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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Tl. 1. Tlh. Allerdings hat dieselbe mit Gesslers Tod ihren Abschluss erreicht, sodass die Er mordung des Gegners strenggenommen schon Katastrophe(p. 26) ist. Dennoch konnte diese Handlung hier nicht schliessen ¹²⁶; denn es besteht keineswegs die Aufgabe der Katastrophe ausschliesslich darindurch eine energische Aktion aufzuheben, sondern es muss auch nach derselben in dem Zuschauer das Gefühl der Ver- söhnung zurückbleiben, das als eine natürliche Folge der wahrgenommenenAusgleichung käümpfender Gegen- sätze eintreten soll. Offenbar aber kann sich dieses Gefühl erst dann einstellen, wenn Yell wieder mit den Seinen vereint ist. Nicht dass der dramatische Dichter, um eine solche Wirkung hervorzurufen, nötig hätte, alles bis auf den letzten Strich auszuführen gerade das Gegenteil würde er dadurch erreichen die Katastrophe der Tlh., Rückkehr Tells(V, 2) mit der Episode Parricida ist aber ein Beweis, wie weit, er oft zu gehen hat; denn der Held ist im eigentlichen Sinne den Seinen erst dann ganz wiedergegeben, wenn die Landvögte verjagt, der Kaiser Albrecht, der Tells That rächen kann, ermordet worden ist. 2. Schweh. u. Atfgh. Ausführung der Rütlibeschlüsse unter Rudenz' Mitwirkung(V, 1 ¹²⁷) in zwei Momenten (UÜberleitung ist: Erhebung des Volkes bei Gesslers Tod IV, 3 p. 21); a) Vertreibung der Vögte(berichtet) und Zerstörung der Burgen ¹²⁸(der Fall von Zwing Uri scenisch dargestellt, der von Sarnen durch Rudenz, der des Rossbergs durch Melchthal und Befreiung von Bertha, von Melchthal berichtet). Die Verknüpfung beider Handlungen ist hier eine innige, insofern Melchthal der Vertreter des Volkes, Rudenz, der Vertreter des Adels, gemeinsam das Werk der Befreiung ausführten. Beide Momente sind getrennt durch ein Zwischenglied: Beschluss der Aufbewahrung des Hutes; b) Ermordung des Kaisers(von Stauffacher be- richtet, zugleich das Erscheinen ²²⁷ Parricidas vorbereitend). Das Stück endigt mit einem Schlussbild ¹³⁰ (letzte Scene, unmittelbar nach der Episode ¹³²⁷), das ähnliche Bedeutung für Attgh. hat, wie die Rück- kehr Tells als(freilich unentbehrlicher) Schluss der T'lh., Vereinigung der Liebenden u. s. w. Durch Teil- nahme Tells und der Schweizer an diesem Schlussbilde sind die Fäden der drei Handlungen glücklich miteinander vereinigt und das Ganze wird dadurch zu einem wirksamen Ende

geführt(s. die dramaturgische Tafel).

126) D. Tl. 81 meint, dass nur theatralisch Tell als Erretter und Befreier der drei Lande dargestellt werde, aber nicht dramatisch. Siehe daselbst auch den Plan zu einem wirklichen Wilhelm Tell, in dem der Bund und die Befreiung mehr in den Hintergrund treten.

127) D. Tl. 262 über das Verhalten des ängstlichen Freiheitsmannes Walter Fürst. 264 flg. die fehlende scenarische Bemerkung, die Zerstörung des Baues selbst betreffend. 109, 267 die Ermordung Albrechts erfolgte

vier Monate später. 110, 267. Die Reichsacht, welche Kaiser Heinrich VII. zu Speier über die Mörder aussprach, wird als gleich erfolgt und die grausame Verfolgung von Seiten der Tochter Albrechts als unmittelbar drohend dargestellt. 268 zu der scenarischen Bemerkung: die Landleute umarmen einander.

128) Vischer III, 24 über das Kompositionsgesetz:Allgemein ist auszusprechen, dass alle echte Kunst nicht dünn und spärlich, sondern voll und üppig quillt, nicht aus einer, sondern vielen Röhren sprudelt und mehr vor dem Zuviel als dem Zuwenig sich zu hüten hat. So entfaltet Schillers T7. das revolutionäre Element in den ver- schiedensten Formen der jugendlichen Leidenschaft, der besonnenen Beratung, der einsilbigen Entschlossenheit u. s. w.

129) Tl. 272. Der Dichter lässt Parricida wider die Geschichte als Mönch in Tells Hause erscheinen(über das zufällige Erscheinen p. 112); freilich soll er als Mönch gestorben sein, aber dass er auf der Flucht Mönchstracht angenommen, wird nicht berichtet.

130) Vischer sagt an der Stelle, wo von den Arten und Unterarten der Phantasie die Rede ist, p. 378 von Schiller:Schiller ist vorzüglich für das Erhabene des Subjekts und das Schicksal in der Geschichte organisiert, doch gelingt ihm auch Volksleben und Kulturform, aber besser drastisch bewegte(Soldatenleben in M 1sk.), als ein- fach schöne(ländliche im TII.).

131) Die Episoden und Zwischenscenen(s. I. p. 4 N. 6) bedeuten, ähnlich den Monologen und Botenberichten, Ruhepunkte in der fortschreitenden Handlung; die ersteren sind selbständige Stücke und in fast nur äusserlichem Zu- sammenhang mit dem Voraufgehenden oder Nachfolgenden, während die Zwischenscenen(welche, wenn sie von geringem Umfange sind und mitten in einer Scene liegen, Zwischenglieder genannt werden können) in engerer Ver- bindung zur Handlung stehen, immerhin aber gleich den Episoden diese an einer bestimmten Stelle unterbrechen. Der Schüler wird unter Anleitung des Lehrers auch diese Teilstücke erkennen lernen, wenn er erst mit dem Bau des Dramas(den Teilen und Stellen) vertrauter geworden, ist. In fast allen Schillerschen Dramen bieten sich lehr- reiche Beispiele: R. das Erscheinen Kosinskys; F. Calcagnos Bericht von der Entdeckung der Verschwornen, Fieskos Verstellung, Auslieferung des Mohren; die Teilnahme Berthas und des Mohren am Kampfe. Wäst. T6d. III, 1112, 19 20; Wallensteins Erzählung seines Traumes, Tl. die(bekanntlich zu absichtliche) Episode von Parricida.