Der Schicksalsglaube als wirkende tragische Macht.
Der Gestirnglaube ist in Schillers Wallenstein identisch mit der Schick- salsmacht. Dies geht aus dem Inhalte der Dichtung hervor und Octavio, Wallensteins Feind, bezeugt es überdies ausdrücklich, da er(Piccolomini V. 1) zu seinen Sohne spricht:
„Herzog Friedland Hat seine Zurüstung gemacht. Er traut Auf seine Sterne. Unbereitet denkt er uns
Zu überfallen,— mit der sichern Hand Meint er den goldnen Zirkel schon zu fassen. Er irret sich,— wir haben auch gehandelt.
Er fasst sein hös geheimnissvolles Schicksal.“
Das bös geheimnissvolle Schicksal für Wallenstein liegt demnach in den Sternen; sie wirken bestimmend durch ihre Constellation und ihre Kundgebungen auf Wallensteins Handeln. Durch den Gestirnglauben wird der tatkräftige Feldherr zum Zauderer. Es gilt sagt er„die rechte Sternen- stunde auszulesen, Des Himmels Häuser forschend zu durchspüren, ob nicht. der Feind des Wachsens und Gedeihens In seinen Ecken schadend sich ver- berge.“ So wartet er nach Illos Worten auf die Sternenstunde bis ihm die irdische entflieht, er lässt die günstige Stunde trotz Illos, des klarsehenden Realisten Zuspruch vorübergehen und Octavio, der ränkevolle falsche Freund gewinnt unterdessen Zeit die Pläne Wallensteins im eigenen Lager zu ver- eitaln. Doch nicht blos durch das Zaudern wird der Gestirnglaube zur wir- kenden Macht sondern auch in anderer Weise. Lange deliberirt Wallenstein, er spielt mit den Gedanken des Verrates„wie mit einem gefährlichen Spreng- stoffe;“ was bringt ihn schliesslich doch dazu jene Tat des Abfalles vom Kaiser zu begehen, welche mit unerbitterlicher Notwendigkeit seinen Tod herbeiführt? Der Schicksalsglaube, der„glückselige Aspect.“ Wallenstein betrachtet mit Seni(Wallensteins Tod I.) die Planetenbilder. Die Constellation ist endlich die lang erwartete, günstige. Verflüchtigt sind nun alle patriotischen und moralischen Bedenken Wallensteins.
„Jetzt muss
Gehandelt werden schleunig, eh die Glücks- Gestalt mir wegflieht überm Haupt,
Denn stets in Wandlung ist der Himmelsbogen.“
Welch' ein Gegensatz zwischen den Wallenstein, der in den Sternen die entscheidende Stunde zum Handeln liest und dem zaudernden Zweifler, als das er uns in den Piccolomini erscheint! Wallenstein ist entschlossen zum Handeln. Da pocht es, Terzky tritt herein und meldet, dass der Unterhändler mit den Schweden und Sachsen, der Sesin, in die Hände der Feinde Wallensteins gefallen sei. Von dieser irdischen Zufälligkeit weis der gestirnte Himmel, weis die Planetenconstellation nichts, dieselben sagt vielmehr nur, das Ort und Zeit günstig und zum Handeln bestimmt sei. Diese irdische Zufälligkeit, welche wider Erwarten eingetreten ist, macht Wallenstein momentan schwankend. Wie soll er sich zu diesem Ereignise verhalten; die Sterne sagen ihm darüber nichts, er ist also wieder auf sich, auf seinen eigenen Willen ge- wiesen. Das Zaudern beginnt von Neuem.„Wallenstein sagt zu IIlo
Warte noch ein wenig. Es hat mich überrascht— es kam zu schnell—


