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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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(steigende Handlung); von da abwürts die Aufgabe Johannas, da sie vom Dichter auch als rein mensch- liche Natur gefasst ist, sich von der tragischen Schuld(Verletzung der Bedingung) zu lösen, indem sie ihre Liebe besiegt und dadurch ihre himmlische Mission zu Ende führt(fallende Handlung). Aus dem Gang des grossen Krieges sind nur eine Reihe von Preignissen ausgewählt, an welchen die Errettung des Vaterlandes durch die Jungfrau gezeigt wird. Sie bilden die Stufen der Steigerung einer äusseren Handlung, während eine innere an denselben die stetig wachsende Aufregung der Sinnlichkeit, die zuletzt in der Liebe des Weibes den höchsten Ausdruck findet, zur Darstellung bringt. An das erregende Moment, Nachricht von dem wunderbaren Siege(I, 8, 9) und dessen Ausführung, Auftreten der Jungfrau(I, 10), schliesst sich als Vorscene: Abfertigung des Herolds und Aufbruch der Jungfrau(I, 11). 1. Stufe der Steigerung: die(nur berichtete) Einnahme von Orleans und Wirkung dieses Ereignisses (II, 1, 2, 3), in drei Momenten: a) Streit mit dem Herzog von Burgund(II, 1); b) Ausgleich durch Isabeau und Verbannung derselben(II, 2); c) neues Vordringen durch die Feldherrn beschlossen(II, 3). 2. Stufe der Steigerung: Johanna im englischen Lager(II, 4 10), in einer Vorscene und zwei Haupt- scenen. Vorscene: Erstürmung des Lagers(II, 4) und Flucht der Engländer(II, 5). 1. Hauptscene: Johanna tötet Montgommery(II, 6, 7, 8), in drei Momenten: a) Monolog Montgommerys(II, 6); b) Montgommery verfällt dem Schwert der Jungfrau(II, 7); c) Schlussmonolog der Jungfrau(II, 8). 2. Hauptscene: Burgund gewonnen(II, 9, 10), ebenfalls in drei Momenten: a) feindliche Be- gegnung der Feldherrn; b) Dazwischentreten der Jungfrau und begeisterte Rede; c) Aus- söhnung⁰s. 3. Stufe der Steigerung: Werbung der Edelleute; hineingeflochten ist die Rückkehr Burgunds an den Hof(III, 1 5); vier Momente: a) einleitendes Gespräch Dunois mit La Hire ⁹⁹ (III, 1); b) Burgunds Aussöhnung ¹ο mit dem König(III, 2, 3) und Du Chatels mit Burgund durch die Jungfrau(III, 4);¹01 c) Werbung der Edelleute und Weigerung Johannas(III, 4); d) Ubergangs- glied zur 4. Stufe: Aufbruch Johannas(III, 5). 4. Stufe der Steigerung: Eroberung von Rheims und Talbots Tod(III, 6 ¹⁰², 7 ¹03) nebst UÜberleitung zur Scene des Höhenpunktes(III, 8).

Diesen Stufen der äusseren Handlung entspricht genau eine innere¹l. 1. Stufe: Die ihr zu teil werdende Bewunderung und Ergebenheit des Königs und der Vornehmen in ihren Willen(bereits nach dem ersten Auftreten, besonders aber nach dem wunderbaren Siege). 2. Stufe: a) ihre geäüusserte Empfindung für die Schönheit des Walliserjünglings und ihr Mitleid mit dem durch ihre Hand Gefallenen; b) ihr von ihr wohl bemerkter, gewaltiger Einfluss auf die Gemüter(bei der Aussöhnung Burgunds); 3. Stufe: ihr Benehmen bei ihrer Erhebung in den Adelstand(für die Aussöhnung Burgunds u. s. w.) und die tiefe Erregung, weil sie die Liebe zum Manne als eine ihr auferlegte Entbehrung erkennt(bei der Werbung der Edelleute). 4. Stufe: ihre irdische Kriegsleidenschaft(in der Schlacht bei Rheims) im Gegensatz zu der ehemaligen Reinheit der Gottesstreiterin und endlich der ihr ganzes Wesen erschütternde Hass gegen den Unbekannten. So verfällt sie, nachdem die Sinnlichkeit in ihr durch die sie umgebende Welt in immer stärkerem Masse aufgeregt worden ist, zuletzt der Liebe(Höhenpunkt des Stückes).

VIII. B. v. M. Jahrelange Feindschaft hat die Söhne des fluchbeladenen Hauses getrennt. Don Manuel ist in heftiger Liebe zu einem Mädchen entbrannt und findet Gegenliebe, ohne zu ahnen, dass die

98) D. J. v. O. 184.(II, 10). Die vier letzten gereimten Verse würde man gern missen und Johanna ihre Freude über ihren Sieg lieber in der zweiten Person: De bist gerdährt aussprechen hören. Dass alle drei nach- einander Burgund umarmen, wirkt eher störend.

99) D. J. v. O. 186.(III, 1). Der erste Auftritt ist entbehrlich, da die Brautwerbung vorläufiger Andeutung nicht bedarf. 187. Streit zwischen La Hire und Dunois betreffend.

100) D. J. v. O. 188.(III, 2). Es fällt auf, dass der Herzog nicht gleiche Bürgschaft dem Könige bietet, und überhaupt von Bürgschaft statt von Zeugen die Rede ist.

101) D. J. v. O. 195.(III, 4). Auffallend die Weissagungen über Burgund. Der Jungfrau ist bei Schiller sonst nur dasjenige offenbar, was Gott zu ihrem Zwecke sie schauen lässt. 200. Ungenügend sind die Erklärungen Johannas, sie werde nach Vollziehung ihres Auftrags der Bestimmung des Weibes folgen müssen, nach Hause zurückkehren, was schlecht zum angenommenen Adel stimmt, auch der sonst hervortretenden Gewissheit widerspricht, dass sie vom Schlachtfelde nicht zurückkehren werde.

102) D. J. v. O. 204.(III, 6). Dass man Talbot gar keine Hilfe leistet, um ihn noch zu retten, fällt auf. Auch der gegen die Geschichte angenommenen, an sich unwahrscheinlichen Unterwerfung von Paris pedurfte der Dichter nicht; jede Erinnerung an dieses zerstreut nur die Aufmerksamkeit. 204 flg. über Talbots letzte Ausserungen; ob sein Materialismus nicht in zu grellen Widerspruch gegen den religiösen Glauben, auf welchen die ganze Er- scheinung der Jungfrau gegründet ist, trete und der dramatischen Wirkung schade, kann man mit Recht fragen.

103) D. J.». O. 206.(III, 7). So weit, als er, drang noch kein feindlich Schwert Talbot war viel weiter, selbst in unserm Stücke, als bis Rheims(bis Bordeaux) gelangt.