die Schicksalsgöttin hat den Tod Wallensteins bestimmt, weil er die frevelhafte Hand bewaffnete zum Umsturze des hei- ligen Herdes der Laren.

Buttler ist nur das Werkzeug des Schicksales und das unheilvolle Ver- hängnis führt Dinge herbei, die wieder scheinbar Wallenstein nützen aber in Buttler notwendig den Entschluss reifen müssen, noch vor Tagesanbruch Wallenstein zu tödten. Wenn auch Buttler in der ersten Aufwallung des Zornes den Ausspruch getan hat, Wallenstein solle nicht mehr leben, so weicht doch der Gedanke an Mord wieder aus seiner Seele und er will, wie aus dem Gespräche mit Gordon(W. Tod V. 6. u. 8) hervorgeht, Wallenstein nur dem Kaiser ausliefern, damit an den Geächteten zu Wien die verdiente Rache geübt werde. Da kommt die Nachricht(IV. 5.), dass fünf Meilen von Eger bei Neustadt die kaiserlichen Truppen unter Max gänzlich ver- nichtet worden seien. Am nächsten Morgen(IV. 7.) sollen die siegreichen Schweden in die Stadt Eger einziehen, Wallenstein wird sich mit ihnen vereinen, der Verrat ist dann doch gelungen. Nur die kommende Nacht noch gehört in Eger den kaiserlich Gesinnten, die an Zahl viel zu schwach sind, um die Vereinigung Wallensteins mit den Schweden zu hindern. Jetzt erst fasst Buttler, der für den Ausgang Bürge geworden ist, den ebenso notwendigen als furchtbaren Entschluss, Wallenstein noch in dieser Nacht zu tödten. Hier(6. 8. IV.) ist die Peripetie des Stückes, die mit innerem Zwang die Katastrophe herbeiführt. Sie ist ein Ergebnis der Siegesnachricht, diese aber, und damit Buttlers Entschluss und Wallensteins Tod ist herbeigeführt durch die rächende Nemesis. Das dies so zu fassen sei, sagt uns Schiller durch Buttlers Mund. Spricht doch Buttler(V. 6.)

Wär die Armee des Kaiser nicht geschlagen, Möcht ich lebendig ihn erhalten haben. Der Ort nicht, sein Verhängnis, tödtet ihn.

Und im 8. Auftritte erklärt Buttler Gordon gegenüber mit ebenso grosser Aufrichtigkeit als Entschiedenheit:

Gordon! Nicht meines Hasses Trieb, Ich liebe Den Herzog nicht, und hab' dazu nicht Ursach', Doch nicht mein Hass macht mich zu seinem Mörder, Sein böses Schicksal ist's. Das Unglück treibt mich, Die feindliche Zusammenkunft der Dinge. Es denkt der Mensch die freie That zu thun, Umsonst! Er ist das Spielwerk nur der blinden Gewalt, die aus der eignen Wahl ihm schnell Die furchtbare Notwendigkeit erschafft. Was hälfs ihm auch, wenn mir für ihn im Herzen Was redete. Ich muss ihn dennoch tödten.

Man sieht, Buttler ist nur Scherge des Fatums, welches Wallensteins Tod verhängt hat. Sein Herz sagt ihm, übe Milde, aber des Patums Macht hält ihn in ehernen Klammern.