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Freiheit würdig; man bedauert, dass keiner der Versuche, selbst der des tollkühnen Mortimers nicht, sie zu befreien, gelingt; nur die obenerwähnte Exposition des Charakters macht die Rührung begreiflich, die sich des Hörers bemächtigt, als beim Todesgange der Maria sie wie eine Heilige erscheint, die zwar der Gewalt ihrer Feinde erliegt, aber dennoch über dieselben triumphiert.— J. v. O.: nur durch die Gottes- begeisterung der Jungfrau, in der der Dichter Johanna sogleich einführt, wird dem Zuhörer ihre unwider- stehliche Siegesbahn und ibre gewaltige Entsagung einer rein menschlichen, das höchste irdische Glück eines Weibes in sich schliessenden Regung, sowie ihr triumphierendes Ende begreiflich.— B. v. M.: nur ein Brüderpaar, dass durch jahrelangen Hass von einander getrennt, ist dem Fluche, der auf seinem Hause lastet, widerstandslos preisgegeben.— Tl.: nur ein Mann wie Tell von so ureigner, gestählter Kraft und selbstlosester Aufopferungsfäühigkeit, wie er sich bei der Rettung Baumgartens einführt, darf den Tellschuss wagen, und ist auch, nachdem er Gessler getötet hat, noch kein Frevler an dem Leben seines Nächsten.— Die Einleitung ist im wesentlichen Sache des ersten Aktes. Letzterer„enthält in der Regel noch den Anfang der Steigerung, also im ganzen folgende Momente: den einleitenden Akkord, die Scene der Exposition, das auf- regende Moment, die erste Scene der Steigerung.“ Schiller ist nur dreimal hiervon abgewichen, nämlich in der J. v. O., B. v. M. und Wist. Td., in welchen Stücken der erste Akt bereits mit dem erregenden Moment schliesst.
Steigerung.
Die dramatische Handlung?“ hat, wie schon oben(p. 4 flg.) bemerkt, eine werdende That darzu- stellen; diese bestand in den N. darin, dass der Dichter zeigt, wie Karl Moor zum erhabenen Verbrecher wird, Ferdinand zum Mörder der Geliebten, Fiesko zum Verräter an Genuas Freiheit, Posa zum Märtyrer für den Freund und die Freiheit, Wallenstein zum Verräter an dem Kaiser, Elisabeth zur Mörderin ihrer Gegnerin, die Jungfrau zur Retterin Frankreichs, ferner wie die verhängnisvollen Umstände das Schicksal des Fürstenhauses von Messina entscheiden, Tell und die Schweizer zur Befreiung des Vaterlandes getrieben werden. Aber da- mit werden gleichzeitig feindliche Kräfte vorausgesetzt. Karl Moor wird zum Verbrecher durch die herzlose Intrigue des Bruders, Ferdinand zum Mörder durch die Schurken, die es verstehen, seine glühende Liebe in tödliche Eifersucht zu verwandeln. So bedingt Fieskos Verschwörung eine Gegenverschwörung, die Märtyrer- schaft Posas die Existenz der Intriguanten, das inquisitorische Verfahren am Hofée Philipps, der Verrat Wallen- steins einen Kaiser und seine Getreuen, Octavio etc., Maria Stuart eine feindliche Herrscherin Elisabeth, das Auftreten der Jungfrau die feindliche Invasion, das Brüderpaar den schwebenden Fluch, Tell und die Schweizer die tyrannischen Eingriffe der habsburgischen Landvögte. Es kommen also in einem Drama immer zwei Parteien vor, die derart in feindlichem Verhältnisse zu einander stehen, dass die Handlung aus Kampf und Gegenkampf bestehen muss, hervorgerufen durch ein dieselbe vorwärtstreibendes Element, das Motiv. 5 Das Ringen?“ der Parteien bezeichnet man als Spiel und Gegenspiel, und die Personen teilen sich demnach in Spieler und Gegenspieler; die letzteren sind diejenigen, welche nach Eintritt des erregenden Momentes das Empfinden, Begehren und Wollen des Helden aufreizen, oder gegen deren Empfinden etc. der Held sich sogleich erhebt. In den R. hat daher die Führerschaft des Gegenspiels Franz Moor, in K. ¹. L. der Präsident, in F. Verrina, in D. C. Alba, Eboli, in Wst. Octavio, in M. Sl. Elisabeth, Burleigh, in der J. v. O. Isabella und die Engländer, in B. v. M. das Verhängnis, in T'l. die habsburgischen Land- vögte. Es ist also für die durch das erregende Moment in Fluss gekommene Handlung eine doppelte Fortführung möglich: entweder der Held erscheint sofort in voller Aktivität, d. h. sein leidenschaft- liches Thun wird die Ursache, dass sich gegen ihn mehr und mehr feindliche Gewalten, das sind die Gegen- spieler, erheben, in welchem Falle man sagt: das Drama steigt im Spiel; oder der Held befindet sich bei Beginn des Stückes mehr im Zustande der Passivitäit, und das leidenschaftliche Eindringen feindlicher Elemente bringt ihn erst allmählich zur thätigen Gegenwirkung: in diesem Falle steigt die Handlung durch
54) Den hier technischen Ausdruck Handlung definiert G. F. a. o. O. p. 18 folgendermassen:„Die Charaktere, welche durch die Poesie und ihre helfenden Künste vorgeführt werden, vermögen ihr inneres Leben nur zu bethätigen an einem Geschehenden, als Teilnehmer an einer Begebenheit, deren Verlauf und innerer Zusammenhang durch die dramatischen Prozesse der Individuen deutlich wird. Diese Begebenheit, wenn sie nach den Bedürfnissen der Kunst organisiert ist, heisst Handlung“.
55) p. 4 sind diese treibenden Elemente bei Schiller bereits zusammengestellt worden.
56) Es bedarf kaum der Erwähnung, dass dieses Ringen der Parteien immer um ein bedeutendes Objekt, Freiheit, Ehre, Liebe etc. stattfinden muss.


