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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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prozesse, in die derselbe eintritt, sobald die Handlung durch das erregende Moment in Fluss gekommen ist, vollkommen verständlich erscheinen.Die Scenen des Anfangs, welche die Farbe des Stückes angeben, die Stimmung vorbereiten, sollen zugleich das Grundgewebe des Helden darlegen. Dabei gilt bezüglich der Anlage eines dramatischen Charakters, dass er, um wirksam zu werden, anders beschaffen sein muss, als der des gewöhnlichen Lebens.Der Mensch des Dramas soll in starker Befangenheit, Spannung und Wandlung erscheinen; vorzugsweise die Eigenschaften werden bei ihm in Thätigkeit dargestellt, welche im Kampfe mit anderen Menschen zur Geltung kommen, Energie der Empfindung, Wucht der Willenskraft, Beschrünktheit durch leidenschaftliches Begehren, gerade die Eigenschaften, welche den Charakter bilden und durch den Charakter verständlich werden. Da ferner die Aktion des Dramas immer den Kampf darstellt um ein bedeutendes Objekt, z. B. um Freiheit, Ehre, Liebe, so muss auch die Natur der Kümpfen- den so angelegt werden, dass wir es später als natürlich empfinden, wenn sie im Ringen um diese Güter mit ihrem Ich und Sein aufgehen. fr.: nur wer von vornherein wie Franz Moor seine teuflischen Pläne und schändlichen Mittel zur Verwirklichung derselben auf so sophistische Art zu rechtfertigen sucht, wird später so scheusslicher Verbrechen für fähig gehalten werden; dabei ist wohl zu beachten, dass die Reihe seiner verbrecherischen Handlungen, die im Laufe des Stückes in sich immer steigerndem Masse vorgeführt werden, Franz mit der Lüge, der Quelle alles Lasterhaften, beginnt. Nur Anlagen des Charakters, wie sie vom Dichter bereits in der Expositionsscene seinem Helden zugeschrieben werden ein drängendes Chaos von Ideen wohnt ihm im Kopfe, der eine Wüste fordert, sich zu sammeln, und eine Eoigkeit, sie zu entwickelnbt machen später die Laufbahn des erhabenen Verbrechers verständlich, als Karls Privaterbitterung gegen den unzärtlichen Vater in einem Universalhass gegen das ganze Menschengeschlecht auswütet, aber auch be- wundernswert bleibt der Held trotz seiner zermalmenden Schritte wegen seines undberawindlichen Heldenmutes and der erstaunenswerten Gegenwart seines Geistes, ja selbst mit tausend Fäden de unser Herz gelnipft durch die erwiderte Neigung zu Amalien.? K. u. L.: nur für ein Verhältnis, wie es in der Einleitung als zwischen Ferdinand und Luise bestehend geschildert wird, wirkt die Flamme der Eifersucht tödlich; nur wer wie Ferdinand von so verzehrendem Feuer der Liebe ergriffen ist, wird so schrecklicher Eifersucht und Verblendung fähig sein, dass er, selbst wenn das Bekenntnis der Geliebten gegen sie spricht, keinen andern Ausweg erkennt als Vernichtung der Existenz. F.: nur wer Anschen und Ehrgeiz wie Fiesko besitzt und mit der Intrigue und Kunst, Menschen zu durchschauen und zu benutzen, so vertraut ist, wird imstande sein, sich der Verschwörung zu bemächtigen und durch dieselbe die Herzogskrone zu gewinnen und zu verlieren. D. C.: nur wer von einer so unglücklichen Leidenschaft wie der Infant ergriffen ist, wird später den Plan des Freundes nicht verstehen; aber auch nur wer wie Posa so von Freiheitsliebe und Völkerbeglückung beseelt ist, wird zu solcher Aufopferung fähig und im Taumel der Freude, seine Idee zu verwirklichen, das unternommene Spiel nicht als gewagt und geführlich erkennen. Wlsl.: nur wer wie Wallenstein ein Abgott des Heeres(s. das Lager und die Exposition) zu werden verstand, konnte sich zum Verrat an dem Kaiser verleiten lassen; aber gerade die in der Einleitung so vortrefflich ent- wickelten soldatischen Eigenschaften bringen uns ihn wieder menschlich nahe, so dass wir den ausgezeichneten Feldherrn beklagen, der in die Hände der Feinde gefallen ist. M. Sl.: nur ein Weib, das, wie der Dichter(I, 4) den Charakter der Heldin exponierte, so leidenschaftlich in seiner Liebe gewesen, dass es den Regungen seines Herzens selbst den Thron opferte, wird selbst nach der langen Kerkerhaft noch der Liebe zu Leicester, aber auch durch ihr geläutertes, starkes Herz des Sieges über die Feindin(in der grossen Scene des dritten Aktes) füähig sein; aber auch nur ein Weib, von dem der Dichter in demselben Auftritt, Kennedy bezeugen lässt: Thr habt die That mit jahrelanger Reu, mit schweren Leidensproben abgebüsst.... Seit dieser That, die euer Leben schwürzt, habt Ihr nichts Lasterhaftes mehr begangen, ich bin Zeuge eurer Besserung erscheint, da ohnedies die Gefangenhaltung der Stuart, der Prozessgang ihrer Verurteilung in England nach Schiller als eine Ungerechtigkeit aufzufassen ist, länger ihres Lebens und der ersehnten

50) Für den Schüler dürfte es eine interessante, zum Nachdenken sehr anspornende Aufgabe sein, statt der beliebten Inhaltsangaben in deutschen Arbeiten und freien Vorträgen, die Grundzüge des Charakters der Helden aus der Exposition aufzusuchen und zusammenaustellen.

51) Aus der Schillerschen(Selbst) Beurteilung der Räuber im Württembergischen Repertorium s. D. R. 54 flg.

52) Das Verhältnis Karls zur Geliebten wird in der Expositionsscene leider nur mit den Worten an- gedeutet: In den Armen meiner Amalie lockt mich ein edler Vergnügen.

53) Freilich ist die Exposition des Charakters Fieskos nicht scharf genug; er ist eigentlich nur als genuss- süchtig in der Einleitung geschildert.