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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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das über die ganze Dichtung von IIlst. Td⁴. ausgegossen ist(siehe I, 1, das astrologische Zimmer), wie- derum, nur in der Schwüle des Gewitters recht deutlich empfunden werden; d) Gordons, seines ehemaligen Jugendgenossen flehentliche Bitte(V, 3). 3. Scene: die Ausführung; a) Gordons letzte Verwendung bei Buttler(V, 6); b) Auftreten der Mörder; c) der Trompetenstoss verkündet die scheinbare Ankunft der Schweden und mahnt zur Eile; d) Eindringen ins Schlafgemach(V, 7 ¹⁰¹). Die Hauptkatastrophe ¹⁰², durch das Aufsprengen der Thüren, die dumpfen Stimmen, das Waffengetöse und durch die darnach plötzlich eintretende tiefe Stille zur ausserordentlichen Wirkung gesteigert, ist verbunden mit den Nebenkatastrophen durch das Auftreten der Gräfin Terzky, durch die allgemeine Bestürzung bei der Kunde von der Ermordung Wallensteins und seiner Getreuen, sowie der gemeldeten Ankunft Octavios(V, 8, 9, ¹03 10 ¹ 4). Neben- katastrophen der Gräfin Terzky und Octavios in 2 Momenten: a) Octavio, als der Urheber der That von Buttler bezeichnet(V, 11¹⁰⁵), steht auf der Höhe seines Glückes(die Erhebung ¹⁰⁰⁶ in den Fürstenstand) vernichtet ¹⁰7(V, 12); b) die Gräfin Terzky tötet sich selbst.

M. St. Höhenpunkt war: Unterredung der Maria mit der durch Leicester verlockten Elisabeth. Hierdurch schon kann der Schüler aufmerksam werden, dass von dem Sturz von der Höhe, der durch die vier Stufen der sinkenden Handlung des IV. Aktes vorbereitet wurde, drei Personen betroffen werden, dass also das Stück drei Katastrophen enthält, nämlich 1. Katastrophe Maria ¹(V, 1 9 ¹⁰); 2. Leicester(V, 10); 3. Elisabeth(V, 11 15). Katastrophe Maria a) Einleitung: Melvil, Burgoyn, Hanna und die Kammerfrauen finden sich ein zum Abschied von der Königin(Y, 1, 2, 3, 4, 5). Wirksam leitet die Schilderung des Blutgerüstes durch die Kurl, das sie zufällig sehen musste, über zum Erscheinen von Maria selbst; b) 2 Scenen: 1. Scene: Abschied von den Ihrigen(V, 6 ¹¹⁰); 2. Scene:

Beichte ¹li und Abendmahl(V, 7); c) Schluss: die Todeskommissarien, Aufbruch zum letzten Gang(YV, 8, 9).

101) D. Wäst. Td. 308., Anmerkung*) vgl. den daselbst gegebenen Bericht von Murr und Schillers Veränder- ungen in der Mordscene.

102) Über die Ermordung Wallensteins, sofern dieselbe nicht auf der Scene, sondern hinter derselben vor sich geht(dadie Unmöglichkeit einer andern Lösung durch die unzweifelhaft stärkere Gewalt der tötenden Gegner selbstverständlich ist), äussert sich G. Fr. a. o. O. p. 68:Die finstre Gestalt Buttlers, das Werben der Mörder, das Zusammenziehen des Netzes um den Ahnungslosen ist in einer lange und stark aufregenden Steigerung dem Zuschauer in die Seele gedrückt, nach solcher Vorbereitung wäre der Akt des Mordes selbst keine Verstärkung mehr; man sieht die Mörder in das Schlafzimmer eindringen, das Krachen der letzten Thür, das Waffengerassel und die darauf eintretende plötzliche Stille erhalten die Phantasie in derselben unheimlichen Spannung, welche den ganzen Akt färbt. Und das langsame Aufregen der Phantasie, die beengende Atmosphäre und das letzte Verhüllen der That selbst passen wieder vortrefflich zu dem Träumerischen und Geheimnisvollen des inspirierten Helden, wie ihn Schiller gefasst hat.

103) D. Wäst. Td. 309. Anmerkung*) zu der scenarischen Bemerkung: Buttler Lommt aus der Galerie.

104) D. Wlst. TId. 309 bezeichnet die Ankunft des Bürgermeisters und das Fortrennen der Bedienten als ent- behrlich. Anmerkung**: In Wirklichkeit erschien nicht Piccolomini, sondern Gallas, und zwar erst am andern Tage, zuerst in Eger.

105) D. Wäst. Td. 310** hier ist das goldne Vliess u. s. w. vgl. daselbst den ausführlichen Bericht.

106) D. Wäst. Td. 311 über die sehr verfrühte, aber dramatisch äusserst wirksame Belohnung.

107) Vischer a. o. O. I. 318.Wallenstein fällt und das österreichische Hofsystem siegt durch Octavios ge- lungenen Plan. Hierdurch verstärkt sich der Schein, als fallen die Verräter des glänzenden Rechts unschuldig und triumphiere das Unrecht. Allein das wäre ausser aller Schönheit, denn wenn es in dem Gebiete, wo der störende Zufall nur in unübersehlichem Fortgang aufgehoben wird, oft genug so aussieht, als wäre Gerechtigkeit nicht das Gesetz der Geschichte, so rückt ja eben das Schöne, was auseinander gesprengt ist, aneinander, und hier muss Gerechtigkeit im einzelnen Falle sichtbar walten. Piccolomini überlebt, aber mit zerschlagenem Herzen und mit dem Verluste des geliebten Sohnes. Der Dichter hätte nur mit ein paar Worten auch dies andeuten müssen, dass das scheinbar siegreiche System des Kaisers noch in weiter Zukunft Fluch tragen muss und so aus Wallensteins Blut die Erinnerung aufsteigen werde.

108) Vischer a. o. O. 309:Der ästhetische Zusammenhang(zwischen Schuld uud Übel) ist um so reiner, je mehr die Strafe als einfacher Reflex, als blosse Kehrseite der Schuld erscheint. Maria Stuart hat eine durch Launen und Verirrungen der Liebe beffeckte Jugend zu bereuen und eifersüchtige Weiberlaune ist das Grundmotiv, warum Elisabeth das Todesurteil unterzeichnet.

109) D. M. St. 205 flg. In Wirklichkeit hatte man(nach Robertsons Bericht) Melvil erst seit einigen Wochen von ihr entfernt, und Maria traf ihn erst, als sie die Treppe zum grossen Saale herabgestiegen war, worin das Blutgerüst die Nacht über aufgeschlagen worden war. Ebenso liess bereits tags vorher Graf Shrewsbury den Befehl zur Hinrichtung vorlesen. 3

110) D. M. St. 212 flg. zu den Worten Marias: Wie, Meloil hier? und zu dem Verhalten des Ritters.

111) D. M. St. 219 flg. Euch will ich meine letzte Beichte thun... dem ungeweihten Priester! 223 über die Lossprechung. 4