29.
(V, 15); Hauptscene: Verrina tötet“ Fiesko und huldigt Andreas Doria(V, 16, 17).— Die Neben- handlung: ihre Entwicklung bis zum Höhenpunkte wurde früher(I, p. 20 flg.) gezeigt. Der Höhen- punkt: Leonore beschliesst die Trennung von dem anscheinend lieblosen Gatten, Fiesko erbittet eine zwei- tägige Frist(III, 3), steht unmittelbar hinter dem Höhenpunkt der Haupthandlung; an ihn schliesst sich die 1. Stufe der Umkehr der Nebenhandlung: Juliens Anschlag nach dem Bericht des Mohren(III, 4), 2. Stufe: Fiesko ladet Julien zur Komödie(III, 10). I. Nebenkatastrophe: Julie; Demütigung— Rück- gabe des Schattenrisses(IV, 11— 13). II. Nebenkatastrophe: Leonore; Leonorens Besorgnis(IV, 14), Teil- nahme am Kampfe(V, 5), Tod durch Fiesko, der die ermordete Gemahlin erkennt(V, 11—13). Darin, dass Fiesko in dem Augenblicke, wo er am Liele sich angelangt glaubt, im Irrtum Leonoren, deren Ehre er soeben wieder hergestellt hat, töten muss, hat man einen antik-tragischen Zug gesehen, eine Art Racheakt des Schicksals für das frevelhafte, die Gattin schwer kränkende Spiel, das er zur Verhüllung seiner ehrgeizigen Pläne mit ihr getrieben hat. Auf die Anwendung des musikalischen Elementes— hier der Fahnenmarsch— zur Bezeichnung des Gegensatzes ist schon früher(I. p. 35. Picc. III, 5, 6, p 22, T1. IV, 3) hingewiesen worden.
D. C. 1. Die Katastrophe der Nebenhandlung Eboli schliesst sich unmittelbar an die 2. Stufe der Umkehr(IV, 19, p. 16): Verbannung der Prinzessin(IV. 20 6). 2. Die Katastrophe Posa: Wirkung des Briefes(IV, 22— 24, V, 1, 3, 4), mit einer Vorscene: Posas Abschied von der Königin; er legt sein Vermächtnis in ihre Hand(IV, 21 7). Die Hauptscene in drei Momenten: a) Posas Verräterei wird am Hofe bekannt(Bericht des Oberpostmeisters V, 22, Protest der Granden V, 23, 8 Triumph Albas V, 24; mit letzterem Auftritt ist die Schlusshandlung der Katastrophe Eboli verknüpft); b) Posas Ende ist durch ein Zwischenglied in und g geteilt: Posa giebt dem Prinzen Aufschluss) über die Ursache der Gefangennahme(V, 1 ³)— Zwischenglied: Carlos verlangt die Rückgabe des Degens aus den Händen des Königs(V, 2)— 5) über seinen Plan und wird erschossen(V, 3⁵⁰); c) Rechtfertigung Posas vor dem Könige durch Don Carlos(V, 4). 3. Die Katastrophe: Don Carlos(V, 8— 11 vgl. p. 24 flg.) in zwei Momenten: a) Albas Entdeckungen und des Königs Massregeln(Albas Mitteilung an Feria von der
75) Lemke a. o. O:„über das Tragische“ verwirft nach dem Satze, dass die Macht, die den Sturz des kämpfenden Erhabenen bewirkt, nicht zu klein sein darf, diese Katastrophe. Er sagt p. 100:„Verrina tötet Fieske, der schwächere Mann für sich allein, seine einzelne Idee gegen die des Helden— der tragische Eindruck ist nicht gewonnen.“ Über die Verwendung des Zufalls für das Tragische heisst es p. 103 flg.:„Der gewöhnliche blinde Zu- fall ist nicht zu gebrauchen. Seine Disharmonie stört uns; sie verdriesst, erscheint hässlich, wenn sie das Erhabene trifft. Nur wenn wir eine tiefere Verbindung zwischen dem Zufall und dem davon Betroffenen entdecken oder zu entdecken glauben— im ersteren Falle hört er dadurch vollständig auf, noch Zufall zu sein— kann er als Macht auftreten. Wenn ein Mann durch eine stürzende Bildsäule erschlagen wird, so kann das ein blinder Zufall sein; wenn aber die Bildsäule einer Ermordeten auf den Mörder fällt und diesen erschlägt, so ist dies kein blinder Zufall mehr für unsere Betrachtung. Wir sind versucht eine höhere Schickung darin zu sehen(darf aber ein moderner dramatischer Dichter einer solchen abergläubischen Vorstellungsweise Rechnung tragen, oder hat er nicht vielmehr gerade den Beruf, ihr nachdrücklich entgegenzutreten? Der Verfasser). Fiesko empört sich gegen Doria und siegt. Er will eine Galeere im Hafen besteigen, gleitet auf dem hinüberführenden Brette aus, fällt ins Wasser und ertrinkt. Das ist kein tragisches Ende. Schiller sucht diesen Zufall auszumerzen, indem er die Figur des Verrina schuf, der Fiesko ins Wasser schleuderte, da er sieht, dass derselbe nicht Genuas Freiheit, sondern nur die eigene Herrschaft bezweckt. Ich sagte schon, dass Verrina, der einzelne Mann ohne ein halbes Genua oder ganz Genua hinter sich, gegen Fiesko kein richtiges Gegengewicht abgeben kann; der Stoss von hinterrücks, der Fiesko aus Sieg und Leben wirft, ist missfällig. Nur Verrina hat etwas Tragisches dadurch, dass er den Liebling töten muss, auf den er so grosse Hoffnungen gesetzt hat.“
76) D. D. C. 259. Die Umarmung bliebe wohl besser weg; die Worte:„Leben Sie glücklich!“ dürften zum Abschied der Verbrecherin genügen, die alles Recht verwirkt hat.
77) D. D. C. 141 tadelt es, dass auch hier weder der Plan Posas noch die Art seiner Selbstaufopferung dem Zuschauer klar wird.— 262. UÜber den Widerspruch in Posas Ausserungen:„Der Kônig schenkte mir sein Herz— den Kõnig geb' ich auf.“— Ebd. über die Grundlosigkeit der geäusserten Freude der Königin.— 263. Dass der Marquis die Liebe des Prinzen zur Königin genährt, stimme nicht zur Darstellung I, 2.
78) D. D. C. 262. Die Granden können unmöglich in Saragossa gewesen sein, da sie noch an diesem Morgen(III, 6 flg.) sich in Madrid befanden.
79) D. D. C. 271 über die nicht ganz zutreffende Aufklärung. 3
80) D. D. C. 121, 274 giebt eine kritische Beleuchtung der That zur Selbstaufopferung seitens des Marquis.— 274 zeigt D., dass von einem Beginnen des Komplottes keine Rede sein könne.— 275 wird der Mangel an innerer Wahrscheinlichkeit im Plane Posas hervorgehoben.— 276 zu den Worten: diesen Betrug kann dir mein Vater nicht vergeben.


