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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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mit Mortimer(II, 5), Mortimers Monolog(II, 6), Mortimer und Paulet(II, 7). 4. Stufe der Steigerung: Verlockung Elisabeths durch Leicester, Maria zu sehen(II, 9). So wird also, nachdem die 1. Stufe die Verurteilung der Stuart durch den Gerichtshof bekannt gegeben, durch die 2. Stufe, die Staatsratsscene, die Vollziehung oder Nichtvollziehung des Urteils von dem Zustandekommen oder Nicht-Zustandekommen einer Unterredung der Königinnen abhängig gemacht. Indes aus der ganzen Anlage und Entwickelung des Charakters der Elisabeth als Gegenspielerin, besonders aber nach der die 3. Stufe einleitenden Unter- redung mit Mortimer, nach welcher der letztere sich, um Maria, zu retten, von der Königin als Meuchel- mörder dingen lässt, ist sofort ersichtlich, dass diese Zusammenkunft nie zustande kommen würde, wenn sie als eine Folge des Mitleids und schwesterlicher Gesinnung Elisabeths eintreten sollte. Diese Wendung ist eben undenkbar; aus eigenem Antriebe müsste die Königin, wenn sie überhaupt imstande gewesen wäre, es bis zu einer Verurteilung der Stuart durch den Gerichtshof kommen zu lassen, nunmehr mit versöhnlichem Herzen und überwältigt von Rührung in den Kerker Marias eilen, um der Gefallenen die schwesterliche Hand zu reichen. Nichtsdestoweniger bleibt es Thatsache und wird vom Zuschauer fortwährend lebhaft empfunden, dass das Schicksal Marias erst von dem Erfolg einer Unterredung abhängt, sei es, dass die- selbe darnach bis an ihr Ende in Haft verbleiben muss, oder Erleichterung ihres Loses findet. Kann demnach die Unterredung niemals durch edle Regungen hervorgerufen werden, so kann sie nur das Werk der Intrigue sein. Es war also bis zum Eintritt des Höhenpunktes noch eine(höchste) Steigerung nötig, nämlich die Darstellung der Intrigue: die Verlockung Elisabeths durch Leicester. Indes noch eine andere Lösung ist zuvor denkbar: Die Befreiung Marias durch Gewalt. Die Scene zwischen Maria und Mortimer, die das erregende Moment enthält, schliesst damit, dass Maria Stuart Bildnis und Brief Mortimer an Leicester ⁰⁶ übergiebt; letzterem möge er sich anvertrauen, wenn er die Rettung vollbringen wolle. Wenn nun der mächtige Lord Leicester sich wirklich mit Mortimer zu einer gewaltsamen Befreiung verbindet? Diese Frage wird zunächst in dem Zuschauer rege. Es ist also vor der Verlockungsscene(4. Stufe) noch eine Stufe nötig; auf die Staatsratsscene musste eine Unterredung der beiden Männer folgen; aber aus der Verschieden- heit ihrer Charaktere erklürt sich sofort, warum dieselbe erfolglos bleiben muss, und dass eine Verbindung beider zur Rettung der Stuart unmöglich ist. Beide lieben ja die Stuart; die Eifersucht, in die sich diese Liebe verwandeln muss, wenn beide die Nebenbuhlerschaft erkannt haben, muss sofort ihre Wege trennen, wäre nicht von vornherein schon ein erfolgreiches Zusammenwirken des tollkühnen, aber ritterlichen Mortimer mit dem heuchlerischen, feigen, nur um seine eigene Rettung besorgten Leicester aussichtslos. Eine solche Natur muss daher in Furcht und Entsetzen bei Mortimers kühnem Vorschlag erbeben und kann nur zur Intrigue seine Zuflucht nehmen. Nachdem aber der mächtige Lord seine Hilfe Mortimer versagt, die Maria selbst als unbedingt notwendig zu einem Gelingen bezeichnet, erscheint dem Zuschauer das Unternehmen sofort mehr als tollkühn und in seinem Ausgange durchaus zweifelhaft. Er empfindet, dass alles einzig und allein noch von einer Unterredung beider Königinnen abhängt. Wird es aber überhaupt, und wodurch wird es Leicester gelingen, Elisabeth zu einer Zusammenkunft zu überreden? Die Darstellung der Intrigue und das Gelingen derselben, d. h. die Verlockung Elisabeths muss also die vierte Stufe der Steige- rung bilden.

VII. J. v. O. I, 10 berichtet?? Johanna, wie ihr die Mutter Gottes gesagt habe: Eine reine JFungfrau vollbringt jediwedes Herrliche aur Erden, dvenn sie der ird'schen Liebe ewidersteht. Da der Himmel von der Jungfrau fordert, der Sinnlichkeit Widerstand entgegenzusetzen, so erscheint sie keines- wegs als ein der irdischen Sphäre entrücktes Wesen, sondern zugleich als eine echt menschliche Natur, in der sinnlicher Trieb liegt, der durch die Aussenwelt erregt werden kann. Für Johanna bildet die Ent- sagung des für das Weib höchsten Glückes, der Liebe, die schwerste Bedingung. Die Stelle des Dramas, wo die Liebe plötzlich in Gestalt und Wesen der Jungfrau entgegentritt, um sie in die verhängnisvolle Befangenheit zu versetzen, wird leicht als Höhenpunkt erkannt werden. Bis zu dieser Stelle ist es die Aufgabe der Gottesstreiterin, das Vaterland zu befreien, indem sie die Feinde besiegt

96) D. M. St. 82(I, 6). Freilich ist der Schritt von Leicesters Seite insofern schwach begründet, als nicht abzusehen, wie Elisabeth zur Befreiung Mariens zu bestimmen sein könnte,..... doch durch die glückliche Art, wie Leicesters Antrag an Marien ganz nebensächlich bei Gelegenheit ihrer Erwiderung an ihn erwähnt wird, entzieht sich die Unwahrscheinlichkeit dem Blicke des Lesers wie des Zuschauers.

97) D. J. v. O.(I, 10) 165. Es stimmt der Bericht einesteils nicht mit der Erzählung am Ende des Prologs, wiederholt andernteils, für den Zuschauer unnötig, das dort Erzühlte. 166. Das Waffengetöse kann das erste Mal wegfallen und ist nach den Erklärungen von Dunois und La Hire eher an der Stelle.