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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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zu Tage; endlich wirkt dieselbe nur anscheinend verhängnisvoll, sie führt ihn im Gegenteil später durch die That der Notwehr zum Siege.

Es möge hier der 37 Jahre vor Schillers Tl. entstandene Guillaume Tell von Lemierre(übersetzt von G. Geilfus, Aarau 1881) erwähnt werden, dessen in der Litteratur über Schillers Tl. nirgends gedacht wird, und der vielleicht auch dem deutschen Dichter gar nicht bekannt gewesen ist. Während in Schillers T1. die Apfelschussscene ausserordentlich rasch zu stande kommt Tells Ergreifen, Gesslers Auftreten, Ausführung des Befehls, Gesslers Intrigue, Tells Gefangennahme erteilt in dem Stücke Lemierres, das ja in künstlerischer Beziehung gar keinen Vergleich mit der deutschen Dichtung aushält, Gessler III, 5 den Befehl zum Schusse, und erst IV, 4 erfolgt die Ausführung. Auf einen Vorzug dagegen, den Lemierres Quelle, der schweizerische Chronist Melchior Russ, dem Dichter bot, im Gegensatz zur Erzählung von Tschudi, welcher Schiller gefolgt ist, hat Geilfus a. o. O. p. XVIII. aufmerksam gemacht: der Standpunkt der Notwehr für die That Tells ist in der Erzählung von Russ(der Ende des 15. Jahrh. schrieb) schärfer gewahrt, als dies bei Tschudi der Fall ist:als sy nun uff den sew komment(als vil- licht ouch gott wollte) Do kam semlich umgestümikeytt von winden, das alt und jung, wib und kindt mit kläglicher nott zu gott und den helgen schruwen. Und war nun wilhelm Thell ein boumstarker mann, für ander man so im Schiff warent, was, und ouch mit faren vast wol kondt und also mochten die so Imschiff warent das Schiff nit ge- hebenn und rufftent alle den Landvogt an, das man Wilhelm tellen ledig Liesse und wan nun der landvogt sin leben ouch gern pehalten hette Da sprach er zu Im möchtest und getruwtest uns zum Land zu schalten so wolte er In ledig lassenn da antwurte Im Wilhelm thell er wöllt sy mit gotzhilff wol zu land füren, wan er dan frist und sicherheytt gehaben möchte. Also liesst man In ledig Da fur er in massen Und so manlich das er mit gotzhilff zu einer blatten kam, Do schalteth er das schiff hinden zu der blatten, die selb blatt hêyss noch hüt by tag wilhelm tellen blatt, und nam sin armbrest so hinden uff dem bort lag, und sprang uff die blatten und spien uff un erschoss den landvogt. Nun mochtent sy vor grosser ungestümigkeytt das schiff nit wider zu der blatten noch an das land pringen. Also hub er sich wider In die lender und clagte vester als vor. Also demnach hubent sich die gross strit als Ir hören werden zwüschent der herschafft und den lendern. Der Inhalt von Lemierres T1. ist nämlich in Kürze folgender: Der auf der Flucht vor dem Zorne des Landvogts begriffene Melchthal erzählt Tell die Blendung seines Vaters durch Gessler und wird von diesem aufgefordert, mit seinem persönlichen Rachegefühl zugleich für die gemeinsame Sache der Befreiung des Vaterlandes einzutreten(I, 1). Tell, Melchthal, Werner und Fürst, welche letztere beiden berichten, dass Vorstellungen bei Kaiser Albrecht ohne Erfolg geblieben sind, schwören den Eid der Treue, ersterer fordert die Genossen auf, sofort zur Ausführung des Befreiungswerkes zu schreiten(I, 2). Tell möchte von seiner Gattin Kleophea den allgemeinen Kummer fernhalten; diese fordert als sein Weib offene Aussprache, warnt aber vor der Ausführung der eben beschlossenen Befreiungsthat, da der Feind zu mächtig sei(I, 3). Fürst berichtet von bevorstehenden neuen Anschlägen des Vogtes in Altdorf, weil der Landvogt einen Aufstand befürchte (I, 4), Gessler, von seinem Vertrauten Ulrich vor dem Zorn des Schweizervolkes gewarnt, wiegt sich in falsche Sicherheit und beschliesst neue Demütigungen(II, 1). Er befiehlt dem Hauptmann, der ihm von der steigenden Erbitterung der Rebellen berichtet, die Reverenz vor dem Hute anzuordnen(II, 2). Gessler spricht gegen Ulrich seine Absicht, das Volk unter das Joch zu beugen, weiterhin aus und beschliesst den an dem Versammlungsort der Ver- schworenen erschienenen Melchthal, welchen der Landvogt nicht erkennt, über den Bund auszuforschen(II, 3). Melchthal, der Gessler ebenfalls nicht erkennt, ist so unvorsichtig, sich über den Landvogt und die von ihm aus- gehende Bedrückung laut zu beklagen(II, 4). Hierauf lässt ihn Gessler durch Ulrich verhaften(II, 5), spricht dann seine Freude über den gelungenen Anschlag aus und befiehlt dem Hauptmann, den Gefangenen in strenges Verhör zu nehmen(II, 6). Tell äussert seine Entrüstung über die neue Schmach(Begrüssung des Hutes) gegen Werner (II,), ebenso gegen Fürst, der Melchthals Gefangennahme mitteilt. Sofort beschliesst man allgemeines Aufgebot der Verbündeten und Abbruch der Burgen an einem Tage(II, 7). Ulrich hat indessen in einer Felsschlucht Waffen- vorräte entdeckt und berichtet Gessler, dass Tell wegen der Verweigerung der Reverenz ebenfalls gefangen genommen worden sei und sogleich herbeigeführt werde. Gessler befiehlt, auch Melchthal zu holen(III, 1). Gessler hofft nämlich durch die Gegenüberstellung beider näheren Aufschluss über den geheimen Bund zu erlangen(III, 2). Tell erklärt dem Landvogt trotzig seine Feindschaft(III, 3), ebenso Melchthal, der sich zugleich als Tells Freund hinstellt(III, 4). Kleophea bittet mit ihrem Sohne für den Gatten und Vater. Gessler verlangt den Apfelschuss; Tell erklärt sich unter Drohungen gegen den Landvogt und nach schwerem Kampfe bereit, das Verlangte auszuführen(III, 5). Gessler befiehlt Ulrich, die Zugänge zu dem Marktplatz in Altdorf zu besetzen(III, 6), beschliesst aber dann auf des Haupt- manns Rat, in Rücksicht auf die erregte Menge die Ausführung auf dem eng umschlossenen Raum, wo sie sich gerade befinden, alsbald zu verlangen(III, 6). Die um das Schicksal ihres Gatten und Kindes besorgte Kleophea wird von einer Freundin getröstet, welche dann forteilt, Näheres zu erforschen(IV, 1). Kleophea äussert hierauf in einem Selbstgespräch ihren Schmerz, dass sie gegenüber dem Tyrannen ohnmächtig sei(IV, 2). Die zurückkehrende Freundin berichtet Kleophea von der allgemeinen Erbitterung und von der Zuversichtlichkeit ihres Sochnes. Mit Mühe wird Kleophea hierauf entfernt, da das Schauspiel des Schusses soeben stattfinden soll(IV, 3). Tell führt zu allge- meinem Jubel des Volkes den Meisterschuss in Gegenwart Gesslers glücklich aus(IV, 4). Freude der herbeigeeilten Kleophea und ihrer Freundin. Tell, welcher heimziehen will, wird von Gessler zurückgehalten(IV, 5). Tell erklärt Gessler seine Absicht, die er mit dem zweiten Pfeil hat, und wird darauf gefesselt hinweggeführt(IV, 6). Gessler beschliesst, Tell und Melchthal nach Küssnach zu führen und befiehlt Ulrich, das Schiff zur Überfahrt bereit zu halten(IV, 7). Der Hauptmann meldet den wachsenden Unmut der Schweizer(IV, 8). Aufbruch Gesslers, der die Gefangenen, um das Volk zu schrecken, zu töten beschliesst(IV, 9). Kleophea beschuldigt im Schmerz über das Schicksal ihres Gatten die Schweizer der Thatenlosigkeit; Fürst weiss sie durch den Hinweis auf den unmittelbar bevorstehenden Ausbruch der Verschwörung, die besonders auch die Rettung Tells bezwecke, zu trösten(V, 1). Während die grosse Befreiungsthat vor sich gehen soll, fleht Kleophea um des Himmels Beistand, besonders auch für den