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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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fort, Spiegelbergs Exposition seines Planes, im Böhmerwald eine Räuberbande zu bilden, deren Führer er sein will, Beitrittserklürung der Übrigen, die Gelegenheit erhalten, ihren Charakter darzulegen; b) Karl Moors Rückkehr; seine Verzweiflung über die schnöde Behandlung durch den Vater äussert sich als Hass gegen das ganze Menschengeschlecht, so dass er in der angetragenen Hauptmannsstelle den Wink der gött- lichen Vorsehung erblickt; c) Schwur unverbrüchlicher Treue seitens der Räuber, mit Ausnahme Spiegel- bergs; d) Aufbruch(I, 2). Die 2. Stufe enthält Franzens erste Werbung(durch List): a) Liebesbekenntnis; b) Verdächtigung des Bruders; c) geheuchelte Erschütterung über den Fluch des Vaters und erlogene Behauptung, Karl habe ihm Amalien beim Abschied empfohlen; d) Abweisung der letzteren, so dass also diese Stufe eine scenische Einheit bildet. Die dritte und vierte Stufe imponieren durch Grösse und Glie- derung im Bau und bilden demnach recht eigentlich die beiden Hauptstufen. Die 3. Stufe, Franzens Anschlag auf das Leben des Vaters, zerfällt in eine sogar durch Scenenwechsel geschiedene Vor- und Hauptscene. Vorscene (II, 1): a) Franz beschliesst den Vater durch Schreck und Verzweiflung zu töten; b) er gewinnt Hermann zur Ausführung(als Uberbringer der falschen Nachricht von Karls Tode). Die Hauptscene (II, 2) beginnt mit einer stimmenden Einleitung: des Vaters Schmerz, Amaliens schwärmerische Liebe, verbunden durch Daniels Meldung mit der eigentlichen Handlung: Hermanns Brief und Wir- kung desselben auf den Vater und Amalien(bis zu den Worten: tot/ alles kot?), und endlich das Finale: Franzens Triumph. Die 4. Stufe, Karl Moor der grosse Räuber(II, 3), enthält ebenfalls eine Einleitung: Spiegelbergs Rückkehr. Wirksam(Knall und Pulvergeruch!) kommt dann die Rede auf den Hauptmann, der nun, in drei Momenten, in seinen Grossthaten vorgeführt wird: a) Razmanns Erzählung von der Plünderung des Grafen durch Moor; dann folgt Überleitung zum 2. Moment: Schwarz' Bericht von Rollers Gefangennahme und Moors Vorhaben; b) Rollers Befreiung nach Schweizers und seinem eigenen Bericht, nebst einem Finale: Schufterles Verbannung. Zwischen b) und c) steht die ausbrechende(aber zu früh kommende) Reue Moors. UÜberleitung zum 3. Moment: Kunde des bevorstehenden Uberfalls. c) Der UÜberfall: Moors Vorkehrungen, Verhandlungen mit dem Pater; dann ebenfalls schönes Finale: Aufbruch zum Ausfall. 5. Stufe: Franzens zweite Wer- bung(Gewaltl!) mit der Uberleitung zum Höhenpunkte, Hermanns Enthüllungen, dass der Oheim und Karl noch lebe; denn durch diese Entdeckung muss auch in Amalien der Wunsch rege werden, Karl wiederzusehen(III, 1).

II. K. u. TL. Schon durch den Titel des Stückes kann der Schüler zur Auffindung des Höhen- punktes von Kabale und Liebe geleitet werden. Durch Kabale d. h. durch die Intriguen des Präsidenten und seiner Helfershelfer soll das Liebesverhältnis zwischen Ferdinand und Luise angegriffen und vernichtet werden. Solange diese Kabale sich gegen das in treuer Liebe verbundene Paar richtet, oder auch nur gegen einen Teil z. B. Ferdinand, müssen alle Versuche an der tiefen Leidenschaft, die beide Seelen aneinander kettet, notwendig scheitern; aber sobald es gelingt, das Paar zu trennen, den einen Teil gegen den andern zu gebrauchen und das Mittel hierzu kann nur darin bestehen, dass die Treue der Liebe verdächtigt wird ist dieses Verhältnis vor die härteste Probe gestellt, und mit dieser gelungenen Verdächtigung hat auch, wie der Zuschauer sofort empfindet, die Kabale gleichsam ihren Vorrat an schlechten Mitteln erschöpft. Kann sie auf solche Weise ihren Zweck, das Verhältnis zu trennen, nicht erreichen auf

liche unwesentliche Rollen ausgenommen, beginnt und endet den Auftritt. Der Regie ist solche Teilung der Akte nötig, um das Eingreifen jeder einzeinen Rolle leicht zu übersehen, und für die Aufführung stellen die Auftritte die kleinen Einheiten dar, durch deren Zusammensetzung die Akte gebildet werden. Aber die dramatischen Teil- stücke, aus denen der Dichter seine Handlung zusammenfügt, umfassen zuweilen mehr als einen Auftritt oder werden in grösserer Zahl durch denselben Auftritt zusammengebunden. Das Teilstück des Dichters, das einzelne dramatische Moment wird durch die Absätze gebildet, in denen seine schöpferische Kraft arbeitet.Ein solches Teilstück schliesst soviel von einem Monologe, von Rede und Gegenrede, von ab- und zugehenden Personen zusammen, als nötig ist, um eine engverbundene Reihe von poetischen Vorstellungen und Anschauungen darzulegen, welche sich von dem Vorhergehenden und Nachfolgenden stärker absetzt.Aus den dramatischen Momenten fügt er die Scenen zusammen. Dieses Fremdwort wird bei uns in verschiedener Be- deutung gebraucht. Es bezeichnet dem Regisseur zuerst den Bühnenraum selbst, dann den Teil der dramatischen Handlung, welcher durch dieselbe Dekoration umschlosseu wird. Dem Dichter aber heisst Scene die Verbindung mehrerer dramatischer Momente, welche einen durch dieselben Hauptpersonen getragenen Teil der Handlung bildet, vielleicht einmal eine ganze Dekorationsscene, jedenfalls ein ansehnliches Stück derselben. Da nicht immer bei dem Abgange der Hauptpersonen ein Wechsel der Dekoration nötig und wünschenswert ist, so fällt die Scene des Dichters durchaus nicht immer mit der Scene des Regisseurs zusammen.(Hier sind selbstverständlich drama- tisches Moment, Scene, Vor-, Haupt-, Nebenscene im Sinne des Dichters gebraucht.)