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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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(I, 4), folgt die Steigerung der Nebenhandlung(II, 1 3), Julie beweist Leonoren Fieskos scheinbare Treulosigkeit, die aber dennoch Calcagnos Werbung entschieden abweist. Unmittelbar an den zweiten Teil des erregenden Momentes der Haupthandlung, Berthas Entehrung(I, 10), schliesst sich die 1. Stufe, Verschwörung der Republikaner, in vier Momenten: a) Verrinas Bericht des Geschehenen,. an Sacco und Calcagno(I, 11), 6. an Bourgognino, Berthas Bräutigam. Zwischen und steht zur Hervorhebung des Gegensatzes: Bourgogninos Werbung; b) Fluch des Vaters; c) feierlicher Schwur(I, 12); d) Plan mit dem Bilde(I, 13). Die 2. Stufe, Fiesko erkennt seinen wachsenden Einfluss(II, 4 9), ist zweiteilig: 1. des Mohren Bericht über die Fiesko günstige öffentliche Meinung(II, 4), vor- bpereitet durch den unmittelbar an den ersten Teil des erregenden Momentes verunglückter Mordversuch sich schliessenden Befehl Fieskos, Kundschaft einzuziehen(I, 9). 2. Fieskos kluges Verhalten gegenüber den Vorgüngen am Tage der Prokuratorwahl(II, 5 9), in drei Momenten, von denen jedes wieder eine Steigerung enthält: a) Verhandlung mit den Nobili(II, 5), er gewinnt den Adel; durch ein Zwischenglied(II, 6, 7) verbunden mit b) Verhandlung mit den Bürgern, er gewinnt das Volk(II, 8); c) Anschlag gegen Gianettino, er lässt sich verwunden(II, 9), mit schönem Schluss: Leonorens lie- bende Besorgnis(II, 10, 11). 3. Stufe: Gianettinos Anschlag(am Tage der Dogenwahl, Meuchelmord der Senatoren und Sturz der Republik mit Hilfe Karls V.(II, 14). Vorauf geht eine Einleitung: Gianet- tinos freche Auffassung der Situation(II, 12) und strenge Zurechtweisung durch Andreas Doria(II, 13), wesentlich Charakterexposition. 4. Stufe enthält 1. die Vorscene: Fiesko enthüllt in den Aufträgen an den Mohren seine getroffenen Vorbereitungen(II, 15); 2. ein Ubergangsglied: Fieskos Monolog, er fühlt die Stunde der Entscheidung(II, 16); 3. die Hauptscene: die Republikaner wenden sich an Fiesko(II, 17, 18), in zwei Momenten: a) Scene mit dem Tableau(II, 17), b) Fiesko an der Spitze der Verschwörung(II, 18). Daran schliesst sich die UÜberleitung zum Höhenpunkt(II, 19): Fieskos Monolog, ausbrechender innerer Kampf: Genuas Freiheit oder die Herzogswürde? Fiesko widersteht.

IV. D. C. Da dem Stücke der Einheitspunkt fehlt, so kann auch von einer Ableitung der Handlung aus einer Idee nicht wohl die Rede sein. Wenn als solche oben(p. 4) angegeben wurde: um einem tyrannisch regierten Lande seine Freiheit durch den in verbrecherischer Liebe zu seiner zweiten Mutter fast verlorenen Infanten zu retten, wird eine edle Seele zum Opfertod für den königlichen Freund geirieben, so muss an dieser Stelle ergänzend hinzugefügt werden, dass in dieser Idee eigentlich zwei dramatische Ideen enthalten sind, nämlich erstens die, welche dem Dichter ursprünglich aufleuchtete, die er aber nicht konsequent durchführte, seit das Interesse für Posa bei ihm überwog: die verbrecherische, aber durch den Beistand eines besonnenen, freiheitbegeisterten Freundes in eine höhere Sphäre erhobene Neigung eines Prinzen wird für die Intriguanten des Hofes ein willkommenes Mittel, den eifersüchtigen König zum Sturze des wegen seiner Ideen verhassten Thronerben zu bewegen, und zweitens, die später vom 3. Akte an ihn anzog: um den in verbrecherischer Liebe zu seiner Mutter entbrannten(1. Stufe der Hdâlg. D. C.) und deshalb gehassten(2. Stufe der Hdlg. D. C.) und verfolgten Prinzen(3. Stufe der Hdlg. D. C. das Komplott) für sein Freiheitsideal zu erhalten, wird der schwärmerische Freund desselben zu einem ebenso abenteuerlichen als gewagten Spiel getrieben, indem er nämlich durch den scheinbaren Verrat an dem Freunde die Gunst des eifersüchtigen Königs und in derselben die unbedingte Unterstützung der Königin gewinnt und, als demnach ein Gelingen nicht möglich scheint, als letzten Versuch der Rettung sich selbst als Schuldigen zum Opfer bringt. Durch Auseinanderhaltung der beiden Ideen wird der Schüler allein imstande sein, die überreiche Handlung in ihrer Gliederung zu erkennen und zu übersehen; er wird aber auch dadurch sofort wahrnehmen, wie ganz anders der Charakter des Posa in der ersten Idee gefasst ist besonnen, klug, verständig als in der zweiten, nach welcher der Marquis oft ebenso unbesonnen als tollkühn handelt. Die erste Idee kommt zur Gestaltung in der Handlung D.(., ist aber durchgeführt im Bau nur bis zum III. Akt; dann ist dieselbe nur angedeutet oder verschlungen mit dem aus der zweiten Idee hervorgehenden Drama Posa, welches, wenn man die beiden ersten Akte als die Einleitung dazu betrachtet, eine voll- ständig gegliederte ⁰6 Handlung zeigt. Durch beide Handlungen schlingt sich die Nebenhandlung Eboli: verschmühte Liebe treibt eine Fürstin zu Verrat und Rache an dem in verbrecherischer Neigung zu seiner zweiten Mutter entbrannten Geliebten, zu ihrem eigenen und seinem Untergang. Diese ist an zwei hervorragenden Stellen sehr innig mit der Haupthandlung verflochten, nämlich einmal mit der Handlung D. C. Teilnahme der. Eboli an dem Komplotte der Intriguanten und einmal mit der Handlung Posa,

66) Freilich mit nur schwach herausgearbeitetem Höhenpunkte(siehe unter Höhenpunkt D. C.).