23
die dritte Stufe der Steigerung der Haupthandlung vorbereitendes UÜbergangsglied getrennt: Streit mit Alba(II, 5), Dazwischenkunft der Königin(II, 6). b) Hauptscene, 1. einleitend: die Unruhe der Prinzessin(II, 7),5 2. die grosse zweiteilige Scene, Carlos und die Eboli(II, 8), 76 Ebolis Vermutung und Entschluss(II, 9).— Die Steigerung der Handlung D. C. zeigte bisher die Liebe des Infanten und Philipps Argwohn, ferner sein feindseliges Verhältnis zu dem Vater. Dennoch befiehlt Philipp Alba, den Prinzen, der künftig seinem Throne näher stehen werde, zu versöhnen. Das Übrige vollendet die Ver- schwörung, die es unternimmt, dem eifersüchtigen Gatten und despotischen Vater die Beweise von der Schuld des Prinzen und der Königin zu bringen; daher 3. Stufe der Steigerung der Handlung D. C.: das Komplott(II, 10— 13). a) Vorscene: Albas und Domingos Intrigue(II, 10), Domingo gewinnt die Prinzessin(II, 11), b) Hauptscene: Verabredung des Planes:(Erbrechen der Schatulle etc. II, 12), c) Schluss: triumphierende Erwartung der Verschworenen(II, 13).— In dieser Stufe liegt zugleich der Höhenpunkt der hier mit der Haupthandlung fest verknüpften Nebenhandlung Eboli: die Prinzessin ist zum Opfer ihrer Frauenehre bereit(II, 12).—
Den Plan des Marquis und seine schlimme Ausführung hat die zweite Handlung darzustellen; der- selbe ist auf die unbedingteste, jedes Misstrauen ausschliessende Freundschaft seitens des Prinzen gegründet. Nach der Exposition für die Handlung Posa(I. u. II.), besonders auch nach der Scene, die das erregende Moment für dieselbe enthält(II, 15 s. p. 9), scheint das Verhältnis eine solche Grundlage zu besitzen, die Hingabe des Infanten unter allen Umständen zweifellos zu sein. Durch die Ausführung des dem Marquis aufgedrungenen Planes s, der infolge seiner durch Zufall herbeigeführten Verbindung mit dem Könige entsteht, wird diese Freundschaft?? auf eine harte Probe gestellt, und von dem Bestehen der härtesten muss das Gelingen des Planes abhängig sein.““O Der Höhenpunkt der zweiten Handlung kann nur in der Scene liegen, in der Posa Carlos die Briefschaften abfordert. V, 3 sagt Posa: sie(die Zuversicht des Gelingens) war auf deiner Freundschaft Eoigkeit gegründet. Er will ferner nicht dem Schlafenden die Wetterwolle zeigen, die über seinem Scheitel hüngt(IV, 6), und deshalb unterschlägt er der Freundschaft sein gefährliches Geheimnis(V, 3). Hiermit sind die beiden Stufen, deren diese zweite Handlungèl be- durfte, angedeutet. 1. Stufe der Steigerung für die Handlung Posa: Posa tritt in des Königs Dienst(III). Er wird scheinbar des Infanten Feind, um das Komplott gegen ihn zu regieren, fordert aber, ohne dass er nähere Aufklärung über sein Benehmen giebt, dass dieser ihn für seinen Freund hält. a) Vorscene: Philipps Misstrauen gegen seine Räte(III, 382, 4); Einleitung: Philipps Unruhe (Monolog III, 1 und Unterredung mit Lerma III, 2). Schluss: Der König beschliesst, sich an Posa zu wenden(III, 5);3³3 b) Hauptscene: Posa und der König; Albas Meldung ⁴(III, 8), Posas
74) D. D. C. 186. Die Ausserungen Albas sind nicht ganz zutreffend und selbst für Alba zu roh.
75) D. D. C. 188 flg. zu den Worten: Mich wundert sehr, ihn noch nicht hier zu finden.
76) D. D. C. 192. Es ist freilich sehr stark, dass Schillers Eboli es wagt, mit einer leichten Fingerbewegung des Infanten Halskrause hinwegzuschnellen und darunter eine durch Zufall etwas hervorstehende Bandschleife einer Dame hervorzuziehen.— 195. Der durch die Liebe zur Königin gegen jede andere Neigung gewahrte Prinz schliesst die Eboli mit Zärtlichkeit in die Arme!
77) D. D. C. 133 flg. zu der Bemerkung der Eboli, sie wolle in einigen Tagen krank werden.
78) Der eigene Plan des Marquis, angedeutet durch die Worte: Ein wilder, bülner, glücklicher Gedanke steigt auf in meiner Phantasie—(II, 15) war, durch eine nochmalige Zusammenkunft mit der Königin Carlos zu dem Enischlusse zu bringen, heimlich nach Flandern zu gehen. Dadurch dass der Dichter versäumt, Posa selbst ein Mittel zur Ausführung ersinnen zu lassen, wird die Handlung in zwei Teile gespalten.— D. D. C. 116. Durch die Verbindung mit dem Könige stellt sich in den Mittelpunkt ein so wunderliches wie unnötiges falsches und un- besonnenes Spiel.
79) Es ist auch bemerkenswert, dass Carlos in Posa hauptsächlich den verständnisvollen Freund und Be- schützer seiner unglücklichen Leidenschaft sieht, wührend dieser dieselbe nur benutzt, um den Prinzen durch die Königin für die Rettung Flanderns zu gewinnen; auch hierdurch kommt die Spaltung in die Handlung.
80) Diese- härteste Probe besteht aber eben Don Carlos nicht; Schuld trägt das wunderliche Benehmen Posas; vgl. hierzu die zweite Warnung Lermas, durch welche Carlos misstrauisch wird(tragisches Moment des Stückes).
81) D. D. C. 109. Ein Verstoss gegen die Einheit liegt in dem übermässigen Hervortreten des Marquis seit der Unterredung mit dem Könige.
82) D. C. 209. Die Eifersucht des Königs zwar anschaulich, aber doch in etwas widerwärtiger Weise gegeben.— D. D. C. 212, über die hier ungehörige Frage: Wer ist sonst— Im Vorsaal? und den Sinn der Schlussbemerkung des Königs.
. 283) D. D. C. 216 über die Bemerkung, Wahrheit aufzufinden, sei Königen nicht gegeben; 217. Ich schütte die Lose auf.— Seltsam, dass Philipp einen so verdienten Mann wie Posa ganz vergessen hat. 84) D. D. C. 221. Der Dlosen Neugier wegen, eine ebenso wunderliche Ausserung wie Albas Rat.


