Monolog(III, 985), die Unterredungs(III, 10), die Versammlung der Granden, Eintritt des Königs,(III, 6, 7) den Akt einleitend; Verbindungsglied: Befehl, Posa zu rufen. Zwischen der ersten und zweiten Stufe liegt sowohl Aktschluss, als auch die erste Stufe der Umkehr für die Nebenhandlung Pboli: die Königin vermisst ο den Schlüssel, Schuldbewusstsein(Anwandlung) der Eboli(IV, 1). Dann folgt die 2. Stufe der Steigerung für die Handlung Posa: Posa gewinnt die Königin, Carlos zur Flucht nach Flandern zu überreden(IV, 2, 3).¹
V. Wlst. Schwierigkeit bietet die Erläuterung von Wlst. Um dem Schüler einen Einblick in den komplizierten Bauss und einen Überblick über die gewaltige Handlung zu verschaffen, empfiehlt es sich, ihm die Idee einer dramatischen Handlung Wallenstein zunächst ohne die Picc. zu vergegenwürtigen: ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an dem Kaiser, in der entscheiden- den Stunde aber„von der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen und getötet“. Die aufsteigende Hälfte dieser Handlung Wlst. hätte die„fortschreitende Bethörung des Helden bis zum Höhenpunkte, dem Entschlusse des Verrates“ zu zeigen. Also etwa erregendes Moment: Questenbergs Erscheinen im Lager und sein Auftrag an die Generäle; Steigerung, 1. Stufe= 1. Aktion des Verrates: der mächtige Feldherr scheut den Bruch mit dem Kaiser nicht(Abweisung der kaiserlichen Forderung in der Audienascene), 2. Stufe= 2. Aktion des Verrates: Wallenstein versichert sich der unbedingten Ergebung der Generäle und des Heeres(Erschleichung der Unterschrift in der Bankettscene); Höhenpunkt:„Verhandlung mit Wrangel“ (Abschluss der Konjunktion); Umkehr: Abfall der Generüle und des Heeres(vollendet durch den Abfall der Getreuesten, der Kürassiere); Katastrophe: Wallensteins Ende.
Hierauf lasse man die zweite Idee, die dem Dichter aufgestiegen ist, die der Picc., aussprechen: „ein hochgesinnter, argloser Jüngling, der die Tochter seines Feldherrn liebt, erkennt, dass sein Vater die politische Intrigue gegen seinen Feldherrn leitet, und trennt sich von ihm“. Die aufsteigende Häülfte dieser zweiten Handlung zeigt„die Befangenheit der Liebenden bis zum Höhenpunkte, welcher durch die Worte Theklas eingeleitet wird: Trau' ihnen nicht, sie meinens falsch.“ Also etwa erregendes Moment: Ankunft der Liebenden im Lager; Steigerung, 1. Stufe: Max verrät seine Liebe(durch seine„gehobene Stimmung“, Schilderung des Priedens etc.); 2. Stufe:„Annäherung der Liebenden“(Max verrät der Herzogin seine Liebe); 3. Stufe: Max und Thekla gegenüber der„intriguierenden Umgebung“; Höhenpunkt: Liebeserklärung; Um- kehr: Kampf zwischen Vater und Sohn, und in derselben grossen Scene die Katastrophe der Picc.: Max trennt sich vom Vater.
Jede der beiden Ideen, die von Wlst. und der Picc., hat nun eine wesentliche Erweiterung erfahren, durch welche die Verflechtung der beiden dramatischen Handlungen zustande kommt. 1. Zunächst ist die politische Intrigue Octavios, die nach der zweiten Idee nur Ursache der Trennung von Vater und Sohn wird, auch in die Umkehr der Handlung Wlsl. verlegt worden, so dass nun folgende Formel für die erste Idee entsteht: ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an seinem Kaiser — die aufsteigende Hälfte unterscheidet sich also von der vorigen Fassung nicht— aber durch seinen in abergläubischen Vorstellungen befangenen Sinn verleitet, sieht er selbst im intriguanten Gegner(Octavio) seinen Verbündeten(tragisches Moment), der es bewirkt, dass der Feldherr in der entscheidenden Stunde von der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen, von Meuchelmördern umgarnt und getötet wird.
85) D. D. C. 221 flg. Der Ausdruck ist hier übertrieben, die Verwunderung Posas, dass der König nach ihm verlangt, auffallend, ebenso bei seiner Spannung die Ruhe, mit der er ein Gemälde betrachtet.— 117. Der unpraktische Schwärmer meint, es genüge, dem Könige seine freie Ansicht auszusprechen. Jeder Gedanke an seinen Plan, den Prinzen zur Königin zu bringen, und dessen Entweichung nach Flandern zu bewirken, scheint vergessen zu sein.
86) D. D. C. 118. Sonderbar, wie der König einem so offenen und freien Charakter, wie der Marquis sich gezeigt hat, den Auftrag geben kann, sich an die Königin und den Prinzen zu drängen, und sich in ihr Vertrauen einzuschleichen.— Andere Bedenken s. D. D. C. 223. 226 Anmerk. 229. 230 flg.— D. D. C. 110 flg. weist nach, dass auch in Bezug auf die Handlung ein Zwiespalt durch die beiden Hälften des Stückes geht. Im 1. Teile ist von brief- licher Verbindung zwischen Carlos und seiner in Aussicht gestellten Braut nicht die Rede; II, 4 kennt er die Hand- schrift der Königin nicht. Dagegen bewahrt er im 2. Teile den Brief, den die Königin ihm nach Alkala geschrieben, als teuerstes Andenken auf(IV, 5); die Briefe des Prinzen nimmt die Eboli nebst dem Medaillon aus der Schatulle.
87) D. D. C. 236. Es ist zu tadeln, dass der Marquis hinter dem Rücken des Königs den Sohn zum Aufruhr gegen den Vater bestimmt, und dass die Königin diesen Gedanken billigt und gross findet; s. auch 118 flg. 137. 235. 237.
88) G. F. hat a. oO. O. p. 174 flg. eine Analyse der Doppeltragödie Wlst. gegeben. Wenn dieselbe hier nicht einfach wiedergegeben wurde, so soll selbstverständlich das oben Gesagte nicht etwa eine Korrektur derselben sein: es galt der schwierigen Sache auf einem etwas anderen, für den Schüler vielleicht noch verständlicheren Wege bei- zukommen; doch sei ausdrücklich erwähnt, dass die an der angeführten Stelle gegebene Architektur hierbei vielfach Verwendung finden konnte.


