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erregenden Momente an die Frage stets offen bleibt: wird Maria Stuart durch den tollkühnen Mortimer gerettet werden, oder wird, sei es durch Hinrichtung, sobald Elisabeth ihre Unterschrift giebt, sei es durch einen Meuchelmörder, den vielleicht ihre Feinde noch finden, ihrem Leben ein Ende gemacht werden? Je näher aber die Handlung dem Höhenpunkte rückt, desto stärker wird im Zuschauer die Empfindung, dass die Entscheidung über das Schicksal der Heldin auf des Schwertes Spitze schwebt. Vier Stufen waren hierzu notwendig; 1. Stufe der Steigerung:„Scene Marias mit den Kommissarien“: Burleigh ver- kündigt die Verurteilungè durch die Peers(I, 7); verbunden damit eine Schlussscene, zugleich
Uberleitung zum II. Akt: Burleighs geheimer Auftrag an Paulet(I, 8). Der 2. Stufe geht eine Einleitung des Aktes voraus: Vorführung„Elisabeths und der übrigen Gegenspieler“(II, 1 ²¹, 2 9²2, Brautwerbung). Bildet die Spitze des Dramas das Gegenübertreten der beiden Königinnen, so musste zuvor erstens im Staatsrat darüber verhandelt werden, ob Elisabeth der in dem(II, 4) von Paulet überbrachten Briefꝰs ausgesprochenen Bitte um eine Unterredung entsprechen dürfe, zweitens über die Vollziehung der königlichen Unterschrift Beratung stattfinden. 2. Stufe der Steigerung ist daher:„der Kampf der Höflinge für und wider Maria und Wirkung des Briefes von Maria“(II, 3, 4). Die Zusammenkunft der Königinnen kann aber fernerhin nur zustande kommen, wenn der mächtige Lord Leicester ⁵⁴, der Günstling Elisabeths, gewonnen wird. Der Liebesbrief Marias ⁵, von Mortimer an Leicester überbracht, bestimmt den feigen Lord, Elisabeth zu dieser Unterredung zu verlocken. 3. Stufe der Steigerung:„Unter- redung Mortimers mit Leicester“(II, 8). Voran geht derselben eine Einleitung: Gespräch der Königin
scene: Vorbesprechung mit den Getreuen II, 5, 6. a) Nachrichten Terzkys, der die Unterhandlung mit Sesin leitet, drängen zum Handeln II, 5; b) IIlos günstiger Bericht über die Stimmung der Obersten II, 6, durch die Erwähnung der Unterschrift zugleich die 2. Stufe vorbereitend; 2. die Hauptscene: Audienz Questenbergs II, 7. Die 2. Stufe der Steigerung für das Doppeldrama, 2. Aktion des Verrates, IV. Akt der Picc., wird durch den III. Akt, der der Handlung Picc. angehört, von der 1. Stufe getrennt. Nur der 1. Auftritt des III. Aktes gehört zur 2 Stufe als Vorbereitungsscene: IIlo entdeckt Terzky seinen Plan mit der Unterschrift. Dieser folgen die Einleitung für die 3. Stufe der Steigerung der Picc.: Vorhaben der Gräfin mit den Liebenden III, 2; dann die 3. Stufe der Picc.„Hal- tung der Liebenden“ etc. III, 3, 4; ferner Höhenpunkt der Picc.: Liebesscene zwischen Max und Thekla III, 5, 6; endlich die UÜberleitungen zur Umkehr der Picc.: Theklas traurige Ahnung III, 7— 9, und in der Bankettscene(IV.) Maxens träumerisches Wesen.— Hauptscene: das Bankett, die unbedingte Verschreibung der Obersten wird erschlichen; es füllt daher die 2. Stufe für das Doppeldrama den ganzen IV. Akt der Picc. Der Bau dieser grossen Ensemblescene, der ersten, die Schiller geschrieben— die zweite ist die Rütliscene, die dritte der I. Akt von Demetrius— ist nach G. Fr. a. o. O. p. 204 folgender:„Der Akt ist zweiteilig. I. vorbereitender Teil enthält drei dramatische Momente: a) Max erscheint; b) Explikation der gefälschten Urkunde durch die Intriguanten(Picc. IV, 1, 236 Ingratis servire nefas— Schillers merkwürdiges Versehen: nach dem ausführlichen Bericht begann IIllo mit dem Spruche seine Rede, hier steht er als Motto); c) Anschluss Buttlers an sie(Eicc. IV, 4, 239 Buttlers Erwähnung seiner Herkunft etc. ist weder dem Augenblick, noch Buttlers Charakter besonders entsprechend. Wegfallen könnten die Verse: Ich kam, ein schlechter Reitersbursch bis Das ist gesprochen). II. Teil enthält a) einleitende Unterredung der Diener, die aber zu unverhältnismässiger Breite ausgesponnen ist(durch die Beschreibung des Pokals); b) eine dreiteilige Handlung: 1. Bemühung Terzkys, von Nebenfiguren die Unterschrift zu erhalten; 2. im scharfen Gegensatz dazu das kurze Gespräch der Piccolomini; 3. die Krisis als Streit des trunkenen Illo mit Max. Auch hier ist der Verband der einzelnen Scenenteile sorgfältig. Octavio führt durch das vorsichtige Sondieren Buttlers leise die Auf- merksamkeit aus der bewegten Gruppe der Generäle heraus auf seinen Sohn. Durch das Suchen des fehlenden Namens wird die volle Aufmerksamkeit auf Max geleitet, worauf der trunkene IIlo sich wieder zuerst sehr bedeutsam an Octavio wendet, bevor er mit Max zusammenstösst. Die Verbindung und Lösung der einzelnen Gruppen, das Herausheben der Piccolomini, die Aktion des Höhenpunktes(der Scene), das bewegte Zwischenspiel der Nebenfiguren bis zu dem kräftigen, kurzen Schluss sind sehr schön.“
90) D. M. St. 129. 133. I, 7. Kaum dürfte Burleigh die förmliche Verlesung des Urteils in ihrer Gegenwart unterlassen.
91) D. M. St. 137. Es muss auffallen, dass gerade ein solcher Kampf, wo das Verlangen den Kürzeren zieht, den französischen Brautwerbern geboten wurde(II, 1).
92) D. M. SGt. 140. II, 2. Auffallend ist nur, dass Elisabeth nichts anderes sagt, als dass Bellievre den Her- zog ebenso mit dem doch nur den unbedeutendsten Teil des Ordens bildenden Bande bekleiden soll.
93) D. M. St. 83. II, 4. Marxia dürfte kaum glauben, dass Elisabeth diese Zusammenkunft gewährt. Doch übersieht man diese Unwahrscheinlichkeit im Anfange des Dramas, wo Mariens Stellung zu Elisabeth noch weniger anschaulich hervorgetreten.
94) D. M. St. 100. Am wenigsten dürfte die Zeichnung Leicesters gelungen sein, dessen Gestalt eben durch die eigentümliche Stellung, die er in der Handlung einnimmt, zu sehr, man möchte sagen, beschränkt wird, so dass er sich nicht frei entfalten kann.
95) D. M. St. 104. Maria hofft auf Leicester mehr als auf den Brief an Elisabeth, der mit Leicesters Ver- wendung in nähere Verbindung hätte gebracht werden sollen.
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