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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Siege(I, 8, 9). Während alle über die schmachvollen Niederlagen von Unmut oder Verzweiflung erfüllt sind, bringt La Hire die alsbald vom Erzbischof von Rheims und von einem lothringischen Ritter be- glaubigte Kunde des seltsamen Sieges; rasch darauf folgtt das Erscheinen der Jungfrau selbst. B. v. M. a b(I, 1, 2, 3*5, 4⁴6, 5): Ansprache an die Altesten von Messina, denen Isabella die bevor- stehende friedliche Zusammenkunft ihrer bisher durch Hass getrennten Söhne verkündet(I, 1); ihr Befehl an Diego, die bei Lebzeiten des Vaters im Kloster verborgen gehaltene Tochter herbeizuführen(I, 2); die durch die Chöre eingeleitete Begegnung der Brüder(I, 3); die ergreifenden Worte der Mutter an die erschienenen Söhne(I, 4); zuletzt die stattfindende Versöhnung derselben(I, 5). c. Die Brüder verraten ihre Liebe. Sofort nämlich wird der scheinbar friedliche Abschluss des Bruderzwistes in Frage gestellt; ja⸗ es scheint sogar in ihm der Samen neuer furchtbarer Zwietracht zu liegen, als die Brüder mitteilen, dass sie beide lieben, und dass beide die Braut aus einem Kloster heimzuführen gedenken(I, 6, 7). Der Hörer, der soeben die Aussöhnung der Söhne vernommen, ist nunmehr in eifrigste Besorgnis versetzt, dass die im Kloster verborgen gehaltene Schwester identisch mit der Braut der Brüder sei, und dass hierdurch der Fluch, an den der Chor am Schlusse erinnert, sich furchtbar erfüllen werde. In TI. laufen drei Handlungen, die aber an einigen Stellen eng miteinander verknüpft sind, nebeneinander: die Tellhandlung, die Handlung der Schweizer und die der Familie Attinghausen. a b Tlh.:Unterredung der Landleute und Baumgartens Flucht(I, 1). c.Die Rettung desselben erregt lebhaft die Spannung für den in selbstbewusster Kraft handelnden Haupthelden, der aber gerade dadurch den Hass der Landvögte gegen seine Person heraufbeschwören muss(I, 1). a, b Schweh.(Das Erscheinen der Landenbergischen Reiter[I, 2] bildet die Überleitung zu dieser Handlung):Scene vor Stauffachers Haus, Gertruds Ansprache(I, 2), eingeleitet durch die Unterredung Stauffachers und Pfeifers. c.Be- richt von der Blendung von Melchthals Vater(I, 4), von der Exposition durch ein eingeschobenes Stück der Tlh. getrennt(I, 3). Diese neue, unerhörte Frevelthat muss die Schweizer, die nur zu- sammengekommen waren, um von dem zu reden, was ihre Seele bekümmert, zum Handeln treiben. al bI. Atkgh.(sie ist im Verhältnis zu den beiden anderen Handlungen sehr beschränkt und mit diesen nur lose verknüpft): Stellung Attinghausens und Rudenz' zu ihrem Volke und zu einander; Atting- hausen als Vertreter der freien Schweizer, der von Ehrsucht und Liebe beherrschte Rudenz als Knecht Albrechts(II, 1). Charakteristisch eingeleitet ist die Exposition durch die Austeilung des Frühtrunkes (Zögern von Rudenz).. Aufbruch des Rudenz nach Altorf, mit dem Schluss: Attinghausens Ver- zweiflung. Die Aufgabe der Exposition ist aber damit nicht allein erfüllt, dass sie über die Situa- tion etc. orientiert, sie muss gleichzeitig den Charakter des Helden so angelegt zeigen, dass die Gemüts-

43) D. J. v. O. 159. Vom Dichter frei ersonnener Sieg. Die Jungfrau trifft den Baudricourt nicht mehr bei Vaucouleurs, wohin sie zunächst geeilt ist. Das ist freilich auffallend, da der Himmel ihr dies offenbart haben musste. Zu der Erzählung Raouls vgl. D. 159 flg.

44) Die Spannung hervorbringende Kraft als Eigenschaft des erregenden Momentes findet sich namentlich in F., M. St. und in der J. v. O. In F. tritt es plastisch hervor: das Auftreten der unbekannten Maske, F.'s Verdacht, die Art, wie der Mohr sich heranschleicht und sein Opfer unvorsichtig zu machen sucht durch die Erwähnung seines Ansehens in Genua, die UÜberlistung des Meuchelmörders durch die unmittelbare Beobachtung im Spiegel und endlich das Entreissen des gezückten Dolches. In M. St. erscheint es rasch und unerwartet, in der J. v. O. dagegen, wie in keinem andern Stücke Schillers, besonders effektvoll. Schon durch die Erinnerung des Königs an eine Nonne, die ihm geweissagt, ein Weib werde ihn zum Siege führen, wird der Zuschauer, der im Prolog schon von Johanna gehört, auf das Erscheinen der Jungfrau vorbereitet, während der König noch der Meinung ist, dass jenes Weib zwar nicht seine Mutter, wie er früher geglaubt, sondern Agnes Sorel sein werde. Letztere erscheint bekannt- lich, um der herrschenden Geldnot durch Verkauf ihres Eigentums abzuhelfen. Vor allem imponieren der Bericht des lothringischen Ritters und die ihr erstes Auftreten begleitenden Umstände: Volksjubel und Glockenläuten, Waffen- geklirr und die immer näher erschallenden Begeisterungsrufe der Ritter und Soldaten.

45) D. B. p. M. 83. Das Erscheinen der Mutter mit den Söhnen dramatisch sehr wirksam, aber doch der gewöhnlichen Wirklichkeit nicht ganz entsprechend, vergl. 174. IV, 10 das Offnen der Schlosskapelle.

46) D. B. p. M. 86. I, 4 Schiller benutzte IV, 3 von Racines feindlichen Brüdern in freier Weise.

47) D. T. 85.(I, 2) Dieser etwas fremdartige Eingang scheint späterer Zusatz.

48) D. T'l. 17 Anmerk. u. 86. Gesslers Gebot, den Hut zu begrüssen, kommt zu früh. 91. Diese Scene sollte

ursprünglich am Anfange des zweiten Aufzugs ihre gebührende Stelle finden etc. 86. Auch das Auftreten Berthas und der Apschluss der Scene(Fall und Tod des Dachdeckers) sind auffällig. 147. Eine bestimmtere Angabe des Platzes, wo der Hut aufgesteckt werden soll, dürfte doch wohl passend gewesen sein. In der Unterredung mit Stauffacher

(I, 3) zeigt Tell durch seine Meinung, man müsse das Ende der Gewaltherrschaft ruhig abwarten, eine gutmütige Be- schränktheit des Urteils etc. Ganz anders äussert sich Tell am Schlusse. 49) D. TI. 169. Dieser Schluss, so pathetisch er auch sein mag, ist hier doch sehr fremdartig etc.

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