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Gatten, der sich mit Gessler auf dem vom Sturm bewegten See befindet(V, 2). Aus Melchthals Erzählung erfährt Kleophea seine und Tells Rettung aus dem Fahrzeuge(V, 3). Plötzlich erscheint Gessler, durch die Felsen empor- steigend(V, 4). Gessler wird von Tell, der auf einem gegenüberliegenden Felsen erscheint, getötet. Wieder- vereinigt mit der Gattin, fordert er das Volk auf, im Hinblick auf Kaiser Albrechts gewiss bevorstehende Rache schleunigst Vorkehrungen gegen einen feindlichen UÜberfall zu treffen und letzterem getrost mit dem Schlachtenruf: „Sieg oder Tod!“ entgegenzugehen(V, 5).— Bemerkt sei noch, dass Lemierres„Trauerspiel“, dessen Handlung dem Lehrer manche interessanten Vergleichungspunkte mit Schillers T7. bei der Lektüre bieten dürfte, ganz nach den Regeln der französischen Tragiker verfasst worden ist.
Der Fall oder die Umkehr. ¹
Hat der Schüler gelernt, die Scenen und Auftritte der steigenden Handlung in Stufen zusammen- zuschliessen, und ist ihm die Stelle des Höhenpunktes, beziehentlich die des tragischen Momentes, zu deutlichem Bewusstsein gekommen, so wird er, da die folgende Handlung ohnedies sich nur als die Rückwirkung der voraufgehenden(steigenden) ansehen lässt, mit grösserer Leichtigkeit auch die Absätze der Umkehr erkennen. Es wird sich empfehlen, diesen zweiten Teil des Dramas zuvor nochmals zur privaten Lektüre aufzugeben und dann zunächst die Stelle des Eintritts der Katastrophe bestimmen zu lassen, also in ühnlicher Weise zu verfahren, wie bei der ersten Hälfte, deren Stufen erst nach Auffindung des Höhenpunktes am leichtesten zu bestimmen sind. Als Regel kann im allgemeinen gelten: der erste Akt enthält die Einleitung, der zweite die Steigerung, der dritte den Höhenpunkt und, wenn solches vorhanden, auch das tragische Moment, der vierte die Umkehr, der fünfte die Katastrophe, obgleich bereits die R. den Beweis liefern, dass von diesem aller- dings normalen Bau Abweichungen vorkommen. Der vierte Akt dieses Stückes enthält ausser der Umkehr den Höhenpunkt für die äussere Handlung(I, p. 33) und das tragische Moment(p. 8 flg.). Dass zwischen den fünf Teilen und drei Stellen, sowie den Akten Uberleitungen meist vorhanden sind, war früher(I, p. 3, N. 6) gesagt; zwischen den Hälften des Dramas, der steigenden und fallenden Handlung, sind dieselben am wenigsten entbehrlich..
In den. bildet die UÜberleitung zur Umkehr der kurze Monolog Karl Moors: UÜberzeugung von Amaliens Liebe, Ahnung seiner Schuld(IV, erste Hälfte der 2. Sc.). Dann folgt als erste Haupt- wirkung(I. Stufe) von Karls Rückkehr ins väterliche Schloss: Franzens Besorgnis und Entschluss, den Grafen zu töten(IV, zweite Hälfte der 2. Sc.). Sie besteht aus drei Momenten: a) Franz mutmasst in dem Grafen seinen Bruder und beschliesst dessen Tod; b) er sucht vergebens in Daniel einen von Karl gedungenen Mörder und verlangt hierauf von diesem den Meuchelmord; c) Schlussmonolog: er beruhigt in sophistischer Weise sein Gewissen.— Traf die erste Hauptwirkung Franz, so bildet den Mittelpunkt der
15) G. F. a. o. O. p. 114 flg.„Der schwierigste Teil des Dramas ist die Scenenfolge der fallenden Hand- lung oder, wie sie wohl genannt wird, der Umkehr; allerdings treten die Gefahren zumeist bei den kraftvollen Stücken ein, in denen die Helden die Führung haben. Bis zum Höhenpunkt war das Interesse an die eingeschlagene Richtung der Hauptcharaktere gefesselt. Nach der That entsteht eine Pause. Die Spannung muss auf das Neue erregt werden, dazu müssen neue Kräfte, vielleicht neue Rollen vorgeführt werden, an denen der Hörer erst Teil- nahme gewinnen soll. Schon deshalb droht Zerstreuung und Zersplitterung der scenischen Wirkungen. Dazu kommt, dass die Angriffe der Opposition auf den Helden sich nicht immer leicht in einer Person und einer Situation ver- einigen lassen, häufig ist es nötig zu zeigen, wie nach und nach von verschiedenen Seiten an die Seele des Helden geschlagen wird; auch dadurch mag, gegenüber der Einheit und dem festen Fortschritt der ersten Hälfte, die zweite zerrissen, vielteilig, unruhig werden, zumal bei historischen Stoffen, wo das Zusammenfassen der Opposition in wenige Charaktere am schwierigsten ist.— Und doch fordert die Umkehr eine starke Hebung und Verstärkung der scenischen Effekte wegen der Sättigung des Hörers, der grösseren Bedeutung des Kampfes. Deshalb ist das erste Gesetz für den Bau dieses Teiles, dass die Zahl der Personen soweit nur möglich beschränkt, die Wirkungen in grossen Scenen zusammengeschlossen werden. Alle Kunst der Technik, alle Kraft des Talentes sind nötig, um hier einen Fortschritt der Teilnahme zu sichern.— Ausserdem noch ein anderes. Vorzüglich dieser Teil des Dramas ist es, welcher den Charakter des Dichters in Anspruch nimmt. Denn das Schicksal gewinnt Macht über den Helden, seine Konflikte wachsen einem verhängnisvollen Ausgang zu, der sein ganzes Leben ergreift. Es ist jetzt keine Zeit mehr, durch kleine Kunstmittel, sorgfältige Ausführung, hübsches Detail, saubere Motive zu wirken. Der Kern des Ganzen, Idee und Führung treten mächtig hervor, der Zuschauer versteht den Zusammenhang der Begebenheiten, sieht die letzte Absicht des Dichters, er soll sich den höchsten Wirkungen hingeben, und er beginnt mitten in seiner Teilnahme prüfend das Mass seines Wissens, seiner gemütlichen Neigungen und Bedürfnisse an das Kunstwerk zu legen. Jeder Fehler im Bau, jeder Mangel in der Charakterzeichnung wird jetzt lebhaft empfunden. Deshalb gilt für diesen Teil die zweite Regel: nur grosse Züge, grosse Wirkungen; auch die Episoden, welche jetzt gewagt werden, müssen eine gewisse Bedeutung und Energie haben.— Wie gross die Zahl der Absätze sein müsse, in denen der Sturz des Helden geschieht, darüber ist keine Regel zu geben als etwa, dass die Umkehr eine geringere Zahl wünschenswert macht, als im allgemeinen die aufsteigende Handlung verstattet.“


