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Erwartung hat(innerer Höhenpunkt: die Gemütsumdüsterung Karl Moors).““ b) Höhenpunkt für die äussere Handlung: Begegnung der Liebenden, Karl Moor und Amalie(IV, 2). Wenn ein Jüngling durch die Intrigue seines Bruders von allem, was ihm lieb und heilig gewesen, getrennt worden ist, so muss ein Zusammentreffen mit den ihm nahestehenden Personen und Verhältnissen, besonders aber mit dem seinem Herzen einstmals teuersten Wesen— wobei freilich eine schärfere Hindeutung?* auf die Liebe Karls zu Amalien in den ersten Scenen erwünscht gewesen würe— an und für sich als die spannendste Scene der äusseren Handlung empfunden werden, besonders aber wegen der dieses Zusammentreffen begleitenden Um- stände— Karl Moor ist Räuber geworden, er ist der Liebe Amaliens nicht mehr würdig, noch weiss er nicht den schrecklichen Zusammenhang der Dinge— denn gerade dieselben lassen leicht das Verhängnis- volle einer solchen Begegnung vermuten: die rüchende Nemesis kann jetzt auch für die Handlung Franz Moor ihre Wirkung beginnen. Zwischen dem erregenden Moment, Wirkung des Briefes(p. 8), und den nach Ausscheiden der wahrscheinlich später eingeschobenen Stelle(III, 1) dicht neben einander befindlichen Höhenpunkten liegt die steigende Handlung der Räuber, die demnach zu zeigen hat, dass erstens die Um- düsterung von Karls Gemüt(Höhenpunkt für die innere Handlung III, 2) als Folge der gewaltigen Er- schütterung, die seine Seele ergriffen haben muss, zu denken ist, und. dass zweitens die Begegnung mit Amalien(IV, 2, Höhenpunkt für die äussere Handlung) sofort als das Ereignis empfunden wird, durch das die Intrigue Franzens und damit die Handlung überhaupt ihren Kulminations- und Wendepunkt erhült. Was anders aber bewirkt die furchtbare Melancholie Karls als sein Rüuberleben? Zwei Stufen waren erforderlich; erstens nach dem Lesen des Briefes reift in seiner empörten Seele der entsetzliche Ent- schluss: Karl wird Räuberhauptmann; zweitens durch eine Reihe erschütternder Thaten zeigt er sich als der erhabene Verbrecher: Karl, der grosse Räüuber. Diese zweite Stufe bildet die vierte des ganzen Dramas. Die Rückkehr Karls ins väterliche Haus, aus dem ihn der böse Bruder verdrängt hat, pesonders da Moor unter fremdem Namen auftritt, wird, wie oben schon gesagt, sofort vom Zuschauer als das Ereignis empfunden, durch welches der bisher ungehindert intriguierende Bruder entlarvt werden kann. Aber bis dahin muss Franzens niederträchtiges Thun mit verhältnismässigem Erfolg begleitet sein, wie auch die Mittel, denen er allein diesen Erfolg zu danken hat, eine ununterbrochene Steigerung in Bezug auf Schändlichkeit und Boshaftigkeit zeigen müssen. Die Personen im Hause, gegen die er seine Angriffe richtet, sind der Vater und die Geliebte Karls. Um die jugendliche Hand Amaliens zu gewinnen, nimmt Franz zur Verleumdung des Geliebten seine Zuflucht, aber dieses Mittel verfängt nicht. Gegen den altern- den Vater zeigt sich Schrecken und Verzweiflung sogleich wirksam. Eine so boshafte Natur wie Fran⸗ wird aber mit der Abweisung Amaliens sich nicht begnügen, sondern zur Erreichung seines Zweckes selbst zu den schändlichsten Mitteln greifen: zur Anwendung von Gewalt. Die Worte Franzens: Komm mil bis wir gehn— zeigen den Bösewicht, insofern er der Angreifer ist, in seiner höchsten Abscheulichkeit (höchste Steigerung), und diese bedingt nunmehr gleichsam das rscheinen Karls(Höhenpunkt), da Amalie nahe daran ist, als wehrloses Opfer der Nichtswürdigkeit anheimzufallen. Es waren also ausser den genann- ten noch drei Stufen der Steigerung nötig: 1. Franzens erste Werbung um Amalien(Nittel: List, Verleumdung, die 2. St. des Ganzen); 2. Franzens Anschlag auf das Leben des Vaters(Schreck, Verzweiflung, die 3. St. des Ganzen); 3. Franzens zweite Werbung(NMittel: Gewalt, die 5. St. des Ganzen). Von diesen 5 Stufen ist die erste, wie das gewöhnlich der Fall ist(Karl wird Räuberhauptmann), am wenigsten selbständig und geschlossene Einheit und kann nur als Vorstufe angesehen werden. Die- selbe enthält die Wirkung des Briefes in folgenden Momenten: a) Karl Moor stürzt in Verzweiflung
62) Wo aber befindet sich in den Räubern die Stelle? Bereits in der dritten Scene des II. Aktes(Moor allein, heftig auf und ab gehend:„Höre sie nicht, Rächer im Himmel!« etc.) erklärt Moor, dass er dem frechen Plan entsagen will etc. Aber es ist bereits von D. 178 darauf hingewiesen worden, dass diese Sinnesänderung zu früh kommt. Nach des Verfassers Meinung dürfte dieselbe erst nach dem Kampfe folgen. In der That zeigt erst die zweite Scene des dritten Aktes das gewaltsame Hervorbrechen der Melancholie, besonders in der Unterredung mit Kosinsky. D., R. 110, glaubt nun in der ersten Scene des dritten Aktes höchst wahrscheinlich einen späteren, entbehrlichen Zusatz des Dichters zu erkennen— sie enthält die auf die folgende Handlung doch keineswegs ohne Einfluss bleibende stolze Zurückweisung der erneuten Werbung Franzens(Mittel: Gewalt), wodurch das Erscheinen Karl Moors bedingt wird, s. w. u. p. 17.— Allerdings hätte man, wenn diese Sinnesänderung wegfiele, im III. Akt, wie es sein soll, den Höhenpunkt, und zwar zunächst für die innere Handlung, nämlich in der Scene an der Donau. Unmittelbar daran schlösse sich dann der zweite Höhenpunkt für die äussere Handlung(Galeriescene IV, 2).
63) Zur Erläuterung der Begriffe dramatisches Moment und Scene in dem hier gebrauchten Sinne mögen folgende Stellen dienen: G. F. a. o. O. p. 182 flg. sagt:„Der Ab- und Zugang einer Person, Diener und ühn-
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