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Die Schicksalsidee in Schillers Wallenstein
Entstehung
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Quelle d. h. sie sind Fügungen der realen allwaltenden Schicksalsmacht, herbeigeführt, um das ausersehene Opfer zu umgarnen und zu vernichten. Der Reitende, den Graf Kinsky an Wallenstein schickte, um diesen über das Schicksal Prags Nachricht zu geben, wird, scheinbar durch Zufall, (W. Tod III. 10) von der Wache im Lager aufgefangen. Sein Brief, so will es das Schicksal, dessen Verkünder Butiler, der böse Dämon Wallen- steins ist, läuft aufgebrochen durch das ganze Lager. Er meldet den Truppen zur unrechten Stunde, dass Prag für Wallenstein verloren sei, dass alle Re- gimenter zu Budweis, Tabor. Branau, Königingrätz, zu Brünn und Znaym dem Kaiser gehuldigt haben und dass Wallenstein selbst mit Kinsky, Terzky und Illo geächtet sei. Wie dies auf die noch Unschlüssigen wirkt, lässt sich denken.O weh uns IIlo, ruft Terzky aus,Alles stürzt zusammen. Freilich erscheint der Kampf gegen den Kaiser für Wallenstein nunmehr eine erlaubte Notwehr zu sein, dies richtet ihn auf, Notwendigkeit ist da, der Zweifel flieht, jetzt fecht ich für mein Haupt und für mein Leben.

So spricht der Friedländer, wir aber wissen, dass es für den, der das Kainszeichen des Schicksales trägt, gleichgültig ist. ob er glaubt aus Not- wehr oder aus freiem Antrieb zu handeln. Er ist auf jeden Fall verloren. Dies zeigt der sechzehnte Auftritt des 3. Aufzuges in Wallensteins Tod. Die Pappenheimischen Kürassiere sind das Elitecorps in Wallensteins Lager. An ihrer Treue muss Wallenstein viel gelegen sein. Das Corps, unschlüssig, sendet(15. Auftritt) eine Deputation an den Feldherrn. Durch die Macht seiner Persönlichkeit und durch kluge Rede hat Wallenstein sie, wie aus den letzten Worten des Gefreiten hervorgeht, fast überredet, ihm treu zu bleiben. Da, im entscheidenden Moment tritt Buttler, der Herold des Fatums auf und bringt die Nachricht

Graf Terzkys Regimenter reissen Den kaiserlichen Adler von den Fahnen Und pflanzen deine(nämlich Wallensteins) Zeichen auf.

sofort fallen die Pappenheimer von dem Feldherrn ab und Wallen- stein ruft in höchster Erregung aus:;

Das stürzt uns ins Verderben. Buttler, Buttler, Ihr seid mein böser Dämon, warum musstet ihr's in ihrem Beisein melden!...

0 grausam spielt das Glück Mit mir! Der Freunde Eifer ist's, der mich Zu Grunde richtet, nicht der Hass der Feinde.

Das verderbenbringende Schalten des Schicksales hat aber damit noch nicht den entscheidenden Höhepunkt erreicht. Als in Pilsen alles verloren ist, beschliesst Wallenstein in seiner Verblendung sich in Eger der Obhut Buttlers und dessen Freundes, des Kommandanten Gordon anzuvertrauen. (Wallensteins Tod III 23.). Damit hat er selbst die Würfel seines Schick- sals wahnwitzig zu seinem Untergange geworfen. Dies zeigt uns der un- mittelbar folgende Monolog Buttlers(W. Tod IV. 1.)

Er ist herein. Ihn führte sein Verhängnis

Bis hieher Friedland und nicht weiter! sagt

Die Schicksalsgöttin. Aus der böhmischen Erde Erhob sich dein bewundert Meteor,

Weit durch den Himmel einen Glanzweg ziehend, Und hier an Böhmens Gränze muss es sinken.