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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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leicht in der Apfelschussscene erkannt werden. Auch die andern ebenerwühnten Eigenschaften, Geschick lichkeit und selbstbewusste Kraft, die in jener Scene am höchsten zur Geltung kommen, werden für Tell verhängnisvoll(Gesslers Befehl, der zweite Pfeil), sodass auch dadurch deutlich der eintretende Wende- punkt für diese Handlung scharf bezeichnet wird. Da derselbe in dem feindlichen Zusammentreffen tyrannischer Willkür mit der aus ihrer friedfertigen Ruhe aufgestörten selbstbewussten Kraft liegt, so hat die Steigerung der T'lh. die Annäherung der feindlichen Gewalten vor Augen zu führen, wenigstens den Umstand zu zeigen, der das Gegenübertreten derselben verursachen kann. Dies geschieht I, 3,die Unterredung mit Stauffacher vor dem von Gessler aufgestellten Hute der Reverenz. Damit ist nach den eben angeführten Gründen die Tlh. genügend gesteigert; denn der Zuschauer fühlt bereits jetzt deutlich, dass der feindliche Zusammenstoss vorbereitet ist und, wie aus Tells Auffassung der Lage, seiner Haltung gemäss der stattfindenden Unterredung hervorgeht, auch unvermeidlich sein wird, sobald nur der äussere Anlass gegeben ist.

Die Idee der Schaeh. will zeigen, wie Freiheits- und Vaterlandsliebe ein an seinen heiligsten Gütern gekrünktes Volk zum Sturze der Tyrannen treibt. Auch aus dieser Formel wird die Befreiungsthat sofort als Akt der Notwehr erkannt werden, als welcher die That Tells angesehen werden musste. Die Stelle, wo dies Volk, vertreten durch seine Besten, infolge der Erkenntnis, dass Knechtschaft sein Los sein wird, wenn es nicht zur Selbsthilfe greift, den thatkräftigen Beschluss fasst, diesen einzigen Weg der Rettung zu betreten, bezeichnet den Anfang der reaktivierenden Gewalt gegen die bisher herrschende Tyrannei. Der Höhenpunkt liegt daher in der Rütliscene(II, 2). Die Kufgabe der Steigerung dieser Handlung muss darin bestehen, das Unglück dieses Volkes, das ihm geschehene Unrecht und die zu er- greifenden Massregeln zum Schutze der Freiheit zu zeigen und klarzulegen. Zu beachten ist, dass im Gegensatz zum Höhenpunkte der Tlh., in der das Hereinbrechen der That fast urplötzlich, unerwartet geschieht, dieselbe hier verbältnismässig langsam heranreift als Folge fortgesetzter Kränkungen durch die Friedensstörer und eines dadurch herbeigeführten, wohlerwogenen Volksbeschlusses. Demnach liegt die Steigerung der Schweizerhandlung in der vierten Scene des I. Aktes: Verhandlungen der drei Schweizer undBeschluss, auf dem Rütli zu tagen. Die Steigerung schliesst sich hier unmittelbar an das aufregende Moment der Schweh.(Blendung von Melchthals Vater, s. p. 11) und kann mit diesem zusammen als eine dramatische Einheit gelten, an der sich deutlich unterscheiden lassen: a) Ein- leitung: Melchthals Besorgnis um den Vater; b) Steigerung: Stauffachers Bericht von der Blendung und der Beraubung des alten Melchthal; Überleitung zum Höhenpunkt: Melchthals Schmerzensausbruch, Rachegedanken; c) der Höhenpunkt reicht etwa von den Worten Walther Fürsts: bleibt! bis zur Kusserung Stauffachers: Es ist uif seinem Gipfel, wollen wir erwarten bis das Ausserste. Dann folgt d) die Um- kehr: Verabredung des Bündnisses; e) Katastrophe: Schwur, Finale: Melchthals Begeisterung. In dem Schlussworte des Jünglings ist wie im Eingange wieder die Rede vom alten Vater, sodass auch dadurch die Scene, die durch die bekannte glückliche Wahl gerade der drei Repräsentanten Melch- thal der Jüngling, der Mut, Stauffacher der Mann, die Kraft, Walther Fürst der Greis, die Weis- heit ohnedies dramatisch so ausserordentlich wirksam wird, als ein Ganzes erscheint. ¹0? Mit dieser Steigerung für die Schaeh. schliesst der I. Akt, der auch noch die Exposition für die Handlung Atkgh. enthalten müsste. Aber die Länge desselben nötigte bekanntlich den Dichter, dieselbe in den Anfang des II. Aktes zu legen.

Die Idee der dritten Handlung sei: Liebe, die anfangs einen nach Auszeichnung strebenden Jüngling die Sache der Seinen zu verlassen getrieben hat, giebt denselben dem Vaterlande zurück, indem sie seine Gesinnung läutert. An das erregende Moment, Rudenz' Aufbruch(II, 1), schliesst sich erst im III. Akte, mitten in die den ganzen übrigen Teil desselben füllende T'lh. eingeschoben, die kurze Stei- gerung, deren diese Handlung bedurfte, und zwar eng verbunden mit dem Höhenpunkte. Rudenz glaubt,

107) Wir sind umringt von Spähern D. T"I. 152. Die herrschende Späherei ist ein von Schiller erfundener, entbehrlicher Zug. 156 flg. Die Bemerkung: Es ist auf seinem Gipfel ist etwas kahl und stimmt nicht zu den folgenden: Wollen awir eravarten bis das Ausserste da zwischen dem Gipfel und dem Kussersten doch nicht wohl unterschieden werden kann etc. 161. Sonderbar wird über den Tag der nächtlichen Versammlung nichts bestimmt, ja nicht einmal angegeben, wie man sich darüber verständigen wolle. 161 flg. Melchthal stellt sich eine dankbare Begrüssung des alten Vaters von Seiten der befreiten Schweizer vor; dass dieser aus seiner Hütte vertrieben ist, daran denkt er hierbei nicht. Der pathetische Schluss ist von bedeutender Wirkung, doch natürlicher dürfte es sein, wenn Melchthal selbst dem Vater diese Kunde bringen würde.