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bis— wie ihr vor mir!— Jetzt oder nie muss das Wort der Entscheidung für die ganze Handlung des Dramas fallen. Verhängnisvoll füllt es mit der Entgegnung Plisabeths: Bekennt Ihr endlich Euch, für überwanden? etc. bis: Es kostet nichts, bis— für alle. i¹s
J. v. O. Höhenpunkt: Johanna und Lionel(Versuchung der Liebe III, 10), eingeleitet durch das Auftreten des schwarzen Ritters ¹¹ν(III, 9). Die gespenstische Erscheinung, die leidenschaftliche Aufregung der verfolgenden und doch eigentlich verfolgten Johanna, die zunehmende Verwirrung und Erschütterung ihrer Seele durch den höllischen Anhauch, so dass sie deutlich empfindet, wie ihr das Unglück an der Seite steht; ferner die OCde und Einsamkeit des Ortes, während das Ziel ihrer göttlichen Sendung, Rheims, nur noch in weiter Ferne sichtbar ist und ihr gleichsam zu verschwinden droht, das Erstarren des erhobenen Armes bei der Berührung durch den Ritter, die drohenden Anzeichen beim Verschwinden desselben, die hereinbrechende Nacht und das Gewitter geben jene Schwüle der Atmosphüre, welche gerade der Höhen- punkt dieses Stückes(wie der des Wallenstein) bedurfte: Johanna tritt Lionel gegenüber(III, 10); aber mit der alsbald ausbrechenden Liebe der Jungfrau zu Lionel ist derselbe überschritten.
B. v. M. Um den Eindruck des Grausigen, der über dem Höhenpunkt dieses Stückes gebreitet liegt, zu erhöhen, schickt der Dichter eine Vorscene voraus, in welcher a) der Gegensatz sofort vom Zuschauer empfunden wird, in dem die für Don Manuel unausbleibliche Entdeckung mit der Ausführung des Befehls an sein eben erscheinendes Gefolge steht, sich mit Brautgeschenken einzufinden(III, 1), 1² b) der Kampf, der zwischen beiden Chören entsteht, und Beatricens Beängstigung deutlich auf die Naähe des hereinbrechenden Unheils hinweisen. Auch hier ist der Gegensatz bemerkenswert, in den Don Manuels Versicherung ¹²* an den Chor Don Cesars mit der über seinem Haupte sich zusammenziehenden schrecklichen, gerade durch den Bruder herbeigeführten Katastrophe gestellt ist(III, 2). Hauptscene des Höhenpunktes: Beatricens Geständnis(III, 3).*
Da dem Zuschauer bereits durch die Steigerung Gewissheit geworden ist, dass beide Brüder die Schwester lieben, so erwartet er die Begegnung nur mit dem Gefühl büngster Furcht für den tragischen Ausgang. Zu beachten ist die scharfe, ebenfalls den Kontrast benutzende Nüancierung in der Darstellung des schaudervollen Verhängnisses. Mit flehentlicher, die zärtlichste Liebe verratender Bitte wendet sich Beatrice an den Geliebten, mit ibr zu fliehen, da sie die Wiederkehr Don Cesars fürchtet; aber gerade in diesem Augen- blicke wird Don Manuel der schreckliche Zusammenhang der Dinge mit jedem Worte klar, so dass er an alles andere eher denken muss, als an die Flucht mit ihr. Wie erschütternd wirkt es, als plötzlich Don Cesars Stimme vernehmbar wird, der die Braut zu holen gedenkt; als Beatrice nach dem furchtbaren Geständnis, dass sie bei der Leichenfeier gewesen, noch Vergebung für den Ungehorsam von Don Manuels Liebe er- hofft! Welch tiefe Tragik liegt endlich darin, dass gerade die zärtlichen Worte, die sie an Don Manuel richtet, die Liebe in seinem Herzen vernichten müssen, und dass ihre einschmeichelnde Geberde ihn dem Tode(Ermordung durch den Bruder) überantwortet!
Tl. Schweh. Höhenpunkt die Rütliscene¹²², Erneuerung des Schweizerbundes zur Ab- wehr der Tyrannei(II, 2). Der Zauber, der auf dieser Scene liegt, ist von höchster Wirkung. Trotz-
118) D. M. St. 172 über das widerwärtige Wortspiel.
119) D. J. v. O. 213.(III, 10). Dass Schiller den Zuschauer darüber, wer unter den Schwarzen zu denken sei, absichtlich in Zweifel liess und ihm so ein Rätsel vorlegte, dürfte der Würde der Dichtung kaum entsprechen.
120) D. B. v. M. 55(III, 1). Dass Don Manuel die Geliebte ohne allen Schutz gelassen, wurde dem Dichter durch die ersonnene Fabel aufgenötigt und ist nicht sehr auffällig.— 128. Etwas zu opernhaft dürfte es sein, dass Beatrice zu den Reden der Chöre gleichsam die dritte Stimme bildet.— 129. Störend wirkt es, dass Beatrice die letzten acht Verse für sich spricht, während die Chöre sich mit gezogenen Schwertern gegenüberstehen, ohne sich noch anzufallen.
121) Bei der Schlichtung des Streites: Denn wir sind jetzt ein Haupt und ein Gemüut, und mein Befehl ist duch der seine.
122) Es ist zweckmässig, bei der Lektüre der Rütliscene die Eröffnung von Demetrius zum Vergleich heran- zuziehen. Mit welcher stürmischen, dem polnischen Volkscharakter ganz angemessenen Leidenschaftlichkeit wird auf dieser Versammlung eine hochwichtige Angelegenheit(Krieg gegen Russland) entschieden! Die Scene, die man als eine Art Gerichtsscene im hohen Stile ansehen kann, zeigt nicht minder kunstvollen Bau. In äusserst spannender Weise wird das Auftreten des Helden vorbereitet: die dreimal wiederholte Frage des Erzbischofs, der die Ver- handlung leitet, Odowalsky als Anwalt, Sapieha als Ankläger(durch seine sofort sichtbare, scharfe, oppositionelle Haltung). Die Hauptscene, Demetrius als Prätendent des russischen Thrones fordert von dem polnischen Reichstag thatkräftige Hilfe, zeigt die Begründung seines Anspruches. a) Die Steigerung in den vorgebrachten Beweis- momenten, von denen die äusseren durch Plastik der Darstellung und überzeugende Gewalt, die inneren durch psychologische Wahrheit sich auszeichnen, ist sehr bedeutend und durch die feine, kluge, aber doch streng sachliche


