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VI. M. St. In M. St. soll gezeigt werden, wie Eifersucht eine Königin zur Tötung ihrer gefangenen Gegnerin treibt. Beide Königinnen trennt die heftigste Feindschaft. Die Ursache derselben ist allerdings zu- nächst in den politischen Verhältnissen zu suchen; aber von mindestens ebenso grosser Bedeutung ist der Unter- schied, den die Natur zwischen beiden Frauen geschaffen hat. Mit Schönheit und Anmut ist Maria ausgestattet, und hierdurch stellt sie die weiblicher Reize entbehrende, aber eitle Elisabeth in den Schatten, sodass selbst die von der Gunst der letzteren Ausgezeichneten sich unwiderstehlich zu der unterdrückten, durch lange Freiheitsberaubung schon dem Tode überantworteten Königin hingezogen fühlen. Welch' harte und zum Teil ungerechte Massregeln die von Eifersucht beherrschte Elisabeth, die nicht einmal den Vorzug ehelicher Herkunft geltend machen kann, zur Demütigung der Schoester ersinnt— die königliche Hoheit und makellose Geburt kann sie der Verhassten nicht rauben. Und trotz dieser bitteren Feindschaft haben beide Königinnen sich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen. Die von der Gefangenen er- betene Unterredung wurde von Plisabeth immer verweigert; auch jetzt hat sie Ritter Paulet einen Brief an die englische Königin in dieser Angelegenheit übergeben. Schon unter solchen Umständen muss das Gegenüberstellen zweier durch so leidenschaftlichen, jahrelangen Hass getrennten menschlichen Naturen, die Verhandlung der Angelegenheit Auge in Auge als eine folgenschwere That empfunden werden. In der Gartenscene des III. Aktes, und zwar in dem Augenblicke, wo Elisabeth und Maria die verhängnis- volle Unterredung beginnen, liegt der Höhenpunkt dieses Stückes. Nach Überschreitung desselben, d. h. nachdem das Gespräch die schlimme Wendung genommen hat— so fühlt der Zuschauer deutlich— ist das Schicksal von Maria besiegelt; die Entscheidung bis zum Eintritt desselben ist zweifelhaft, insofern von dem
Gräfin Terzky eröffnet ihrem Gemahl ihr Vorhaben mit den Liebenden. Vorausgeht der Stufe der dem Doppeldrama zugehörige III, 1: Illo verrät Terzky seinen Plan mit der Unterschrift, Vorscene zum 4. Akt, Bankett- scene(Picc. III, 1, 231 zu den Worten: Wenn ein Strich reisst..).
Wist. Td. Das erregende Moment,(berichtete) Gefangennahme Sesinas, nebst der Ausführung desselben, Verhandlung mit Wrangel, umfasst den ganzen ersten Akt. Folgende Momente jlassen sich in der Aktion des Ver- rates unterscheiden: a) der Planetenaspekt verkündet die zum Handeln günstige Stunde I, 1; b) die(berichtete) Gefangennahme Sesinas drängt zum Abschluss mit den Schweden I, 2, 3; c) grosser verbindender Monolog I, 4; d) Ver- handlung mit den Schweden I, 5(Wlst. Td. I, 5, 177 zu den Worten: Es steht der Rheingraf— aus Rücksicht auf den Hof von Weimar ist nicht der Herzog Bernhard genannt.— 253. Weder die Mitwirkung Wrangels bei der Be- lagerung Stralsunds, noch das Scheitern des Unternehmens durch einen Sturm auf dem Belt ist geschichtlich); e) Abschluss der Konjunktion, besonders auch durch Illos und Terzkys sowie seiner Schwägerin Drängen I, 6, 7. UÜber die Behandlung dieser Stelle als Höhenpunkt des Doppeldramas s. p. 34flg.— 1. Stufe der Steigerung: Befehl Wallensteins an Octavio II, 1, 3(Wäst. Td. II, 3, 264 Anmerk. zu den Worten: Banniers verfolgenden Dragonern — Bannier lag damals verwundet in Magdeburg). 2. Stufe der Steigerung: Verlockung Isolanis und Butt- lers II, 4— 6(Wäst. Td. II, 6, 179flg. Um Buttlers Abfall und leidenschaftliche Rache zu begründen, bedient sich der Dichter einer an sich glücklichen Erfindung etc. Diese Niederträchtigkeit macht Wallenstein uns geradezu wider- wärtig. Dazu widerspricht dieses unedle, treulose Verfahren dem stolzen Vertrauen, das Wallenstein in seine Beurtei- lung der Menschen setzt, und die UÜberzeugung von der Treue derjenigen, die er durch Wohlthaten sich verbunden hat, dass er gar nicht daran denken konnte, Buttler erst durch ein so freventliches Mittel an sich zu schliessen.— Die ganze Leitung der Massregeln gegen Wallenstein ist zur Vereinfachung der Handlung, im Widerspruch mit der Geschichte, in Octavios Hand gelegt, die zwei nach Pilsen berufenen Versammlungen in eine zusammengezogen worden. — 266. Buttlers Drohung am Schlusse des 6. Auftritts überhört Octavio, obgleich sie ihm nicht angenehm sein kann). 3. Stufe der Steigerung: Abfall der Feldherren und Empörung der Soldaten; Fall von Prag, Wallen- steins Achtung III, 5— 12(W st. T6d. III, 7, 272 zu dem auffälligen Ausdruck: Des Lebens Bilder.— III, 9, 273. Ob Wallensteins sophistische Verteidigung der Sternkunde selbst dem tiefsten Schmerze angemessen sei, könnte man bezweifeln.— III, 10, 273. Wallenstein begrüsst Buttler mit traulichster Herzlichkeit als wahren Freund. Dass jemand auf so arge Weise, wie hier Wallenstein, und zwar zum zweiten Male sich täuschen lassen kann, ist mehr der Komödie als der Tragödie gemäss; unbegreiflich auch, wie Wallenstein mit seinem Schuldbewusstsein gegen Buttler, das nach II, 6 vorausgesetzt wird, dies thun kann.— 181. Der Fall von Prag geschah mehr als einen Monat später. Kinsky war in Wirklichkeit nicht in Prag anwesend, sondern begleitete Wallenstein von Pilsen nach Eger).— Die Steigerung und der Höhenpunkt von Wlst. Td. bilden die Hauptstufe der Umkehr für das Doppeldrama. Nach Uber- schreitung des Höhenpunktes fällt die Umkehr desselben und die von Wäst. Td. zusammen.
Von dem erregenden Moment(p. 10) ist die 1. Stufe der Steigerung des Doppeldramas durch die 1. Stufe der Steigerung der Picc. getrennt, so dass dieselbe erst imt II. Akte peginnt. Voran geht eine Einleitung, erstens die Bedientenscene II, 1; zweitens Wallenstein erforscht zuvor die Stimmung in Wien von seiner Gattin II, 2. Dann folgt die die 2. Stufe der Steigerung der Picc. eröffnende Scene II, 3, ferner diese 2. Stufe Picc. selbst II, 4.— II, 5 eröffnet die steigende Handlung des Doppeldramas, deren Aufgabe war, den Feldherrn in seiner Grösse zu zeigen, die ihn vor einem Abfall vom Kaiser nicht mehr zurückschrecken lässt. An die erste Aktion des Verrates II, 7 schliesst sich im IV. Akte die zweite: Wallenstein versichert sich der unbedingten Ergebung der Generäle und des Heeres; Höhenpunkt: Abschluss der Verhandlungen. Wlst. TId. I. Also 1. Stufe der Steigerung für das Doppel- drama: Wallenstein weist die Forderungen des Kaisers zurück, 1. Aktion des Verrates II, 5—7; 1. die Vor-


