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bestimmt ist, und dieses Orakel eben zur Erfüllung dieses Verhängnises beiträgt. Es ist als ob wir Herodot reden hören würden, der da sagt, dass die Götter niemanden ungestraft übermütig sein lassen. Wallenstein aber ist übermütig, denn er will die Grundlage jeder Gesellschaftsordnung, die heilige Treue erschüttern„die Macht, die ruhig sicher thronende“ die in verjährt geheiligten Besitz, In der Gewohnheit festgegründet ruht, Die an der Völker frommen Kinderglauben, Mit tausend zähen Wurzeln sich befestigt“. Wir sehen, wie der Grundgedanke des Stückes antik ist, denn so lehrt uns die grie- chische Tragik, wer des ewigen Rechtes heilige Satzung nicht ehrt, den trifft rascher Schlag. Wir werden auf diesen wichtigen Gedanken noch einmal zurück- kommen.
So viel sehen wir bis jetzt klar, der Glaube an die Sterne d. i. an- das Schicksal verblendet Wallenstein, macht ihm zum Zauderer, reift den Plan des Abfalles und bringt den entscheidenden Entschluss zu Stande. Der Glaube an die Sternkunst hat aber den tragisch verhängnisvollen Plan auch geboren. Dies sagt die Herzogin, Wallensteins Gemahlin(Wallen- steins Tod III. 3)“.
Seit dem Unglückstag zu Regensburg
Der ihn von seiner Höh' herunterstürzte
Ist ein unstäter, ungesell'ger Geist
Argwöhnisch finster über ihn gekommen.
Ihn floh die Ruhe, und dem eignen Glück,
Der eigenen Kraft nicht fröhlich mehr vertrauend, Wandt er sein Herz den dunklen Künsten zu, Die keinen, der sie pflegte, noch beglückt.“
Die dunklen Künste, welche die Herzogin verwünscht, weil sie ahnt, dass sie den Untergang Wallensteins herbeiführen werden, sind die astrolo- gischen. Auch Gordon(Wallensteins Tod V. 6) bezeugt gleichfalls, dass die Gewalt der Sterne Wallensteins Herz trieb. Wallenstein selbst nennt in instinktiver Vorahnung den Schicksalsglauben die ihn verderbende Macht. So in dem denkwürdigen Monologe, wo er die Worte ausspricht(W. Tod I. 4).
„Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit. Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand In des Geschicks geheimnissvolle Urne.
In meiner Brust war meine That noch mein, Hinausgegeben in des Lebens Fremde
Gehört sie jenen tück'schen Mächten an,
Die keines Menschen Kunst vertraulich macht.“
Vor allem aber erhellt dies aus den Worten, die er nach gereiftem Entschlusse zu IIlo spricht und die bei einem antik griechischen Tragiker zu lesen sein könnten.“
„Frohlocke nicht! Denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte. Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte. Den Samen legen wir in ihre Hände, Ob Glück ob Unglück aufgeht lehrt das Ende.“
Er erwartet, wie er selbst sagt,„dass der Rache Stahl auch schon für seine Brust geschliffen sei.“ Und doch säht er des Drachen Zähne, doch vertraut er sich dem Schicksale an. Man sieht deutlich das Schicksal hat ihn zum Opfer auserkoren, er steht willenslos unter des Fatums Macht.


