schlimmer als physisches Ende: Elisabeth muss unmittelbar nach der Hinrichtung der Stuart die Erfahrung machen, wie wahr vorher Talbot gesprochen, als er sie mit den Worten verhindern wollte, das Todesurteil zu unterzeichnen: Nicht die Lebende hast du zu fürchten, zittere vor der Toten, der Enthaupteten, verlassen wird sie von ihm, der ihrer Krone kräftigste Stütze sein könnte, ja selbst von dem Manne ihrer Liebe, Lord Leicester. Damit ist aber zugleich derjenige Zustand, den herzustellen Aufgabe der Katastrophe ist, eingetreten: Sühne, d. h. Maria hat für ihre Leiden und die ihr zugefügten Krünkungen ein triumphierendes Ende ¹¹⁸ν gefunden, die Intriguanten sind gestürzt, an der heuchlerischen Elisabeth aber rächt sich der Tod der Gegnerin durch ein furchtbares, nie wieder zu erstickendes Bewusstsein schwerer Schuld.
J. v. 0. Befreiung des Vaterlandes von den Feinden durch erfolgreichen Kampf gegen ihre sinnliche Natur(Steigerung und Höhenpunkt s. I. p. 28) war die Mission der Jungfrau. Sie konnte dieselbe aber nicht zu Ende führen, weil sie die Bedingung(Entsagung der Liebe) verletzte(tragisches Moment). Infolgedessen verhängte die göttliche Gerechtigkeit über sie ein Strafgericht, nachdem der Glaube an ihren himmlischen Beruf, sowie ihre glühende Begeisterung und damit die alle: Herzen entflammende Hoheit ihres Wesens verloron ging(Umkehr p. 18 fig.) Durch Überwindung der Liebe muss dieselbe zugleich mit der Huld des Himmels wisdergewonnen und Johanna selbst hierdurch in den Stand gesetzt werden, ihre Aufgabe auf Erden zu erfüllen, d. i. Katastrophe des Stückes. Die letztere besteht 1. aus einer Vorscene: die seit Johannas Entfernung im französischen Lager eingetretene ungünstige Kriegslage V, 7, 8;¹⁰0% Uberleitung: Aufbruch zu ihrer Befreiung; 2. der Hauptscene, die Entscheidung in vier Momenten, und zwar in der Weise, dass wiederum der äusseren Handlung eine innere(I. s. p. 29) entspricht; a) Lionels erneute Wer- bung— Johanna entsagt der Liebe; b) Anrücken der Heere— Johannas neugestärkter Glaube an die Rettung ihres Vaterlandes durch des Himmels Hand: eure Macht ist hin(V, 9, 10 ¹²¹); c) das Kriegsglück wendet sich auf Seite der Engländer— wiedererwachende glühende, kriegerische Begeisterung Johannas; d) der König gefangen— Johannas vom Himmel erhörtes befreiendes Gebet(v. 11); 2) Sieg umter Johannas Führung— verklärter Tod ¹²* der Jungfrau(V, 12, 13, 14).
B.». M. Die Uberleitung zur Katastrophe bildet Don Cesars Verzweiflung(Schluss von IV, 6); diese selbst besteht aus a) Don Cesar ordnet das Begräbnis seines Bruders und beschliesst die Ausführung des Selbstmordes zur Sühne für den Ermordeten(V, 8 ¹²³), p) aussöhnende Unterredung zwischen Mutter und Sohn(V, 9); c) Don Cesars letzter Kampf(Unterredung mit Beatrice ¹²*l und Tod¹²*νꝗ V, 10).
verfallen, indem sie über das nichtschuldige Hauptsubjekt das Übel verhängen, selbst in Schuld und Strafe, aber dieses setzt sein unmittelbar nicht verdientes und insofern zufälliges Leiden durch sein Bewusstsein in Zusammenhang mit seiner Schuld.“„Elisabeth in Schillers M. St. ist gegen diese nicht im Rechte, denn des Verbrechens, wofür sie eingekerkert und zum Tode verdammt wird, ist sie nicht überwiesen noch geständig. Elisabeth selbst wird daher die Schuldige und verfällt am Ende, verlassen von ihrem Günstlinge, der Last ihres Bewusstseins. Leidet nun die schuldige Hauptperson durch solche, welche durch ihre Schuld nicht verletzt waren, wie Maria Stuart, so muss das Bewusstsein derselben den innern Zusammenhang zwischen Schuld und Übel herstellen. Das beste Beispiel ist eben die letztere, welche versöhnt, im Gefühle, durch den unver- dienten Tod ihre wahre Schuld zu büssen, in den Tod geht.“
119) J. Duboc. a. o. O. p. 39 flg. zbigt am Geschick der Maria Stuart, dass die echt tragische Wirkung tfrans- cendent— erhebend ist(„am Klarsten— vorzuliegen scheinen“).
120) D. J. v. O. 248 flg. über das Verhalten von Dunois, du Chatel und des Erzbischofs letzte Rede. 121) D. J. v. O. 252 zu den Worten: Erschreckt dich ein gefesselt Weib? 85
122) Vischer a. o. O. II, 368.„Das Endschicksal wird in den grossen Stoffen meist in der Hauptsache so
gegeben sein, dass wesentliche Umänderung Sünde wäre, wie wenn... Wallenstein glücklich enden sollte.“....
„Natürlich hindert aber überall nichts, das Ende reiner zu motivieren und zu gestalten, wie z. B. den Tod der Jungfrau von Orleans.“
123) D. B. b. M. Hier sollte ein neuer(V.) Akt beginnen.
124) Vischer a. O. O. II, 145.„In der Familie fliesst die Liebe des Vaters zur Mutter, der Mutter zum Vater, beider zu den Kindern, des Kindes zu den Eltern, der Kinder unter sich in eine Liebe, eine geistige Person zusammen, und ist dies ein um so reicheres Schauspiel, da jedes unter diesen die andern wieder mit einer andern Liebe liebt. Dass Zerstörung der Familienliebe Zerstörung der Menschheit, Weltuntergang ist, spricht in gewaltigen Lauten Shakespeare im König Lear aus...“ ferner gehören hierher die Kollisionen:„Vaterliebe mit Mutterliebe: Orestie; Bruderliebe mit Gesetz: Antigone; Bruderliebe und Leidenschaft der Liebe zum Weibe: Braut von Messina.“
125) Vischer a. o. O. I, 310.„Das äusserste Ubel ist der Tod nur in objektivem Sinne. Don Cesar in der B. v. M. reinigt seine Schuld durch den Tod und spricht aus, dass das Leben der Güter höchstes nicht ist(weil ihm der Tod gegen die Qual des Bewusstseins subjektiv noch als Gut erscheint).“


