Auffindung der Briefe V, 8;81 Bericht an den König V, 9, Befehl des Königs an den Grossinquisitor V, 10³²); b) Carlos' Abschiedsès von der Königin; er verfällt der Inquisition(V, 1144).— So siegt zwar Philipp, aber durch die sehmerzlichsten Erfahrungen in seinem Innern schwer getroffen(vgl. N. 118).
Wlst. 1. Picc. An das zweite Moment der 1. Stufe der Umkehr des Doppeldramas(s. p. 16) schliesst sich von der Katastrophe der Picc. die 1. Scene: Max trennt sich vom Vater(Wäst. 7d. II, 755; über die innere Lösung s. I. p. 35). Die übrigen Scenen werden eingeleitet durch die Intrigue der Gräfin Terzky, durch Thekla die Piccolomini an Wallenstein zu fesseln(III, 1, 2 Wlst. Td.), sowie durch die Familienscenen(III, 3, 4 zweite Hälfte, Stellung der Eltern zu dem Liebesverhältnis; III, 11, 12 die bestürzte Grüfin Terzky pringt der Herzogin die unglückliche Botschaft; letztere Auftritte bilden eine Zwischenscene, und diese folgt der 1. Stufe der Umkehr des Doppeldramas III, 5— 10 s. p. 16). III, 17,86 18,57 19, 20,85 21,59 22, 23,0 enthält einen Teil der übrigen Scenenreihe der Katastrophe der Picc. 2. Scene: Max“ ²¹⁴ letzte Unter- redung mit dem Feldherrn. Zwischenscene: Versuch der Pappenheimer ihren Führer zu befreien. 3. Scene: Abschied² von Thekla und Aufbruch Maxens(mit der Vorstufe der 2. Stufe der Umkehr für
81) D. D. C. 145 über die Unvorsichtigkeit in den von Posa zur Flucht getroffenen Veranstaltungen(Aus- händigung so wichtiger Papiere an einen Karthäusermönch, statt an die Königin).
82) D. D. C. 108 weisst nach, dass der Einfluss der Inquisition hier zu spät eintritt(hors d'oeuvre). Frei- lich wirkt das Auftreten des Inquisitors, des furchtbaren Gegenbildes zu den menschenfreundlichen Träumen des Marquis und dem begeisterten Unternehmen des Prinzen an sich in hohem Grade tragisch, aber es fällt eben nicht in den eigentlichen Bereich der Dichtung.— 291(Anmerkung): die Inquisition irrtümlich von Schiller als Orden bezeichnet. 83) D. D. C. 143 tadelt mit Recht den überraschend unglücklichen Ausgang des Prinzen.— 294. Der eben stattfindende Eintritt des Prinzen nicht ganz der Zeitfolge(1. V, 9) entsprechend.— 295. Die Wiedergabe und Ver- brennung der gegenseitigen Briefe(dass Carlos Briefe beim Könige liegen, bleibt unbeachtet) könnte man entbehren. — Zu den Worten: Jeh habe für dieses Leben Leine Arbeit mehr. eine wunderliche Behauptung, da ja eine so ent- schiedene Thätigkeit seiner harrt.— 298 über die unpassende Bemerkung des Prinzen, er werde die Königin als die Witwe seines Vaters ehren, und dass sie in ihre Pffichten als Gattin zurücktreten möge.— 297 zu den Worten: Still! Hörten Sie nicht etwas? und Gute Nacht, wofür lieber Lebewohl gelesen würde.
84) Vischer a. o. O. III. 1402:„Wichtig ist die Frage über die letzten Scenen, sofern dabei das Kompo- sitionsgesetz der schliesslichen festen Begrenzung(vgl. Vischer§ 501) im tiefsten Zusammenhang mit dem Inhalt zur Anwendung kommt. Es handelt sich im Tragischen darum, wie weit der Dichter uns eine Aussicht eröffnen soll, die uns mit der Härte des Schicksals versöhnt. Diese Aussicht darf nicht zu entwickelt sein, wenn sie nicht zu einem gemeinen und trivialen Begriffe von Gerechtigkeit führen und überdies in die Breite des Empirischen, das neben dem idealen Ausschnitte des Dramas eigentlich nicht existiert, ablenken soll; sie darf nicht fehlen, wie am Schlusse von D. C. und in grossen Schicksals- und Effektstücken, die mit einem reinen Missklang endigen.“
85) D. Wlst. 268. Erst an dieser Stelle könnte das Drama von den Picc. enden, wie es auch ursprünglich beabsichtigt war, wenn freilich auch hier kein eigentlicher Ruhepunkt der Handlung eintritt.
86) D. Wäst. 280. Auffällt, dass hier der früher(vgl. III, 4) beschlossenen Entsendung nach Holland gar nicht mehr gedacht wird.
87) D. Wist. 281 zu den Worten: Wär' ich dem Ferdinand gewesen, was Octavio mir war... wodurch sich Wallenstein nur gegen den Vorwurf der Undankbarkeit rechtfertigen kann, aber nicht gegen den der Untreue.
88) D. Wälst. 282 flg. Neumann fällt als erstes Opfer, abweichend von der Geschichte, wonach er bei dem Blutbankett zu Eger ermordet wurde.
89) D. Wäst. 283 flg. über Maxens schwankendes Verhalten(iCin mir ist Nacht...).— vgl. ebendas. die von D. angeführten Gründe für die Behauptung, dass die Scene zwischen Max und Thekla(III, 21) mehr Rednerei als wahres Gefühl enthalte.
90) D. Wist. 285 zu den Worten: Versprecht mir, die Hand gebt mir darauf— über den„glänzenden Ab- gang“, dessen der Dichter wohl hätte entraten können. Mit Wallensteins Worten:„Hier ist er. Er ist frei. Ieh halt' ihn nicht mehr“, erhielte der Aufzug einen weniger pathetischen, aber ergreifenden Abschluss.
91) Vischer a. oO. O. I, 278:„Um die erhabenen Charaktere in Bewegung zu setzen, treten harmlos anmutige Gestalten auf(Max neben Wallenstein). Sie sind in diesem Zusammenhange gewöhnlich bestimmt, als Opfer zu fallen, sie stehen wie„„die Alpenblumen am Wassersturz.““
92) Vischer a. 0O. O. III, 2, 1379:„Schiller giesst rhetorisch seine ideale Anschauung, sein schönes Gemüt in seine Personen, man vernimmt ihn selbst, wie er hinter ihnen als dünnen Masken steht und hervorspricht, er zeichnet das Böse und Niedrige mit seinem Hasse, statt ihm den kurzen Schein behaglicher Berechtigung zu gönnen. Wo er diese Subjektivität, welche wohl in Allgemeinheit des Gedankens und reiner Liebe die Welt umfasst, aber nicht im Sinne der poetischen Selbstverwandlung eine Welt ist, am meisten überwunden hat, im Wäst., spart er sich doch die Partie von Max und Thekla als direktes Gefäss für sein Gemüt auf, und eben diese Partie hat daher am wenigsten Haltung und Farbe von Stoff und Schauplatz. Das Drama fordert einen Geist, der im Subjektiven selbst ganz objektiv ist, der daher, wenn er sich ausspricht, den Gegenstand, und zwar im grossen Sinne des Wortes, die Welt, ausspricht; es ist eine totale Selbstumsetzung, die reinste Reproduktion des Traumes im hellen Wachen.“


