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Geliebte die von der Mutter verborgen gehaltene Schwester ist. Aber auch Don Cesar verfolgt ahnungslos die Schwester, seitdem er die ihm Unbekannte gesehen, mit seiner Leidenschaft. Am Tage der Versöhnung will die Mutter den Brüdern die Schwester, wollen die Söhne der Mutter die Schwiegertochter zuführen. Die Entdeckung des Geheimnisses bildet die Spitze der Handlung. Aufgabe der Steigerung war demnach: die dunkle Ahnung, die den beteiligten Personen von der schrecklichen Verkettung der Umstände aufsteigt, zur ängstlichen Besorgnis, dann zur schrecklichen Vermutung, endlich zur furchtbaren Gewissheit zu erheben. Die letztere kommt zuerst Don Manuel, als ihm Beatrice(III, 3) das Geständnis macht, das ihm die Schwester und die Geliebte seines Bruders erkennen lässt. Von dem erregenden Momente an, die eben versöhnten Brüder verraten, dass sie beide lieben, waren drei Stufen nötig. 1. Stufe der Steige- rung: Don Cesar erklärt der Don Manuel erwartenden Beatrice seine Liebe¹⁴; Beatricens Entsetzen und Vorahnung des Unglücks(II, 1, 2, 3 ¹⁰³⁵). 2. Stufe: bei der beabsichtigten Heim- führung der Tochter durch die Mutter, der Braut durch die Söhne: die Kunde von der Entführung Beatricens; Isabellens ängstliche Besorgnis(II, 5, 6). 3. Stufe: Aufbruch der Brüder zur Befreiung der entführten Schwester; Don Manuels schreckliche Vermutung(II, 6). ¹96 Es ist bemerkenswert, dass der Zuschauer bereits durch das erregende Moment die Ahnung, bei Beginn der Steigerung schon die furchtbare Gewissheit der späteren Enthüllung empfindet.
IX. Im T1I. laufen, wie früher erwühnt(p. 20 N. 65), drei Handlungen parallel, von denen nur die der Schweizer mit der locker eingefügten Handlung Attinghausen, und zwar innig nur an einer Stelle (IV, 2), verbunden ist. Es dürfte sich empfehlen, nach der ersten Lektüre des Stückes folgende Übersicht zu geben. Der rasche Scenenwechsel, der den Tl. allerdings zu einem echten Schaustücke(spiel) macht, bietet hierzu besonderen Anlass. Es enthält I, 1: Tlh.(Exposition und erregendes Moment p. 11) und Überleitung zur Sohweh.(p. 11); I, 2: Schawe.(Exposition p. 11); I, 3: Tlh.(Steigerung), mit der Schaweh.(Bau der Feste) und Attgh.(Erscheinen Berthas) verknüpft; I, 4: Sohaeh.(Steigerung). In dem ersten Akte fehlt, abgesehen von jener nicht glücklich eingefügten Stelle, die Attgh.— II, 1: Altgh.(Exposi- tion und erregendes Moment p. 11), II, 2: Schaoeh.(Höhenpunkt). In dem zweiten Akte erscheint die T'lh. gar nicht.— III, 1: TMh.(Vorscene zum Höhenpunkt); III, 2: Attgh.(Steigerung und Höhenpunkt); III, 3: Tlh.(Höhenpunkt) mit der Schoezh. und Attgh. ebenfalls nur lose verknüpft. In diesem Akte fehlt daher die Schazh.— IV, 1: Tlh.; IV, 2: Attgh., zu den beiden andern, besonders der Schawzh., in nähere Beziehung gesetzt; IV, 3: TWh.— Nur im fünften Akte laufen die Fäden der drei Handlungen vielfach ineinander, aber nur die Schoweh. bedarf jetzt noch wirklicher Aktion.
Lässt man hierauf für jede derselben die Idee angeben(vergleiche hierzu die p. 4 für das ganze Stück aufgestellte Formel), so wird aus derselben der Höhenpunkt leicht aufgefunden werden.— An- genommen dieselbe sei für die T'lh.: Besorgnis um die Seinen treibt einen sonst friedliebenden, aber durch selbstbewusste Kraft und Geschicklichkeit ausgezeichneten Mann zur Tötung seines Tyrannen. Abgesehen davon, dass der Schüler die That Tells hiernach sofort richtig als Akt der Notwehr fassen lernt, lässt der Umstand, dass ein Mann zur Tötung seines Gegners schreitet, von dem Friedfertigkeit als charakte- ristische Eigenschaft gerühmt wird, sofort auf eine sehr arge Störung des Friedens durch den Todfeind schliessen. Aber diese Störung kann gegenüber der einzelnen Person weniger als gegenüber einem ganzen Volke als Kette fortgesetzter Beleidigungen und tyrannischer Quälereien gedacht werden, sondern je plötz- licher und gewaltsamer dieselbe eintritt, je mehr sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel erscheint, desto erschütternder muss sie auf den Helden wirken, desto begreiflicher wird die Ermordung Gesslers. Einer bedeutenden Steigerung(durch Stufen) bedurfte daher die T'lh. überhaupt nicht; die Stelle aber, wo dieses Herausschrecken aus dem Frieden— Du hast us meinem Frieden mich herausgeschrecht— stattfindet, wird
104) D. B. v. M. 113 flg. Auffält die unzarte Ubereilung Don Cesars, der sofort Beatrice die Hand als Gatte reicht, das völlige Verstummen der letzteren, und dass Cesar nichts zu ihrer Beruhigung thut, auch nicht daran denkt, dass ihr Herz einem anderen gehören könne, sowie die sonderbare Art seiner Verabschiedung(II, 2).
105) D. B. v. M. 116.(II, 3). Das Entfliehen Beatricens ist dichterisch nicht begründet, aber der Dichter musste sie eben zu seinem Zweck entfernen.
106) D. B. v. M. 53.(II, 6). Die ersonnene Fabel nötigte den Dichter, dass Don Manuel, statt, wie wir nach dem Früheren erwarten müssen, die seiner sehnsüchtig wartende Beatrice, der er den Brautstaat in Begleitung des Chors überreichen will, aufzusuchen, erst zur Mutter sich begiebt; vgl. auch 124.— Kunde von dem Raube 58.(II. 6). Es ist unwahrscheinlich, dass Don Manuel es versäumt, allen Zweifelsqualen sich rasch durch die Gewissheit zu entreissen, welchem Kloster die Schwester anvertraut gewesen sei etc.


