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ist, die nur noch durch das Ende dieses Trägers der Handlung aufgehoben werden kann. Um das Glück der Liebe hat Franz den Bruder gebracht(2. Stufe der Umkehr der f.; die 1. Stufe bezieht sich auf Franz, s. p. 13), sodass Karl infolge dieses Verlustes in furchtbare Verzweiflung gerät; doch er besiegt den sein Leben fast verzehrenden Schmerz. Als er aber erfährt, dass Franz mit ruchloser Hand sich an dem Leben des Vaters vergriff(3. Stufe der Umkehr), verfällt er in Raserei, in welchem Zustande er sich berufen fühlt, die Strafe an dem Bösewicht zu vollziehen. Aus diesem schrecklichen Irrtum giebt, es kein Erwachen mehr, sondern folgt nur Vernichtung und Tod. 2. dass auch das Ende des Stückes dem Zuschauer nicht mehr überraschend kommt, sondern als die als notwendig empfundene Lösung der sittlichen Konflikte und als gefordertes Schlussglied in der vorausgegangenen Reihe ästhetischer Wirkungen erscheint. Nachdem mit der Auffindung des alten Moor auch die letzte Intrigue Franzens bekannt geworden ist, scheint das Hereinbrechen des Verhängnisses über den Urheber desselben und über die davon alterierten Hauptpersonen unabwendbar.— Wie bei den besprochenen„Teilen und Stellen“ des Dramas wird auch hier die Erläuterung im übrigen hauptsächlich auf den Bau Rücksicht zu nehmen haben; doch bietet gerade die Katastrophe Gelegenheit zu manchen, auch für den reiferen Schüler verständlichen und lehrreichen Prörterungen aus dem Gebiete der Asthetik. ⁰
N. Die Hauptkatastrophe ist zweigliedrig; jedem dieser Glieder ist eine Nebenkatastrophe angefügt. I. Glied der Hauptkatastrophe: Franzens Selbstmord; Nebenkatastrophe: Schweizers Selbstmord(V, 1). Die erste Scene des letzten Aktes enthält hiernach: 1. Kurze Einleitung: Flucht Daniels, wodurch(ebenso wie später durch die Meldung von der Flucht Amaliens) die Auflösung treffend charakterisiert wird Ein charakterisierender Akkord, der, wie erwähnt(I. p. 6 flg.), den Grundton des ganzen Stückes anzugeben hat, eröffnet nicht selten, und darauf mache man den Schüler gelegentlich aufmerksam, die einzelnen Akte, z. B. den dritten, in wehmutsvoller Stimmung gehaltenen, das schwärmerische Lied Amaliens, sondern auch die einzelnen Stufen sowohl der Steigerung wie der Umkehr, besonders die höchsten und letzten, z. B. kennzeichnet das Schauerliche der Handlung der 3. Stufe der Umkehr das Räuberlied. 2. Die Katastrophe Franz, in 3 Momenten: a) Franz erzählt Daniel seinen schrecklichen Traum, verbunden durch einen kurzen Monolog Franzens mit b) Unterredung mit Moser: Franzens Philosophie der Verzweiflung, Mosers vernichtende Kritik, verbunden durch die Meldung von der Flucht Amaliens mit c) Franzens Ende ¹(Sterbegebet, Schweizers Nahen, Franz erdrosselt sich ²). 3. Nebenkatastrophe: Schweizers Selbstmord. Auch in dieser Scene wird die Wirkung erhöht sowohl durch den Parallelismus: Franz und Schweizer fallen durch Selbstmord, als auch durch den Kontrast der Handlung: Verschiedenartigkeit der Motive(der treue Schweizer, der nichtswürdige Bruder 13).— II. Glied der Hauptkatastrophe: Karl Moor liefert sich aus; zweiteilige Nebenkata- strophe: 1. Tod des alten Moor, 2. Tod Amaliens(V, 2). Diese zweite Scene enthält folgende dramatische Momente: a) Moors Schuldbekenntnis gegenüber dem Vater und der Geliebten, b) die Enthüllung des Ge- heimnisses und Wirkung davon: α) Tod des Alten, G) Amaliens Entsetzen und siegende Liebe,„) Karls Sinne verwirren sich, im Bewusstsein der furchtbaren Schuld und durch den„Wonnetaumel“ der Liebe. c) Verbindungsglied: Mahnung der Räuber, ihm zu folgen, Amaliens Weigerung, den Geliebten freizu-
7⁰) Einige Bemerkungen mögen deshalb hier noch Platz finden. Vischer a. o. O. I. 309:„Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Schuld und Ubel wird immer gefordert; dieselbe kann aber eine freiwillige sein und das Subjekt sogar das äusserste Ubel selbst an sich vollstrecken“. Man lasse hierzu den Schüler die Anwendung suchen in den R.(Karl Moors Ende), K. u. L.(Ferdinand), B. v. M.(Don Cesar)—„oder eine unfreiwillige, welche das Gewissen dem bösen Willen abnötigt. Ist dieser der Mittelpunkt, so muss die äussere Zerstörung die reine Kehrseite der Selbstzerstörung darstellen.“
71) In der von Schiller vorgenommenen Theaterbearbeitung, dem Trauerspiele, wird Franz bekanntlich in Ketten gebracht, es entspinnt sich eine Gerichtsscene, Franz wird verurteilt und in den Turm hinabgestossen.
72) Lemke(Asth. p. 106):„Keine Schuld, kein Verbrechen darf uns vorgeführt werden, das nicht ausser- ordentliche Kraft voraussetzt; immer muss in der tragischen, in der Weise gestürzten Person eine gross angelegte Kraft erscheinen, die leider ins Böse gefallen ist. In den R. ist Spiegelberg eine Kanaille, deren Ende das Gegen- teil vom Tragischen ist. Franz Moor ist scheusslich und ein Feigling obendrein, der wie ein Hund stirbt. Auch Karl Moor ist leider nicht echt tragisch und im leichtsinnigen, gross angelegten Verbrecher stecken geblieben.“
73) Schiller: Uber die tragische Kunst, X. p. 25.„Unser Mitleid wird nicht weniger geschadcht, wenn der Urheber eines Unglückhs, dessen schuldlose Opfer wir bemitleiden sollen, unsere Seele mit Abscheu erfiillt. Es wird geder- zeit der höchsten Vollkommenheit seines Werkes Abbruch thun, wenn der tragische Dichter nicht ohne einen Böselicht auskommen kann, und wenn er gezwungen ist, die Grösse des Leidens von der Grõsse der Bosheit herzuleiten. Shalespeares Jago und Lady Macheth, Kleopatra in der Roxalane, Franz Moor in den R. zeugen für diese Behauptung.“
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