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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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der Marquis findet Carlos knieend vor der Eboli, seine Befürchtung und Entschluss, ihn mit Aufopferung seines Lebens zu retten. Die erste Idee sollte bekanntlich ausgeführt ein Familiendrama geben, in dem es den Intriguanten gelingt, den Helden Don Carlos der Eifersucht und dem Despotismus seines Vaters Philipp II. zu überliefern. Diese Handlung hat Schiller unmittelbar vor Eintritt des Höhenpunktes ab- gebrochen; als letzteren erwartet man: die Intriguanten bringen Philipp die Beweise von seines Sohnes Schuld. Die beiden ersten Akte enthalten nur die dazu nötigen drei Stufen der Steigerung, nämlich erstens die heimliche Begegnung des Prinzen mit seiner von ihrem Gatten eifersüchtig bewachten Mutter, welche Carlos auffordert, seine Liebe auf Spanien zu übertragen; zweitens als weitere Folge: die Begegnung des Prinzen mit seinem gegen ihn vom schlimmsten Argwohn erfüllten Vater, der ihm die erbetene Statt- halterschaft der Niederlande abschlägt; drittens die Verschwörung der Intriguanten, welche die entdeckte verbrecherische Neigung des Prinzen und die Eifersucht des Königs zum Sturze des Infanten benutzen.? Durch diese drei Stufen schlingt sich, teilweise in engster Verknüpfung mit denselben, die erste Hälfte der Nebenhandlung Eboli, so dass folgende Gliederung entsteht: 1. Stufe der Steigerung für die Handlung D. C.- Carlos' Liebeserklärung, Verzweiflung und Erhebung durch die ihm von der Königin angetragene Mission(I, 3 6). a) Einleitung: die Königin und ihre Damen(I, 3).3 Diese ent- hält zugleich für die Nebenhandlung Eboli; 1. die Exposition: Charakteristik derselben, die im Gegensat⸗ zu der Königin das genussreichere Leben der Hauptstadt vorzieht, ihre gegen ihren Willen in Aussicht genommene Vermählung mit dem Grafen Gomez; 2. das erregende Moment: Fussfall der Eboli, wobei sie ihre Neigung zu Don Carlos verrät. b) Vorscene: Posa bereitet die Königin auf die Unter- redung mit Carlos vor(I, 4). Der Auftritt enthält wiederum für die Nebenhandlung Eboli die Vor- stufe der Steigerung: die Prinzessin verrät durch die Neugier, mit der sie die von Posa erzählte Liebesgeschichte anhört, dass sie liebt. c) Hauptscene: Carlos und die Königin(I, 5).5 Schluss: vermehrte Eifersucht des Königs(I, 6)."°% Upergangsglieder zum II. Akt: der für die Rettung der Niederlande begeisterte Infant will die Statthalterschaft für Flandern erbitten(I, 7), dem König auf Lermas Aufforderung sogleich nach Madrid folgen(I, 8); er schliesst aber zuvor noch mit Posa innige Freundschaft(I, 9). 2. Stufe der Steigerung für die Handlung D. C.: Carlos' Zerwürfnis mit dem Vater(II, 1 3). a) Einleitung: Carlos ersucht um geheime Audienz(II, 1); b) Haupt- scene: Carlos' Bitte, Philipps Weigerung(II, 2); 7²2 c) Schluss: Befehl an Alba(II, 3). Zwischen der 2. und 3. Stufe steht die Steigerung der Nebenhandlung Eboli: Carlos verschmäht die Liebe der Prinzessin: a) Vorscene: die Einladung durch den Pagen(II, 4),0 von der Hauptscene durch ein

67) Wie gesagt, ist das Familiendrama vom III. Akte an eng mit der Handlung Posa, die allein noch konsequent durchgeführt ist und das ganze Interesse in Anspruch nimmt, verbunden. Es bedürfte der gewaltsamsten Ausscheidung des kühnen, abenteuerlichen Planes, wollte man sich das ursprünglich vom Dichter beabsichtigte Familiendrama weiter geführt denken. Als Hôhenpunkt müsste, wie oben erwähnt, der 3. Stufe der Steigerung folgen: Die Intriguanten enthüllen dem Könige das Geheimnis. Der fallende Teil liess sich aus den in die Handlung Posa eingeflochtenen, aber nunmehr mit ihr fest verbundenen Familienscenen herstellen, nämlich als tragisches Moment: Philipps UÜberzeugung von der Schuld des Prinzen und der Königin(auch in K. u. L. bildet die höchste Stufe ein Komplott, Verabredung des Planes, Höhenpunkt: Der Intriguant Wurm bei Luise, tragisches Moment: ÜUberzeugung Ferdinands von der Schuld der Geliebten); ferner 1. Stufe der Umkehr: Der König erklärt die Königin als Buhlerin und beschliesst den Tod des Prinzen; 2. Stufe der Umkehr: Der Marquis bestimmt den Prinzen zur Entsagung seiner Liebe und durch die Königin zur Flucht nach Flandern; Katastrophe: Entdeckung des Fluchtplanes, Meuchelmord des Marquis, der Prinz gefangen und der Inquisition ausgeliefert.(Siehe die entsprechenden Auftritte Akt III V, welche sich auf diese angedeutete Handlung des ursprünglich geplanten Familiengemäldes beziehen.)

68) D. D. C. 161 über die Ortsbezeichnung. Schiller: Hofhaltung der Königin in Aranjuez; die Olivarez redet von einem Gartenwäldchen, Alba(III, 3) von einer abgelegenen Laube.

69) D. D. C. 168 zu der scenarischen Bemerkung: mit Würde und Ernst. Es wird des bittern Abscheus gar nicht gedacht, der doch in dieser Vorhaltung liegen soll etc.

9 70) Seltsam schweigt auch Domingo über sein das Stück beginnendes Zusammentreffen mit dem Infanten, . D. C. 171 flg.

71) D. D. C. 129 vermisst die Andeutung, dass der Marquis den Erfolg der Bitte im einsamen Kloster er- sehen soll. 175. Dass sie in den königlichen Gärten sich Arm in Arm zeigen, ist wie das kurz vorhergehende:Jetzt zum König auffällig; erst morgen will der Prinz sich Audienz erbitten.

72) D. D. CG. p. 177. Die Reue ist Philipp verhasst eine bei dem von der Busslehre des Christentums durchdrungenen Herrscher doch wunderliche Vorstellung. 178 tadelt D. das schauspielerische Verhalten des Sohnes gegen den Vater.

. 73) D. D. C. 130 flg. Es setzt freilich eine seltsame Verkennung des hohen Sinnes der Königin voraus, wenn Carlos glaubt, dieselbe sei auf einmal andern Sinns geworden und wolle sich seiner Leidenschaft hingeben. 184. Das Shakespearisieren ist auffallend.