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Für die R. liegt dasselbe in der plötzlich wieder hervorbrechenden Flamme der Liebe und dem Entschluss, Amalie wiederzusehen. Bisher(nach der Steigerung) war Karl nur der grosse Räuber, für den das zürtliche Verhältnis zur Familie und zur Braut nicht mehr existiert; der schreckliche Trübsinn, der sich seiner bemächtigt(Höhenpunkt), erschien als die psychologisch-notwendige Entwickelung dieses grossen Räuberlebens. 1. Plötzlich macht sich im Gegensatz zu der gezeigten furchtbaren Energie und zu der infolge dieser höchsten Anspannung der Kräfte eintretendén tiefsten Erschütterung ein schmelzendes und belebendes Gefühl, die Liebe, die einst das teuerste Kleinod des reinen, ganz in seiner Neigung aufgehenden Jünglings war, mächtig geltend. 2. Aber auch das Verhängnisvolle, Tragische dieses Augenblickes wird der Zuschauer zugleich lebhaft empfinden, insofern ja eine Rückkehr an das Herz Amaliens unmöglich erscheint, die Rück- kehr aber in das Haus, wo Amalie weilt, sofort die Entdeckung der Intriguen Franzens als wahrscheinlich vermuten lässt— beides muss den vernichtenden Sturm heraufbeschwören. 3. Dieser, den grossen Räuber ergreifende Zustand wird auch sofort aus dem Vorhergehenden erklärlich; denn durch leidenschaftliche Liebe war Moor mit Amalien einst verbunden; während mehr und mehr durch seine furchtbare Laufbahn seine Seele sich umdüstert, wird dieser Funke doch fortglimmen u. s. wW.— Allerdings besitzt das tragische Moment des Erstlingswerkes noch nicht vollständig die Eigenschaften, die es in späteren Stücken der Schillerschen Muse zeigt. Lässt man jene Stelle am Schlusse des III. Aktes dafür gelten, so würde die Scene des zweiten Höhenpunktes(für die äussere Handlung s. I. p. 16) zugleich als die Ausführung des tragischen Momentesé angesehen werden können.
In K. u. L. dagegen ist dasselbe deutlich wahrzunehmen und liegt in der UÜberzeugung Ferdi- nands von Luisens Untreue(IV, 2; IV, 1 ist kurze Einleitung). Das tragische Moment ist also, was selten geschieht, durch Aktschluss von dem Höhenpunkt getrennt. 1. Während Ferdinand früher uner- schütterliches Vertrauen zu Luisen hegte, und noch ehe er wegen des ihm in die Hände gespielten Briefes Rücksprache mit ihr genommen hat, ist er plötzlich von ihrer Untreue überzeugt. Dabei ist wohl zu beachten, dass es sich jetzt nicht etwa nur um Verdachtschöpfen, sondern um das Überzeugtsein Ferdinands handelt; darin liegt für den Zuschauer das Unerwartete des Benehmens. 2. Diese Überzeugung ist wichtig und folgenschwer, denn sie wirkt todbringend für die Liebenden. 3. Dennoch wird dieselbe sofort als folge- richtig gekommen empfunden; nicht nur dass sie durch den schwärmerischen, von der Leidenschaft beherrschten Charakter des Helden, der einer kühlen Erwägung wegen seiner Jugend noch gar nicht fähig ist, und durch seine Liebe, welche infolge ihrer leidenschaftlichen Art der Eifersucht leicht zugänglich ist, voll- ständig erklärlich wird— besonders auch durch die anscheinend kalte Haltung Luisens(III, 4) ist der Eintritt des tragischen Momentes verständlich geworden.
In F. kommt dasselbe(Argwohn Verrinas III, 1), wie oben(I. p. 34) gezeigt wurde, zu früh; es musste dem Höhenpunkte(III, 2) folgen. 1. Wührend Fiesko glaubt, Herr der revolutionären Bewegung geworden zu sein, wird plötzlich durch Verrinas Misstrauen der Gedanke an eine Gegenrevolution nahe- gelegt. 2. Dieses Misstrauen wird verhängnisvoll für den von der Hoffnung auf sicheres Gelingen seiner ehrgeizigen Pläne ganz erfüllten Helden: Bildung der Gegenverschwörung, Tod Fieskos durch Verrina. 3. Verrinas Charakter und Verhalten ist früher so gezeichnet, dass dieser Argwohn sogleich als natürliche Folge seiner starren republikanischen Gesinnung aufgefasst wird.“ Vorbereitet ist übrigens das hier ge-
ist, erhält der Bau des Dramas durch das Zusammentreten zweier wichtiger Stellen, welche sich in scharfem Kon- trast gegeneinander abheben, einiges Besondere. Dieser Anfang der sinkenden Handlung wird am besten mit dem Höhenpunkt verbunden und von den folgenden Momenten des Gegenspiels, zu denen er doch gehört, durch einen Einschnitt— unsern Aktschluss— abgesetzt, der wieder am besten nicht unmittelbar nach dem Eintritt dieses tragischen, sondern durch ein allmähliches Austönen seines scharfen Klanges bewirkt wird. Es ist dabei gleich- giltig, ob die Verbindung dieser beiden grossen kontrastierenden Scenen durch die Verkoppelung in einer Scene oder durch das Zusammenfügen vermittelst eines Zwischengliedes geschieht.“
3 6) Schiller(Selbstbeurteilung der R. im Württemberg. Repert., bei Braun„Goethe und Schiller im Lichte ihrer Zeitgenossen“ p. 16) empfand recht wohl das Bedeutsame dieser Stelle. Er behauptet, das ganze Schauspiel erlahme in der Mitte, aber mit der Gegenwart des Geliebten beginne die interessante Epoche des Mädchens(Amaliens).
7) Dagegen kommt der Entschluss Verrinas, Fiesko zu töten, hier ebenfalls noch zu zeitig; damit müsste vielmehr die Umkehr schliessen. Man versäume übrigens nicht, den Schüler darauf aufmerksam zu machen, dass das tragische Moment in F. von sehr kräftiger Wirkung ist; das Interesse des Zuschauers wird mindestens für Verrinas Gegenverschwörung ebenso sehr in Anspruch genommen, wie für Fieskos Plan.— Ferner lasse man die- jenigen Stellen aufsuchen, die diesem Kunstmittel sehr ähnlich sind; gerade im F. finden dieselben sich häufig, z. B. Gianettinos Sorglosigkeit(III, 10, 11), die Entlassung des Mohren(III, 6, 7).
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