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begünstigt wird, gehört zu dem Moment der letzten Spannung; vor allen Dingen muss aber hierher Carlos' Entschluss gerechnet werden, nach dem Abschied von der Königin(V, 6 Unterredung mit Mercado) die Flucht nach Flandern sofort auszuführen(V, 7 68). V, 8— die Stadt ist ruhig— eröffnet die Katastrophe der Handlung Don Carlos, obgleich freilich die Möglichkeit des Entkommens noch nicht gänzlich geschwunden ist; dies geschieht vielmehr erst durch die folgenden Auftritte(Befehl des Königs, die Zugünge zu besetzen V, 8, 9).
Wlst. Kräftig, aber doch von feiner künstlerischer Behandlung eingegeben erscheint e in diesem Stücke: Nachricht von dem Siege der Schweden und ihrem Nahen(IVY, 3, 4, 5, 7). Dem arglosen, ganz in die Hände seiner Mörder gegebenen Helden winkt aus der Ferne Rettung von den Verbündeten. Gestürzt ist er von schwindelnder Höhe, vor allem durch den schleichenden Verrat seines Freundes. Aber wenn jetzt der Durchbruch den Schweden gelänge? Preilich nur einen Augenblick schwebt diese Frage auf den Lippen des Hörers, der, da die Feinde das Netz zu eng gezogen haben, sofort erkennt, dass das Schicksal des Feldherrn besiegelt ist. Auch hat der Dichter— und dies ist ein feiner Zug— durchaus nicht ver- gessen, die Hoffnung, die der Hörer sich etwa bezüglich der Rettung Wallensteins deshalb machen könnte, alsbald abzuschwächen durch die Worte des letzteren: Wie käme kaiserliches Voll nach Neustadt bis— hätte sich der Sugs etawoa, so weit vorgacwagt? Es kann nicht sein(IV, 4). Dieses Moment soll eben nur gleichbedeutend sein mit einem leichten Anstoss, über welchen die durch die Entwicklung der Handlung bedingte Katastrophe nicht vergessen werden darf(IV, 7 ist dann die weitere Ausführung des Momentes der letzten Spannung).
M. St. Mit der Vollziehung der Unterschrift und Aushändigung derselben an Burleigh hat die eigentliche Aktion des Dramas ihr Ende erreicht; dem Dichter bleibt nur noch übrig, den siegverklärten Todesgang, die Erhebung der Heldin, ferner die strafende Gerechtigkeit an Leicester und Elisabeth als denjenigen Personen, durch welche das grausame Urteil zustande gekommen ist, also die Katastrophe dar- zustellen. An eine Rettung Marias, oder auch„nur an einen Aufschub der Hinrichtung, während dessen etwa ein neuer Befreiungsversuch in Scene gesetzt werden könnte, wird jetzt, wo das unterschriebene Urteil in den Händen Burleighs sich befindet, niemand denken. Aber auch selbst durch den edlen Talbot, den gerechten Fürsprecher der Maria Stuart, kann an dem Schicksal der Heldin nichts mehr geändert werden. Freilich ist sein Ansehen am Hofe noch gross, aber es ist ein zu schwaches Hindernis, wollte man darin einen Hoffnungsschimmer entdecken. Das Moment der letzten Spannung verlangt eben ein kräf- tigeres Hervortreten des Anstosses. Von dem feigen Lord Leicester aber, der der Hinrichtung beiwohnen muss und, vielleicht in letzter Stunde von Reue gefasst, von neuem von der Schönheit der unglücklichen Königin bestrickt werden und dann seine Autorität zu Gunsten der Verdammten gebrauchen könnte, hat sich der Hörer lüngst mit Abscheu abgewendet. Es ist aber zu beachten, dass der Befehl Elisabeths an den Lord, die Vollziehung des Urteils vor seinen Augen geschehen zu lassen, ähnlich wie in den R.(s. p. 23), ein spannendes Moment(Uberleitung für die Handlung des 5. Aktes) bildet.
Weder die Handlung der J. v. O. noch der B. v. M. erheischte oder gestattete auch nur die An- wendung des genannten Kunstmittels. Schwer liegt die Hand der göttlichen Gerechtigkeit auf Johanna; es ist gewiss auch sehr rührend für den Zuschauer, sie so leiden zu sehen, aber keineswegs hat das Gewicht des unglücklichen Geschickes bereits lange Zeit drückend auf der Heldin gelastet, noch weniger wird ihm das Bewusstsein der inneren Notwendigkeit des Untergangs aufgestiegen sein. Johanna ist durch ihre Schuld(Liebe zu Lionel) nur aus der himmlischen wieder in die irdische, allerdings im Verhältnis zu früher jetzt getrübten Sphäre versetzt worden, und wenn auch niemand daran wohl denken wird, dass sie am Ende (am Ausgang des Krieges) mit einem Gatten glücklich werden könnte, so schwebt doch dem Hörer, ob-
68) D. D. C. 145. Seltsam ist es, dass auch Lerma von der Königin erfahren hat, Carlos solle noch heute Nacht fliehen, und dass die Post ihn im Karthäuserkloster erwarte.— 282. Was Lerma vom Wüten des Königs und von dessen Anschlägen gegen ihn sagt, passt nicht wohl zu dem neusten Auftritt, wo der König ganz vom Ge- danken an die Verräter des Marquis, der ihn verachtet habe, beherrscht ist. Carlos' Antwort, er sei in den Händen der Vorsehung, spricht einen merkwürdigen Mangel an Vertrauen gegen Lerma aus, welcher der prosaischen Fassung fremd ist... 283. Indem Lerma seine(Carlos“) Hand küsst, huldigt er ihm als König seiner Kinder, die gern für ihn sterben würden, was er nicht dürfe; möge er sich seiner in seinen Kindern erinnern. Hier würde eine Zwischenrede von Carlos, bei welcher er den Alten aufhöbe, an der Stelle sein. Dagegen möchte der Wunsch, glücklich nach Spanien zurückzukehren, den die jambische Bearbeitung einfügte, besser fehlen.
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