31
das Doppeldrama schön verbunden s. p. 12), 5. Scene: die Schlusskatastrophe der Picc.(durch IV, 5 vor- bereitet): Bericht seines Todes(IV, 9, 10) und Theklas Flucht ³(IV, 11, 12,94 13, 14).
Die Katastrophe von Wlst. T¹d. fällt(wie die Umkehr von WISt. T. mit der 2. Stufe des Doppeldramas s. p. 17) mit der des Doppeldramas zusammen und füllt mit den Nebenkatastrophen(Terzkys und Octavios) den V. Akt. Ihr Eintritt, d. h. der Tod des Helden wird energisch gefordert, weil Wallensteins ehrgeizige, herrschsüchtige Natur, die nur durch sein physisches Ende aufhören wird, die ganze Umgebung in einen so hohen Grad von leiden- schaftlicher Aufregung gebracht hat, dass sie Zwischen Recht und Unrecht, den Geboten der Pflicht und des Ge- wissens und selbstsüchtigen Interessen nicht mehr genau unterscheiden kann(vgl. das Verhalten Octavios, Buttlers, Terzkys u. s. W.), und weil ein lüngeres Fortdauern dieses Zustandes zur Auflösung aller sittlichen Bande und recht- lichen Verhältnisse führen müsste. Sie umfasst drei Scenen. 1. Scene: Verteilung der Rollen, Buttler gewinnt Geraldin zur Ermordung von IIlo und Terzky(V, 1 ⁹⁵), Macdonald und Deveroux zu der Wallensteins(V, 2 ⁹⁰); 2. Scene(wie die 3. in 4 Momenten, jedes eine kleine Steigerung enthaltend): die Warnungen. Voran- geht eine Einleitung: Entlassung des schwedischen Hauptmanns; Wallenstein, zwar tieferschüttert, hofft mit Sicherheit auf glückliche Lösung(V, 3, diese Stimmung, hier besonders hervorgehoben, beherrscht den Helden auch in dem folgenden bis zu seinem Ende); a) Träume der Gräfin Terzky(V, 3 ⁹(); b) das Zer- springen der Kette(des Talismans, des ersten Zeichens der kaiserlichen Gunst V, 4 ⁹⁸); c) Seni, sein Astrolog, verkündet aus den Sternen das nahende Unglück(V, 5 ⁹⁹), wodurch die Strahlen des magischen Lichtes, ¹⁰ο
93) Vischer a. o. O. I. 308.„Max und Thekla im Wäst. gehen freilich ganz unschuldig zu Grunde, aber sie sind auch abstrakt ideale Figuren. Wären sie mit mehr Lebenswahrheit hingestellt, so wäre mit dem nötigen Schatten auch der Anknüpfungspunkt gegeben, um sie wenigstens unter den Standpunkt der Unschuld der Individualität zu stellen“(vgl. J. Duboc a. o. O. p. 65).
94) Bei den Worten: Da kommt das Schicksal roh und kalt bis Ende, mag man nicht versäumen, auf eine Bemerkung Lemkes, Asthet. 581 aufmerksam zu machen.„Wenn der Dichter eine scharf sich aus dem Allgemeinen loslösende Persönlichkeit wählt, etwa eine historisch genau bestimmte, welche keine Allgemeinheit, sondern vor allem sich selbst repräsentiert und nur durch eine innere Wahrheit mit dem Allgemeinen zusammenhängt, dann hat er in ihr auch nicht etwa ein allgemeines Menschenlos zu schildern, sondern das ihr eigentümliche Schicksal. Und er kann und darf dies nicht in allgemeinen Zügen, sondern wird das Ganze individueller zu behandeln haben. Man sehe nur wie... die allgemeinen Personifizierungen einer edlen Jünglingsnatur und einer Jungfrau gleich zu einer seltsam abstechenden Behandlung dieser Partien im Wäst. führen: von Max Piccolomini kann Thekla sagen: Da kommt das Schicksal— roh und kalt fasst es des Freundes zärtliche Gestalt— und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde— das ist das Los des Schönen auf der Erde! Das ist das Los des Schönen auf der Erde passt auf Max, das ist das Los des Grossen auf der Erde darf auf Wallenstein nicht passen, wenn er die geschichtliche Persönlichkeit sein soll und nicht ein Traumgebild.“ Weiterhin führt Lemke aus, dass der Dichter es zu vermeiden habe, das Allge- meine und das Besondere nebeneinander zu stellen, dass dadurch keine Verschmelzung erzielt werde, sondern eine Disharmonie kaum zu umgehen sei. Dafür könnten Max und Thekla unter diesen Figuren wie Wallenstein, die Terzkys, Octavio Piccolomini, IIlo, Isolani, Buttler, Questenberg u. a. zum Beispiel dienen(wie notwendig gerade diese Lichtgestalten neben diesen finsteren, rachesinnenden Personen waren, übersieht Lemke).
95) D. Wlst. Td. 298 über das Verhalten der Bürger bei Schiller und nach dem ausführlichen Bericht.
96) D. Wäst. 1d. 299 über den Mord Wallensteins nach dem ausführlichen Bericht.— Anmerkung*) zu Buttlers Kusserung: Elender/— 301 zu dem nicht glücklich erfundenen Bedenken: mir auf den Rockh sieht.— 302 Anmerkung: den Weg, den die Mörder in Wirklichkeit genommen.
97) D. Wst. Id. 303 flg. zu den Worten: die Schaoärze des Gewitterhimmels.. den trüglich wankenden Planeten... die Blume ist hinweg aus meinem Leben(als einer Klage, die dem Augenblick und Wallensteins Charakter nicht ange- messen erscheinen) und zu der Nennung des Namens Ravaillac.— Vischer a. o. O. I. 271.„Rührend nennt man, was bloss rührt, weil es zum Widerstand sowohl gegen den äussern als gegen den innern Feind, die auflösende Empfindung, zu schwach ist, sodass nur Thräne, Klage... bleibt. Es ist am Platze, wo hilflose Wesen auftreten, Kinder, Weiber. Dagegen steht es Männern schlecht an...“ Doch vorübergehend ist es am Platze, wie z. B. selbst Wallenstein in seiner letzten Stunde im Andenken an Max Piccolomini noch weich wird. Je nach dem Zusammen- hang soll aber auch das Weib durch Erhebung sich stark zeigen. Maria Stuart erhebt sich im Angesicht des Todes; die lange Abschiedsscene ist zu rührend, sofern sie trotz der Erhebung zu lang bei der Darstellung des auflösenden Schmerzes verweilt.
98) D. Wlst. Td. 305. Wo wir zusammen Edellnaben waren.
99) D. Wlst. Td. 306. Und hätte mir das Herz, wie jetzt, gesprochen— Kann sein, ich hätte mich bedacht ◻
100) Vischer a. o. O. III. 1399 zeigt, dass eine unerbittlich fortschreitende Bewegung ihre Ruhepunkte fordert, nur müssen diese nach der andern Seite die Wirkung derselben erhöhen.„Im Wallenstein ist das Liebesverhältnis zwischen Max und Thekla, auch das Astrologische ein wiederkehrender, zu sehr ausgedehnter Ruhepunkt, ein äusserst wohl erfundener und schön ausgeführter die Scene, wo Wallenstein zum letzten Mal, in der Stimmung milder Wehmut, auftritt. Die Monologe fallen im allgemeinen ebenfalls unter diesen Standpunkt. Sie beruhigen durch die Einkehr in sich, es erstreckt sich aber die vorhergehende Wirkung in sie herein und die kommende erzeugt sich in ihnen.“


