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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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7 erste Angelegenheit.B Schon in seinem ersten Stücke hat der junge Dichter, freilich mehr unbewusst und instinktartig, der Forderung Rechnung getragen, den Hörer vor der Expositionsscene in die Atmosphäre der Dichtung zu versetzen.¹ In den R. giebt das Spiel mit dem Briefe(I, 1) schon den deutlichen Hinweis auf die spüter zur Darstellung kommende Verderbtheit der menschlichen Kreatur: die nichtswürdige und, wie man sofort empfindet, Unheil heraufbeschwörende Art und Weise, mit der Franz den alten Vater um seine väterliche Gesinnung für Karl durch UÜberreichung der Leipziger Korrespondenz zu bringen versucht, gewährt sofort die Perspektive in einen Abgrund, der sowohl sich über dem Urheber, als auch über dem von seiner Leidenschaft fortgerissenen, in seinen heiligsten Gefühlen gekränkten Jüngling(Karl) drohend aufthut. In K. u. L.(I, 1) wird durch den Streit der Millerschen Eheleute sofort der für die Liebenden verderbenbringende Gegensatz zwischen Hofluft, in der Major Ferdinand, und den bürgerlichen Verhält- nissen, in der Luise lebt, scharf hervorgehoben. F.(I, 1) Leonorens schmerzliche Kusserung, sie werde in Fiesko ihren Gemahl, Genua seinen Helden verlieren, wobei schon Streiflichter über die Zustände in Genua fallen, enthält den ganzen Verlauf der Handlung gleichsam embryonisch. In D. C.(I, 1) trifft der Trübsinn des Infanten in dem ersten Gespräche mit Domingo ¹⁶, sein weltvergessender, ganz in die ver- botene Liebe verlorener Sinn vortrefflich den Grundton des Stückes. Im Wlsl.(A!) giebt das Lagerl¹ in einem umfassenden Bilde die grosse Situation und Lage des Heeres und erweckt deutlich das Gefühl, dass Ausserordentliches in Vorbereitung ist. Wie der Grundcharakter der Gesamthandlung durch das Lager, so wird derselbe in den Picc., in welchem Stücke die Feldherren in ihren Beziehungen zu Wallenstein die Träger der Handlung sind, durch dieBegrüssung der Generäle und Questenbergs ausgedrückt(I, 1), wührend in Wlst. Td.(I, 1) sich in der nächtlichen Scene mit dem Astrologen(A") die geheimnisvolle, auf scheinbar sicherer Grundlage, aber in sich ohnmächtige That des Helden wunderbar abspiegelt.Durch das Erbrechen der Schränke und den Streit Paulets mit Kennedy(I, 1) wird in M. St. die gewalt- thätige Art und Weise, welcher das Schicksal der Heldin vom Anfang bis Ende unterliegt, angedeutet. (Grausame Gefangennahme und Gefangenhaltung, Willkür des Prozessverfahrens, Ungerechtigkeit beim Fällen des Todesurteils und bei der Unterschrift.) Die J. v. O.s ist durch den der eigentlichen Handlung vorauf- gehenden Prolog charakterisiert: ihre geistige Abwesenheiti? anfangs, als Thibaut²o seine Töchter ver- lobt, ihr flammendes Auge bei der Berührung mit dem Helme ²¹, ihre gespannte Aufmerksamkeit bei dem Kriegsbericht Bertrands, endlich ihr von überirdischem Einflusse inspiriertes Wesen² bei ihrem Aufbruch. In der B.». M. deutet die tiefe Trauer und der mütterliche Schmerz Isabellens, der auch jetzt bei der den Altesten ² von Messina in Aussicht gestellten Versöhnung der Söhne nicht voll-

14)Ohne sich deshalb die möglichen Fälle in eine Schablone zu zwängen, darf der Dichter festhalten, dass ein regelmäüssiger Bau der Einleitung folgender ist: charakterisierender Akkord, ausgeführte Scene(Exposition), kurzer Übergang in das erste Moment der Bewegung(erregendes Moment). p. 105 a. a. O. 1

15)Da die Darstellung von Ort, Zeit, Nationalität und Lebensverhältnissen des Helden der Einleitung des Dramas zukommt, so wird diese zunächst das Umgebende kurz charakterisieren. Ausserdem wird dem Dichter hier Gelegenheit, sowohl die eigentümliche Stimmung des Stückes wie in kurzer Ouverture anzu- deuten, als auch das Tempo desselben, die grössere ELeidenschaftlichkeit oder Ruhe, mit welcher die Handlung forteilt. p. 102 a. a. O..

16) UÜber die von Schiller ersonnene, von Domingo erzühlte Geschichte von einem Turnier von Saragossa und den Widerspruch, in dem dieselbe zu dem Folgenden steht, s. D. D. C. 155.

17) D. Wäst. 187 bezweifelt, dass es einer so weiten Ausführung des Lagerlebens bedurfte. Lager 2. 199. die doppelte Löhnung im Widerspruch mit Picc. II, 7, wo Buttler sagt: Ein Jahr fehlt schon die Lôhnung. Lager 4. 200. Der 4. Auftritt ist entbehrlich. Regensburg sei eben genommen, was fast zwei Monate vor der ersten Versammlung in Pilsen geschah. Lager 11. 200. Man fordert von Wien aus, 8000 Mann Kürassiere, Jäger und reitende Schützen sollen dem Kardinal-Infanten nach den Niederlanden folgen. Nach der Geschichte brachte diese Forderung nicht, wie bei Schiller, Questenberg, sondern der Pater Quiroga...

8) Die Freiheiten, die sich Schiller auch in diesem Stücke gegen die geschichtliche Uberlieferung erlaubte, und die glücklichen Erfindungen des Dichters sind von D. erschöpfend zusammengestellt worden.

19) Wenn der Vater Johannas Mutter, obgleich sie in Wirklichkeit ihn noch überlebte, als längst gestorben erwähnt hätte, dürfte dieser Zug fürfdas Versinken Johannas in sich nicht unbedeutend sein, D. Pr. 2, 130.

20) Thibauts Sorglosigkeit in Bezug auf den Krieg in Widerspruch mit der besorgten Ausserung am An- fang des Prologs D. Py. 3, 140.

21) Uber die Aushändigung des Helms durch ein Zigeunerweib D. Pr. 3, 133.

22) Mit Kriegerischen Ehren werd' ich dich verklären ist auffallend, da sie ihre Sendung ohne Streben nach Ruhm und Ehre vollbringen muss. Dann wirst du meine Oriflamme tragen Johanna hat ihre eigene Fahne, D. Pr. 4, 143.

23) UÜber das stumme Verhalten derselben D. B. v. M. p. 78.