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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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ständig von ihr gewichen ist, auf das dem fluchbeladenen Hause drohende Verhängnis(I, 1). Das Bild des Friedens, das anfangs die im Sonnenschein glänzende Landschaft gewäührt, und der aufgestörten Ruhe, als die Wetter ziehen und der See zu brausen beginnt, sind für die Handlung des T'll. ebenso schön als charakteristisch.²*

Aus dem Gesagten bereits kann der Schüler eine Eigentümlichkeit der dramatischen Muse seines Lieblingsdichters lernen: Schiller legt grossen Wert auf die Eröffnungsscene. Schon in seinem ersten Stücke, in den R., aber auch in F. vermag er sofort den Zuhörer lebhaft in die Handlung zu versetzen. Ganz besonders kräftig²? wird dieser Akkord in K. u. L. und in M. St. angeschlagen; in beiden Stücken bildet ein Streit den Anfang, im ersten der der Millerschen Eheleute, in letzterem der des Ritters Paulet mit Kennedy beim Erbrechen der Schränke. DurchSeelenbewegungen ² der Hauptpersonen wird in D. C. Trübsinn des Infanten und in der B. p. M. Isabellens Trauer die Stimmung der Hörer herbei- geführt. In Tl., der J. v. O. und in Wlst. hat dieser stimmende Akkord die grösste Erweiterung erfahren, in Tl. zu einem Landschaftsgemälde, an das aber unmittelbar die folgende Handlung sich anschliesst; in den anderen beiden Stücken ist die eigentliche Handlung wie durch Aktschluss davon getrennt, nämlich in der J. b. O. von dem Situationsgemälde(Prolog), in Wlst. von dem Bilde des Lagerlebens, welches letztere fast den Charakter eines selbständigen Stückes erhalten hat.

a b= die Exposition und c= das erregende Moment. Schon oben(p. 5) war als die Aufgabe der Exposition? bezeichnet worden, dass sie aus der Voraussetzung des Stückes soviel zu bringen hat, als zum Verständnis der Dichtung notwendig ist. Sind diese Bedingungen angegeben worden, so lasse man scharf die Stelle bezeichnen, wo jene im allgemeinen fertig und im wesentlichen als ab- geschlossen zu betrachten ist denn im Grunde genommen verlangt jeder Fortschritt des Dramas neues Exponieren und wo die bewegte Handlung ihren Anfang nimmt. Bereits der charakterisierende Akkord deutet auf die künftige Bewegung des Dramas hin; er bezeichnet aber nurdas erste Kräuseln der Wellen, welches die Stürme des Dramas einzuleiten hat. Während der nun unmittelbar folgenden Exposition ist die Fläche wieder spiegelglatt, und erst nach ihrem Abschluss wird die eigentliche Handlung wieder eröffnet durch daserregende Moment²⁸. Als Merkmal des letzteren kann gelten, dass etwas geschieht, wodurch die bisher auch inTon und Rede unverkennbare Ruhe plötzlich gestört wird, das Gemüt des einen oder auch mehrerer Spielenden in heftige Aufregung gerüt, bei dem Hörer selbst aber die Empfindung sich geltend macht, dass von jetzt ab der Kampf und Gegenkampf, den jedes Drama darzustellen hat, beginnen muss.

R. a b. Franzens Plan(I, 1) und Karl Moors Unterredung mit Spiegelberg(I, 2, etwa bis zu den Worten:innerhalb der Stadtmauern); sie besteht also aus zwei, durch scenische Einschnitte und etwa eine Woche Zeit(soviel dürfte zwischen Absendung und Ankunft des Briefes vergangen sein) getrennten Teilen. Der erste Teil enthält das Unterschieben des Briefes, das nur als eine Wiederholung ühnlicher Betrügereien angesehen werden kann, die von Franz im Selbstgespräch entwickelte Ansicht über Blutliebe, seinen Plan, den Bruder zu verdrängen, den Vater zu beseitigen und sich zum Gebieter des Hauses zu machen. Der zweite Teil zeigt das leichtsinnige Treiben der Studenten und Karl Moors beschlossene reuige Rückkehr ins Vaterhaus. c liegt in der Wirkung des Briefes, in dem wild hervorbrechenden Entschlusse Karls, der eben noch die Verzeihung des Vaters gehofft und zurückzukehren gedachte in die Schatten seiner vwäterlichen Haine, in die Arme seiner Amalie Räuberhauptmann zu werden: Wer blies dir das Wort ein? bis So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauplmann? Von jetzt an beginnt die Laufbahn des erhabenen Verbrechers, die sich irgendwo, wie allerdings deutlicher bezeichnet sein sollte, mit der des gemeinen Verbrechers(Franz) kreuzen wird. K. u. L. a b. Während durch den Streit der Millerschen Eheleute(I, 1), die Werbung des Sekretärs Wurm(I, 2), die Auseinander- setzung zwischen Vater und Tochter(I, 3) und durch die Scene zwischen Luise und Ferdinand(I, 4)

24) D. Tl. p. 125 findet den Anfang etwas zu opernhaft belebt.

25)Als Regel gelte, dass es nützlich ist, den ersten Akkord nach Eröffnung der Bühne so stark und energisch anzuschlagen, als der Charakter des Stückes erlaubt p. 103 a. a. O.

26)Nun ist allerdings dieser Akkord des Anfangs nicht notwendig ein lautes Zusammentönen verschiedener Personen; sehr gut mögen auch kurze Seelenbewegungen der Hauptpersonen das erste Kräuseln kleiner Wellen an- deuten, welches die Stürme des Dramas einzuleiten hat p. 104 a. a. O.

27)Die Exposition soll jedes Zerstreuende von sich fern halten p. 104 a. a. O.

28) Mit diesem Ausdrucke bezeichnet G. F. a. o. O. p. 105den Eintritt der bewegten Handlung, der an der Stelle des Dramas stattfindet, wo in der Seele des Helden ein Gefühl oder Wollen aufsteigt, welches die Veran-

lassung zu der folgenden Handlung wird, oder wo das Gegenspiel den Entschluss fasst, durch seine Hebel den Helden in Bewegung zu setzen.