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wird dort die grosse Intrigue ins Werk gesetzt, der auch die Liebenden zum Opfer fallen müssen. Aber auch dadurch, dass das Beisammensein beider jeden Augenblick durch das Erscheinen Fremder gestört werden kann, nicht minder durch das zeitweilige Herüberklingen der heitern Tafelmusik als Gegensatz zu der schwermütigen Stimmung der Liebenden tritt die Scene selbst scharf und deutlich hervor.
Die gewaltige Handlung des Doppeldramas kulminiert in einem doppelten Höhenpunkt. Der eine(V 1¹12 der Picc.) zeigt den durch seine geheime, unumschränkte Vollmacht mächtigen Gegner Octavio, dem soeben die Nachricht von der Gefangennahme des Unterhändlers Sesina gebracht wird. Die Kampfscene zwischen Vater und Sohn, die innere Lösung des Max vom Nater, hebt diese Gegnerschaft Octavios zu Wallenstein so scharf hervor, dass der Hörer fortan mit ängstlicher Spannung und Besorgnis auf das Schicksal des auf schwindelnder Höhe stehenden Wallenstein blicken muss. Der zweite Höhenpunkt dagegen(I, Wäst. Td.,„zugleich erregendes Moment für Wlst. Td.“) zeigt den herrschsüchtigen, nach der Krone Böhmens die Hand ausstreckenden, allmäüchtigen Feldherrn, der eben die That begeht, die sofort durch ihre deutlich zu empfindende Folgenschwere den Zuhörer noch in demselben Zustande bangen Gefühls erhalten muss(Verhandlung mit den Schweden, Abschluss der Konjunktion). Beide Höhenpunkte sind miteinander verbunden: 1. durch das Beginnen Maxens, der sich von seinem mit der Achtserklärung Wallensteins versehenen Vater abwendet und dem Feldherrn zuwenden will, um sich aus dessen Munde Gewissheit zu verschaffen— Halte du es wie da willst, u. s. w. bis: Ob ich den Freund, ob ich den Vater soll entbehren(V, 3 Picc.); 2. durch die Nachricht von der Gefangennahme Sesinas, die sowohl Octavio, der dadurch Beweise des von Max geleugneten Verrats zu erhalten hofft (Picc. V, 2), als auch Wallenstein überbracht wird(I, 2, 3 Wlst. Td.), der dadurch zum Abschluss der Verhandlungen mit den Schweden gedrängt wird. Wie durch den Streit zwischen Vater und Sohn der erste Höhenpunkt scharf hervortritt, indem dadurch gezeigt wird, dass alles bereit ist, den mächtigen Feldherrn zu stürzen, so scheinen im zweiten Höhenpunkte sich alle Umstände zu vereinigen, Wallenstein zum Verrat an den Kaiser zu drängen. Durch diese beiden, durch das Doppeldrama bedingten Höhenpunkte, deren Scenen sich durch zwei ganze Akte(V. der Picc. und I. Wlst. Td.) ziehen, gelangt die Handlung in jenen merkwürdigen Zustand, den man mit dem Ausdruck„des Schwebens auf der Höhe“ bezeichnen kann. Hier wie dort ist die Handlung aufs äusserste gespannt: Octavio ist in Bereitschaft, den vernich- tenden Schlag gegen den Feldherrn zu führen, wührend dieser im Begriff ist, die schmale Grenze zu über- schreiten, die zei Lebenspfade scheidet. Hat zwar der Zuschauer schon längst das bange Gefühl nicht mehr zurückweisen können, dass das Vorhaben Wallensteins nur auf scheinbar sicherer Grundlage ruht— jetzt thut sich vor seinem Auge die weite Kluft auf, in welche den Helden, auch wenn dessen kühner Geist noch die verwegensten Mittel ersinnen wollte, die verbrecherische That zuletzt stürzen muss. Vor- trefflich stimmt es zu den beiden, durch die Nachricht von der Gefangennahme Sesinas(V, 2 Picc., I, 2 Wlst. Td.) eng verbundenen Höhenpunktsscenen, dass während der Nacht die Handlung derselben sich abspielt, der Verrat noch beschlossen wird; aber besonders schön und wirksam ist der dramatische Aufbau des Aktes des zweiten Höhenpunktes: Aktion des Verrats. 1. die Einleitung: a) Der Planetenaspekt verkün- digt endlich die günstige Stunde(I, 1 Wlst. Td.); die Strahlen des magischen Lichtes, die dieser Auftritt mit dem Astrologen zeigt, beleuchten die ganze Höhenpunktsscene und passen vortrefflich zu den geheimnisvollen Verhandlungen Wallensteins mit den Schweden; b) die(berichtete) Gefangennahme Sesinas und gemeldete Ankunft des schwedischen Obersten(I, 2, 3). An die Einleitung schliesst sich 2. der grosse verbindende Monolog(I, 4): er erkennt die Gefährlichkeit seines Schrittes— Noch ist sie rein— noch! Das Verbrechen kam nicht über diese Schwelle noch. Hierdurch tritt 3. die eigentliche Höhenpunktsscene, „Verhandlung mit Wrangel“(I, 5) besonders wirksam hervor. Eintritt des Höhenpunktes: Wallenstein: Den Admiralshut risst ihr mir vom Haupt. Wrangel: Ich komme eine Krone drauf zu setzen. An die Ver- handlung schliesst sich dann IIlos, Terzkys und besonders seiner ehrsüchtigen Schwügerin Drängen(I, 6, 7).
112) D. Picc. V, 243 meint, das Ende des Stückes, weil es aus rein äusseren Gründen eintritt, sei verfehlt.— D. Picc. V, 1, 244 flg. Was Octavio von der Meuterei im Lager, von der Bedrohung des Kaisers in seiner Burg, endlich vom Erkaufen der Obersten, der Festungen und der besten Regimenter sagt, ist etwas ganz Neues, das mit dem ersten Aufzug und Wallensteins eigenen Bekenntnissen im Folgenden schwer zu vereinigen ist. Auch sonst lässt, der Dichter hier Cctavio viele Dinge gegen Wallenstein vorbringen, die dessen Schuld unzweifelhaft machen würden, unbekümmert nicht allein um die geschichtliche Wahrheit, sondern auch um ihre Begründung im Stücke selbst.— Kinsky war kein Regiment zugeteilt; mit den Schweden(246, II, 5) hat Wallenstein zuletzt nicht unterhandelt; auf die Sterne traut Wallenstein jetzt nicht; denn erst im Anfange des folgenden Stückes zeigen sie sich ihm günstig.
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