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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Präsidenten, nachdem das Band zwischen Vater und Sohn zerrissen, der Major von Walter sich energisch erheben; dem hinter seinem Rücken ausgeführten feigen Bubenstreich gegenüber, und darin liegt die höchste Steigerung, ist er wehrlos und ohnmächtig. 3. Stufe: Verschwörung der Schurken, in drei Scenen, von denen die erste eine Hauptscene, wührend die dritte nur den Schluss(auch der Steigerung überhaupt) bildet, aber auch ganz wegfallen konnte. Hauptscene: Wurms Plan mit dem Briefe, enthält zwei Momente: a) Wurm exponiert die gefährliche Lage, in der sie sich nach dem missglückten UÜberfall befinden; b) Wurm exponiert seine Intrigue: Erregung der Eifersucht, Verhaftung Millers(III, 1). 2. Scene: Kalb erklärt sich bereit zur Rolle des Liebhabers(III, 2). 3. Schlussscene: Wurm meldet die Verhaftung Millers und giebt den Brief zur Durchsicht(III, 3).

III. F. Wenn im F. dargestellt werden soll, wie ein anscheinend im Genussleben versunkener Edler statt im Sinne der Verschwörung zum Rächer der bedrohten republikanischen Freiheit seines Vater- landes, durch seinen Ehrgeiz und erlangten Einfluss zum Verräter an derselben wird, so muss die Hand- lung des Stückes an einen Punkt kommen, wo der geheime Plan des Helden, Herzog von Genua zu werden, sich in einem entschiedenen Entschlusse kundgiebt, an welchem man sofort erkennt, dass daraus die verräterische That reifen kann. Diese Stelle des Dramas befindet sich III, 2, Monolog: Fiesko be- schliesst, sich der Herrschaft zu bemächtigen. Dies kann er nur, indem er sich der Verschwörung bemächtigt. Die Bildung derselben muss daher zunächst vorgeführt werden(1. Stufe). Aber auch die öffentliche Meinung muss der Held vorher sondieren, sein wachsender Einfluss auf dieselbe gezeigt werden (2. Stufe), da erst durch dieses erlangte Ansehen jener ehrgeizige Entschluss und seine Ausführbarkeit be- greiflich wird. Andererseits muss für den Helden die Wahrnehmung dieses Einflusses, mehr aber noch der Umstand, dass die Republikaner ihn eben deswegen an die Spitze der Verschwörung stellen(4. Stufe), ver- hängnisvoll werden, insofern dadurch dem ehrgeizigen Manne der verräterische Entschluss nahe gelegt wird. Aber zuvor muss noch gezeigt werden, dass und wodurch die Verschworenen zu dieser Handlung gedrängt werden, die darin besteht, durch Wahl eines Oberhauptes die Ausführung ihres Vorhabens, die republika- nische Freiheit zu schützen, unmittelbar einzuleiten. Am besten geschieht dies dadurch, dass durch einen neuen beabsichtigten Schlag von seiten der feindlichen Partei(Gianettinos) die Republik selbst als in der höchsten Gefahr schwebend vorgeführt wird(3. Stufe). Die Handlung des Stückes muss also in vier Stufen zum Höhenpunkt steigen.

In diese Haupthandlung ist eine Nebenhandlung 65 verflochten, die hauptsächlich die Scenen Fieskos mit Leonoren und dieser Personen mit Julien ²9o umfasst und, wie dies gewöhnlich der Fall ist, sich bald loser, bald inniger mit der ersteren verknüpft. Auf das erregende Moment, Fieskos Liebeserklärung

65) Gerade an Schiller kann der Schüler lernen, diejenigen Scenen, welche den Fortschritt der Handlung enthalten, von solchen zu unterscheiden, die vorzugsweise den Charakter einer Person darlegen und in der Regel den Hauptscenen vorangehen. Von der Nebenhandlung unterscheidet man noch die Doppelhandlung. G. F. a. o. O. p. 38 sagt darüber:Leicht steigert sich dem Dichter das Interesse an den Charakteren der Gegenspieler so hoch, dass auch diesen reichliches Detail, eine teilnahmvolle Darlegung ihrer Tendenz und Kampfstimmung und ein besonderes Schicksal gegönnt wird. Dadurch entsteht zunächst für das Drama eine Doppelhandlung. Oder die Handlung des Stückes mag so beschaffen sein, dass zu ihrer Beleuchtung und Ergänzung eine Nebenhandlung wünschenswert wird, welche durch Darstellung paralleler oder kontrastierender Verhältnisse die Hauptpersonen und ihr Thun und Leiden stärker abhebt. Verschiedene Einseitigkeiten des Stoffes können derartige Ergänzung wünschenswert machen. Ein Drama soll nicht den ganzen grossen Kreis rührender und erschütternder Stimmungen durchlaufen, und es soll von seiner ernsten Grundfarbe auch nicht in alle möglichen anderen Farbentöne spielen; aber eine Abwechselung in den Stimmungen und bescheidene Parbenkontraste sind einem Drama ebenso nötig, wie einem figurenreichen Gemälde neben den Hauptlinien und Gruppen ein kontrastierender Schwung in den Nebenlinien, gegenüber der Hauptfarbe Verwendung der abhängigen Ergänzungsfarben. p. 40:Unter den deutschen Dichtern war Schiller am meisten in Gefahr, durch Doppelhandlungen zu stören; das zu mächtige Heraufwachsen der Nebenhandlung beruht im Carlos und in der Maria Stuart(?) darauf, dass seine Wärme für den Gegenspieler zu gross wird, im Wallenstein hat derselbe Grund das Stück bis zur Trilogie erweitert. Im Tell laufen sogar drei Handlungen nebeneinander. D. Wlst. 187 freilich meint:Von einer trilogischen Kunstform unseres Dramas(Wäst.) kann nicht die Rede sein, da die Trennung in drei Stücke sich zufällig ergéeben hat und auf keinem inneren Grunde beruht. Vergl. dagegen Goethes Urteil bei D. Wäst. 187 Anmerk. Dass im T1. eigentlich drei Handlungen enthalten sind, sagt schon Henriette von Knebel, die Erzieherin der Prinzessin Karoline, in dem Berichte über die erste Aufführung des Stückes, bei D. T'l. 23: Die Prinzess findet, dass das Stück kein Ganzes wäre, sondern aus mehreren bestünde, und sie hat auch Recht. Im zweiten Akt der lange Bund der Eidgenossenschaft, wobei in der Wirklichkeit nicht der dritte Teil von Worten nötig war; dann zwischen Tells Geschichte noch ein langweiliger schweizer Prophet, den man lieber hinter dem Theater sterben sähe; denn sterben muss er, man weiss nicht warum. Dann noch eine Liebesgeschichte eines jungen aus- gearteten Schweizers, den die Geliebte wieder durch viele hohe Worte zur Raison und in sein Vaterland bringt etc.