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Die Schuld aber, welche ihm unter des Fatums Macht gebracht hat, ist der masslose Ehrgeiz. der die Welt durch Treubruch erschüttern und um- gestalten will, denn die Götter lassen ungestraft niemanden übermütig sein, das Hochemporragende reizt sie, das Unbedeutende aber nicht.
Das Schicksal als stürzende Macht.
In Schillers Wallenstein ist das Schicksal nicht blos eine wirkende sondern zugleich die stürzende Macht. Man geht fehl, falls man glaubt, dass die Schicksalssterne blos in der Brust Wallensteins walten; das Schicksal ist vielmehr eine reale mit aller poetischen Wahrheit ausgestattete Kraft. Schiller will, dass wir an diewirkliche Existenz der Schicksalsmacht glauben, gerade so wie wir in der Jungfrau von Orleans an der Realität der gött- lichen Vorsehung festhalten müssen, welche Jean d'Arc zur Retterin Frank- reichs bestimmt hat. Schon aus dem früher Durchgeführten ergibt sich wohl, dass das Fatum keineswegs nur ein Glaube, oder besser gesagt ein betörender Aberglaube in des Helden Innern sei, aber auch die Personen reden mehrfach derart, dass sie die Realität des Schicksals, welches sich in den Sternen offenbart, bezeugen. Den besten Beweis hiefür aber liefern jene Scenen, in denen sich, wollen wir nicht einen sinnlosen Zufall annehmen, das Eingreifen einer höheren Ananke, das Walten einer unsichtbaren Hand, kund gibt.
Es ist die äusserste Verblendung, herbeigeführt von der strafenden Schicksalsmacht, welche Wallenstein nach geschehener That des Abfalles vom Kaiser zu Grunde richtet. Als Verrat und Meuterei im Lager um sich greifen und es(III. 8 Wallensteins Tod) Wallenstein gemeldet worden ist, dass Octavio an all' dem die Schuld trage, da ruft* Terakg aus
„Hätte man mir geglaubt, Da siehst du's, wie die Sterne dir gelogen.“
Aber mit Würde richtet sich der schwergebeugte Wallenstein auf und spricht mit gläubiger Entschlossenheit die denkwürdigen Worte:
„Die Sterne lügen nicht, das aber ist
Geschehen wider Sternenlauf und Schicksal.
Die Kunst ist redlich, doch dies falsche Herz Bringt Lug und Trug in den wahrhaft'gen Himmel. Nur auf der Wahrheit ruht die Wahrsagung,
Wo die Natur aus ihren Gränzen wanket
Da irret alle Wissenschaft.“
Mit diesem mystischen Wortspiele sucht Wallenstein sich die schla- gende Macht der Thatsachen aus dem Sinne zu schlagen. Es ist jedoch ein tiefer Sinn in diesen Worten. Die alles durchdringende Schicksalsmacht durchschaut den masslosen Ehrgeiz des Helden, der durch seine That der Treulosigkeit die moralische Weltordnung erschüttern will.** Um ihn zu be⸗ rücken und zu verderben und- dadurch den Erfolg der vorausgesehenen That zu brechen, streut die Stimme der Wabrheit d. h. das Schicksal
* Wallensteins Tod III. 9.
** Dass der Treubruch ein welterschütterndes Laster sei sagt Wallenstein selbst(Wallensteins Tod I. 4. III 9.) Dasselbe bezeugt Max(W. Tod II 2.)„Nur zum Verräter werde nicht, das ist schwarz wie Jie Hölle.“ Aehnliches spricht Wrangel aus.(W. T. I. 5).


