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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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nur durch das Hornsignalleé markiert. 2. die eigentliche Handlung in fünf Momenten: a) Bildung des Ringes; b) Vortrag ¹²7 Stauffachers, des Vertreters des ältesten Fleckens: die historische Stellung der Eidgenossen. Die Bewegung ¹²⁸ der Landleute und Stauffachers Worte: Nein, eine Grenze hat Tyrannen- macht bis unsre Kinder, leiten über zum dritten Moment: c) Erwägung der Kantone über das gegenwärtige Verhältnis der Eidgenossen zum Kaiser und entscheidender Bericht Konrad Huns. Die Worte: Recht und Gerechtigkeit erwartet nicht vom Kaiser: helft euch selbst? leiten über zu dem vierten Moment: d) Streit über die Ausführung ¹²*% und Abstimmung; e) der Schwur, ¹o Finale: die Entfernung der Landleute. Es ist bezeichnend, dass die Momente a, o, d, e im wesentlichen diekräftige Beteiligung der Neben- personen, und zwar so, dass alle drei Kantone zu Worte kommen, vorführen; jedochden eigentlichen Mittelpunkt bildet doch Stauffachers Vortrag, an den jene Momente sich von zwei Seiten her anlehnen. Aber auch, dass der Dichter nicht mit dem Schwur schliesst, erhöht den Zauber und vervollständigt die Geschlossenheit dieser schönen Scene: das ruhige Auseinandergehen der Landleute und nach leergewordener Bühne der Sonnenaufgang über den Eisgebirgen geben nach der bewegten Aktion den wunderbar sanften, aber mächtig ergreifenden Schlussakkord.

Höhenpunkt für Atlgh. ist unmittelbar mit der Steigerung verbunden: die Liebeserklärung (III, 2). Das rasche Zusammenfinden der Liebenden in der Einsamkeit und Wildnis des Waldes, der Klang der Jagdhörner, die Nühe des Gefolges, das jeden Augenblick das Beisammensein stören kann, heben auch diesen kleinsten Höhenpunkt in das glanzvollste Licht, das stets über diese Stelle der Schillerschen Dramen ausgegossen ist.

Höhenpunkt für die Tih. Voraus geht a) eine vorbereitendeSituationsscene, Tells Aufbruch (III, 1). Hedwigs Besorgnis ¹³¹ und Bitten, ¹e Tells Erzdhlung seiner Begegnung mit Gessler wirken insofern stimmend für die Hauptscene, als sie im Zuschauer die Ahnung eines nahenden Unglücks zu erwecken vermögen. Daazu trägt auch die Erwähnung von Baumgartens Rettung durch Tell bei, wodurch letzterer ebenfalls bewiesen hat, dass er an sein Leben nicht denkt, wenn es gilt, dem Bedrängten Hilfe zu leisten.(Es folgt nun der Höhenpunkt der Attgh. III, 2.) Hauptscene: der Apfelschuss(III, 3). Wenigstens einigermassen sind mit diesem Höhenpunkte der T'lh. die beiden anderen Handlungen verknüpft, insofern der Apfelschuss unter lebhafter Teilnahme der Schweizer geschieht, wenn dieselbe auch zu keiner ent- schiedenen, wenigstens nicht offenen, thätlichen Parteinahme dies verbietet der Schwur auf dem Rütli jetzt führen kann. Aber die Wirkung des Bundes lässt sich keineswegs verkennen, namentlich im Anfang tritt die Missbilligung offen hervor. Als Vorstufe zur Umkehr der Schaweh. kann das auch vom Zuschauer lebhaft empfundene, teilnahmsvolle, von gerechtem Unwillen zeugende Verhalten wohl aufgefasst werden. Die Verknüpfung mit der dritten Handlung(Attgh.) ist inniger. Dieselbe hat in der Apfelschussscene entschieden bereits ihre Vorstufe zur Umkehr, nämlich durch Rudenz' Einspruch und Berthas Verwendung. Die Hauptscene der T'lh. besteht wie die Rütliscene aus einer dreiteiligen Einleitung und einer fünffach gegliederten Haupt-

126) D. 176. Bei der Heimlichkeit der Versammlung erscheint das Hornsignal auffällig.

127) D. 182. Man kann zweifeln, ob die ganze Erwähnung der alten Sage, deren Bekanntschaft man bei allen Schweizern voraussetzen muss, hier recht an der Stelle sei etc. 187 tadelt Rösselmanns Antrag und ver- mutet späteren Zusatz.

128) D. 189. Dass auf Fürsts Wort: Wer einen Herrn hat, dien' ihm pflichtgemäss, noch nacheinander drei Land- leute angeben, wem sie dienstbar sind etc., wirkt eintönig. 190. die vier letzten Verse der Rede Fürsts dürften zu hoch gehalten sein.

129) D. Tl. 192. Fürsts Vorschlag, den Fall der beiden Burgen durch ein Feuerzeichen zu melden und darauf- hin an den drei Hauptorten den Landsturm aufzubieten, müsste zum Beschluss erhoben werden. 193. Störend wirkt die von Stauffacher angeregte Erwähnung Gesslers etc. In der Art, wie es geschieht, verrät sich eine unglaubliche Sorglosigkeit des Rütlibundes, die, wenn jede besondere Erwähnung Gesslers wegfiele, sich nicht bemerklich machte. Ist nämlich Gessler wirklich so gefährlich, so muss man gerade seinetwegen besondere Vorsorge treffen; das fordert die Sicherheit des Bundes..

130) D. 195. Schiller hätte mit dem Schwure schliessen können, aber zu grösserer theatralischer Wirkung zog er es vor, die Landleute vor unsern Augen abgehen, das Orchester mit einem prachtvollen Schwunge die in den Zuschauern erregte Stimmung festhalten und das Schauspiel der dufgehenden Sonne über den Eisgebirgen sich vor ihren Augen entfalten zu lassen; sollte ja Tell ein Volksschauspiel sein. G. F. a. o. O. betont mit Recht dasAusklingen der Stimmung. Solche grosse Scenen bedürfen stets eines mit freier künstlerischer Berechnung eintretenden Endes.

131) D. Tl. 200. Die Unwahrscheinlichkeit, dass Hedwig vom Rütlibunde weiss, fällt kaum auf.

132) D. 201 zu Tells Verhalten, als die Mutter ihn bittet, doch den Knaben zurückzulassen. Man erwartet zum Schlusse von Tell und Hedwig ein Wort des Abschieds.