Ich bin es nicht gewohnt, dass mich der Zufall Blind, waltend, finster herrschend mit sich führe“.
In dem darauffolgenden denkwürdigen Monologe und in dem Gespräche mit Wrangel und der Gräfin Terzky sind all' die alten Bedenken wieder wach so dass Wallenstein heftig bewegt(I. 7) ausruft:
„Zeigt einen Weg mir an aus diesem Drang. Hülfreiche Mächte, einen solchen zeigt mir Den ich vermag zu geh'n.“—
Diesen Ausweg, den ein Wallenstein zu gehen vermag, versteht die schlaue Gräfin zu finden. Was alle ihre arglistigen sophistischen Redeintri- guen nicht vermocht, das vermag der Hinweis auf das Schicksal, auf den gestirnten Himmel, auf den glückseligen Aspekt. Die Gräfin sagt:
„Die Zeichen stehen sieghaft über dir,
Glück winken die Planeten dir herunter
Und rufen: es ist an der Zeit! Hast du
Dein Lebenlang umsonst der Sterne Lauf
Gemessen?— den Quadranten und den Zirkel
Geführt?— den Zodiak, die Himmelskugel,
Auf diesen Wänden nachgeahmt, um dich herum
Gestellt in stummen ahnungsvollen Zeichen
Die sieben Herrscher des Geschicks,
Nur um ein eitles Spiel damit zu treiben?
Führt alle diese Zurüstung zu nichts,
Und ist kein Mark in dieser hohlen Kunst,
Dass sie dir selbst nichts gilt, nichts über dich
Vermag im Augenblicke der Entscheidung? Dies wirkt,
„Ruft mir den Wrangel, spricht Wallenstein,— er schliesst ab mit dem Feinde, die entscheidende Tat, der u*οες welcher mit Notwendigkeit, des Helden Untergang herbeiführt, ist getan, getan nach des Schicksals Macht und Bestimmung, der gegenüber der Mensch willenlos ist. Sagt doch Wallenstein in diesem entscheidenden Momente von sich selbst:
Geschehe denn, was muss „Recht stets behält das Schicksal, denn das Herz In uns ist sein gebieterischer Vollzieher.
Hier zeigt sich doch sonnenklar wie das Schicksal, die wirkende Macht in Schillers Wallenstein ist, keineswegs aber, wie gemeiniglich behauptet wird, nur eine nebenher gehende romantische Zuthat.
Wer kennt ferner nicht jene Frage an das Schicksal, welche Wallen- stein, der unter dem Zeichen des Jupiter geborene Hellseher, in der Nacht. vor der Lützner Action an den Weltgeist richtet?(Wallensteins Tod II. 3) Wallenstein hat eine Frage frei an das Schicksal. Das Schicksal aber offen- bart sich wie in der Antike durch ein Orakel. Es gibt ihm an, dass Octavio sein bester Freund sei. Darauf baut Wallenstein felsenfest und allen War- nungen seiner Freunde gegenüber hat er nur ein stolzes Lächeln der Ver- achtung.“„Du wirst mir, sagt er zu Illo“, meinen Glauben nicht er- schüttern, Der auf die tiefste Wissenschaft sich baut. Lügt er, dann ist die ganze Sternkunst Lüge. Denn wisst, ich habe ein Pfand vom Schicksal selbst, Dass er der treu'ste mir ist von meinen Freunden.“ Aber IIlo hat doch Recht, dieses Pfand hat gelogen, das Schicksal hat ein trügerisches Orakel gegeben, da der Untergang des grossen Wallenstein unabänderlich


