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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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äusserte Misstrauen schon früher durch das Hinbrüten Verrinas(II, 18), nur ist letzteres dort für den Zuschauer noch nicht recht verständlich.

D. C. Misstrauen des Infanten(IV, 5; IV, 65 ist Ausführung des tragischen Momentes). 1. Statt der bisher felsenfesten, ungestörten und durch nichts zu erschütternden Freundschaft zeigt sich plötzlich diese Falte in seinem Herzen. 2. Dieser Argwohn wirkt verderblich a) für den Marquis, der, seitdem er den Prinzen misstrauisch glaubt, zu falscher Auffassung der Sachlage sein Irrtum, der Prinz habe, weil er sich von ihm verraten glaubt, der Eboli das Geständnis von der Liebe zur Mutter gemacht und infolge- dessen auch zu einem verzweifelten Rettungsversuche verleitet wird; b) für Don Garlos, der durch den in in ihm erregten Zweifel an der Treue des Freundes die ihm ohnehin sehr mangelnde Ruhe und Besonnen- heit, ohne die ein glücklicher Ausgang gar nicht denkbar ist, vollständig einbüsst. 3. Der erwachende Argwohn wird begründet durch das seltsame Benehmen des Marquis und die seelische Verstimmung des Prinzen.

Wlst. Das tragische Moment für das Doppeldrama ist durch Aktschluss vom Höhenpunkt gesondert: Wallensteins blindes Vertrauen zu Octavio(II, 1 Wäst. T³d.). Die Ausführung des tragischen Momentes (nach der zweiten Stufe der Umkehr für die Handlung Picc. Max Kampf mit dem Feldherrn II, 2 Wlst. 17. s. I. p. 25, 2) enthält die Warnung IIlos und Terzkys vor Octavio(II, 3. Wlst. Td.). 1. Wallenstein steht vor der Entscheidung. Nur durch Klugheit und sorgfältigste Berechnung ist er an dieses Ziel gelangt. In diesem Augenblicke, von dem das Gelingen des Werkes abhängt, ist bei Besetzung des wichtigsten Postens die äusserste Vorsicht notwendig. Plötzlich aber folgt Wallenstein ganz im Gegensatz zu seiner bisherigen Handlungsweise der Regung seiner Gefühle: er entsendet Octavio, vor dem der Feldherr durch seine Getreuen gewarnt ist(II. 6 Picc.), und den der Zuschauer als den ürgsten Feind Wallensteins kennen ge- lernt hat, ohne Bedenken zu dem Obersten. 2. Das Verhängnisvolle dieser Handlung wird sofort lephaft empfunden; denn Octavio wird es dadurch möglich gemacht, die Regimenter rasch zum Abfall zu verleiten. 3. Dieses blinde Vertrauen Wallensteins ist erklärlich aus seinem abergläubischen Wesen(siehe besonders die Erzühlung seines Traumes, die der Dichter II, 3 allerdings erst folgen lässt).

M. St. Nach den zornglühenden Worten Marias in der Gartenscene(III, 4): Das ist zu viel! ist der Höhenpunkt überschritten und die Unterredung hat jene schlimme Wendung genommen. 1. Es ist nämlich im Gegensatz zu der gehofften Versöhnung plötzlich ein Zank ausgebrochen. 2. Durch diesen Streit wird Marias Verurteilung durch Elisabeth pesiegelt. 3. Die tödliche Feindschaft statt des erwarteten Friedens erscheint sofort als in dem langjährigen Hasse der beiden Königinnen begründet. Darüber kann kein Zweifel mehr walten, dass nach dem Schlusswort Marias: Der Thron von England ist durch einen Bastard entweiht bis: denn ich bin euer König, die rasch forteilende Elisabeth den Tod gegen ihre Feindin im Herzen trägt. ¹⁰

8) D. D. Q. 241 flg. zu dem Ausdruck: der Schwachen schaächster und zu den Worten: und Glauben fordert Haubar beſs Das Selbstgespräch erfüllt keineswegs die Absicht des Dichters, uns über das Handeln des Marquis aufzuklären.

9) Bei den Worten(II, 3 WIst. Id.): Wo ist der Wrangel? eingeschlucht kann der Lehrer Anlass nehmen, dem Schüler über die Berechtigung des Zufalls im Drama einige erläuternde Bemerkungen zu geben. G. Fr. a. o. O. p. 266 flg.:In einzelnen Fällen dürfen die Charaktere einen Schatten zum Mitspieler erhalten, der auf unserer Bühne ungern geduldet werden soll, den Zufall. Wenn nämlich das Werdende in der Hauptsache durch die treibenden Persönlichkeiten begründet ist, dann darf in seinem Verlauf allerdings begreiflich werden, dass der einzelne Mensch nicht mit Sicherheit den Zusammenhang der Ereignisse zu leiten vermag.Wenn im Wäst. der Held den Vertrag, welchen er mit Wrangel geschlossen hat, zurücknehmen will, so wird allerdings stark betont, wie unbegreiflich schnell der Schwede verschwunden sei(D. Wlst. 264 freilich meint, es sei ganz unglaublich, dass Wallenstein, wenn Wrangel nicht fortgewesen, sein Wort zurückgenommen haben würde: es sei eben nur eine Wallung seiner durch Max erschütterten Seele).Aber dieses Eindringen eines nicht berechneten Umstandes, wie sehr es auffallen mag, ist im Grunde kein von aussen hereinbrechendes Motiv, sondern es ist nur Folge eines charakteristischen Thuns des Helden. Die Charaktere haben nämlich eine verhängnisvolle Entscheidung abhängig gemacht von einem Lauf der Thatsachen, den sie nicht mehr regieren können.Wallenstein hat sein Schicksal in die Hand des Feindes gegeben; dass Wrangel guten Grund hat, den Entschluss des Zögernden unwiderruflich zu machen, liegt auf der Hand.

10) Man wird nicht versäumen, den Schüler auf die Bedeutung der Gegenwart Shrewsburys aufmerksam zu machen. Vischer a. o. O. III, 42 flg.:Wie im Gemälde die Wirkung der vollen Parben durch Übergangstöne und Helldunkel alle Härten der einzelnen Körper durch den die Umrisse mildernden Schleier der Luftperspektive zu ver- mitteln sind, wie die Plastik die Härte des Knochens, Muskels, der Sehne durch lebendige Nachahmung des Weichen in der Fettbildung und Haut auflösen und in Fluss bringen muss, so hat alle Kunst dafür zu sorgen, dass das