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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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heit der einstmals so Gefeierten, viel Umworbenen am Schlusse der leergewordenen, gerade vorher ausserordentlich belebten Scene. Bedeutsam ist auch die Verwendung des musikalischen Elementes. 2. Stufe(V, 1 6): Johannas Gefangennahme Demütigung, als zweiter Teil des göttlichen Ge- richts; a) Einleitung: Scene bei dem Köhler(V, 1 4⁴⁵), b) Hauptscene: Johanna gerät in die Gewalt der Engländer(V, 5 ⁴⁶, 6 ⁴⁷); Finale des Aktes und Überleitung zur Katastrophe: Befehl Isabeaus, Johanna an Lionel auszuliefern, und bittere Verzweiflung der Gefangenen.

B. v. M. Der Fall zeigt die Folgen von Don Cesars Eifersucht in drei Stufen, von denen die mittlere die grossartigste in der Anlage, Ausführung und dramatischen Wirkung ist. Unmittelbar an das tragische Moment schliesst sich die 1. Stufe: Don Cesar tötet Don Manuel(III, 4). 2. Stufe, die Ent- hüllungen(IV, 1 5), enthält 1. grosse tragische Einleitung(IV, 1 2), in welcher bereits trotz der von den Personen noch erwarteten, von dem Zuschauer aber längst als unmöglich erkannten glücklichen Lösung die Ahnung(IV, 1) und die sich immer mehr aufdrängende Sorge(IVY, 248, siehe die in dem günstigen Botenbericht geschilderten seltsamen Preignisse) des nahenden Verhängnisses geschildert wird; 2. Haupt- scene in zwei Momenten: a) Beatrice erkennt in dem Geliebten ihren Bruder(IV, 3), Isabella flucht dem Mörder ihres Sohnes(IV, 4 ¹⁹); b) Don Gesarbo erkennt in Beatrice seine Schwester und flucht seiner Mutter, die in ihm den Mörder erkennt(IV, 5⁵¹). 3. Stufe: Verabscheuung des Mörders durch Isabella(Schluss IV, 5) und Beatrice(IV, 6 ⁵2).

T'l. Der Tlh. charakteristisch ist ein schnelles(also nicht wie in den meisten Dramen Schillers mehr allmähliches) Machtgewinnen? des Spiels(Tell) über das Gegenspiel(Gessler). Vorauf geht eine mit der Scene des Höhenpunktes verknüpfte Vorstufe: Tells Gefangennahme und rührender Abschied(letzteres

45) D. J. v. O.244**r über die Berufung, dass sie den Himmel selbst geschaut habe, und den AusdruckGötter in Johannas Munde.

46) D. J. v. O. 245. Es fehlt die Andeutung, dass Isabeau sich wieder mit den Engländern vereinigt hat. Auffallend, dass man im englischen Lager nichts von Johannas Verwerfung als Hexe weiss. 246 fragt D)., warum Isabeau, die sich vor den Soldaten entfernt, erst nach ihnen bei Lionel sich einfinden will.

47) D. J. v. O. 246 flg. findet die Scene, die ganz wegfallen konnte, nicht ohne Anstoss, besonders da das Bild ihres Unglückes in zu greller, ihrem Charakter widersprechender, wenn auch freilich theatralisch sehr wirk- samer Weise ausgeführt ist. Auch dass sie die Soldaten zu ihrem Morde bestimmen will, ist mit Recht getadelt. S. dass. auch über die Anrede:Engländer! Isabeau hat nur die ihr dienenden Franzosen aufgebracht.

48) D. B. v. M. 60 flg. bezweifelt, ob es der neuen Aufregung durch den Botenbericht bedurfte.

49) D. B. v. M. 51. 148. Der Chorgesang hält die Handlung auf. Isabella muss, nachdem der Chor die bedeckte Bahre niedergesetzt hat, warten, bis dieser sein Lied geendet hat, und der angemeldete Don Cesar verzieht (IV, 5) seine Ankunft solange, bis das schauerliche Lied zu Ende ist. Arnoldt(Uber Schillers Auffassung und Verwertung des antiken Chors in der B. v. M., Progr. des Kneiphöfischen Gymnasiums zu Königsberg, 1883) meint, dieser Tadel Düntzers entspringe einem Mangel an Idealität, wie sie auch der modernste dramatische Dichter von seinem Zuschauer wohl erwarten darf, ohne die er absolut nicht auskommen kann, besonders wenn er eben mit dem immerhin idealen Faktor des Chors operiert. Dass die Stelle peinlich ist, besonders aber für den Darsteller, unter- liegt indes wohl keinem Zweifel.

50) D. B. v. M. 62 fragt, wie es komme, dass Don Cesar, der seine Schwester überall zu Wasser und zu Lande aufsuchen wollte, so rasch zurückkehrt. Jede Andeutung darüber fehlt...

51) Die Worte: Wie die Seher verkundet bis vollenden(s. I, p. 6) spricht die in der B. v. M. herrschende Schicksalsidee sehr deutlich aus. Man vgl. hierzu Vischer a. o. O. III, 1417.Die Schillersche Charakterwelt ist weit mehr antik sentenziös, rhetorisch und hochpathetisch, als Shakespearisch naturwahr, und in die Einzelzüge der Eigenheit hinausgeführt; es sind weit mehr Typen, als Individuen, er generalisiert weit mehr, als er detailiert. Seine Schicksalsidee behielt immer einen Rest ungelöster Härte, der an die neidische Macht des altgriechischen Fatums erinnert. In der B. v. M. nahm er förmlich diesen Begriff auf und gab dadurch den Anstoss zu den sogenannten Schicksalstragödien, in welchen das Fatum nicht nur in antiker Weise ein YVorausgesetztes, sondern in grasser Trivialität sogar an ein bestimmtes Datum, an ein bestimmtes sinnliches Einzelnes geknüpft ist. Von dieser Karri- katur fern wollte Schiller ihm seine finstere Majestät sichern, jeden Schein abschneiden, als gelte es im Tragischen bloss die Erhabenheit des menschlichen Subjekts; er erkannte nicht, dass die absolute Erhabenheit des Schicksals sich nur vertieft, wenn es als immanentes Gesetz aus den Charakteren und der Handlung entwickelt wird, aber nach jener Seite ist doch Wahrheit und wirkliche Grösse in seiner Schicksalsidee, bei einem Müllner und Grillparzer schlug diese ins Lächerliche um.

52) D. B. v. M. 63. Das überlange Schweigen Beatrices dürfte dramatisch kaum zu rechtfertigen sein.

53) Welche Wirkung im Drama erzielt wird, wenn das Unglück, der Fall, nicht langsam, sondern plötzlich hereinbricht, kann der Schüler auch an dieser Stelle beobachten lernen. Vischer a. o. O. I, 290:Gessler fällt auf der. Pöne ines Ubermutes, Wallenstein spricht Worte des glücklichsten Selbstvertrauens zu Gordon in Eger, wo er fallen soll.