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K.. L. Ferdinand und Luise, D. C. Don Carlos und Posa, Wist. Max und Wallenstein, M. Gl. Maria Stuart und Elisabeth, B. v. M. Don Cesar und Don Manuel; in T'l. hat diese Neigung des Dichters drei fast parallel laufende Handlungen geschaffen,“ nämlich die Handlung Tell, die Schweizer, Attinghausen. Ebenso wird der Schüler leicht erkennen, dass der Held bei Beginn des Stückes ein anderer ist als am Schlusse, dass also das Drama immer„das Werden einer Aktion und ihre Folgen auf das Gemüt“ darstellt, Karl wird zum(erhabenen) Verbrecher, Ferdinand zum Mörder, Fiesko zum Verräter an der republikanischen Freiheit, ¹o Wallenstein zum Verräter an dem Kaiser etc.
Hierauf lasse man in derselben knappen Form die Voraussetzung des Stückes aussprechen. Jeder vom Dichter pehandelte Stoff ist nämlich stets„aus dem Zusammenhange mit anderen Preignissen heraus- gelöst“; kein Drama vermag also das Schicksal des Helden von Anfang bis Ende, sondern meist nur einen geringen Bruchteil davon darzustellen. Es kann sich selbstverständlich hier nur, da schliesslich jedes Stück ungeheure Voraussetzungen hat, um Feststellung derjenigen Verhältnisse handeln, die notwendig zum Ver- ständnis der Dichtung sind, und deren Behandlung, wie später gezeigt werden soll, die Aufgabe der Ex- position(s. u. Einleitung) bildet. So genügt es, um die Aktion zu begreifen, folgende Thatsachen zu wissen: R. die Unterschlagung des Briefes, in dem Karl Moor wegen seines ausschweifenden Betragens die Verzeihung des Vaters erbittet; K. u. L.„ein bestehendes Liebesverhältnis“ zwischen einem jungen Adeligen und einer bürgerlichen Geliebten; F. die beim Ableben des Andreas Doria durch Gianettino bedrohte Frei- heit Genuas; D. C. die Familienverhältnisse des Infanten, besonders seine Liebe zu seiner zweiten Mutter, und die politischen Zustände, namentlich die bedrohte, aber von Posa beschützte Freiheit Flanderns; Wäst. der dreissigjährige Krieg; M. St. die frühere Lebensgeschichte der Heldin, ferner die geschichtlichen Er- eignisse: die Revolution in Schottland, die englischen Thronstreitigkeiten; J. p. O. das Verhältnis der Eng- lünder zum Throne Frankreichs, die Besetzung des Landes, Gang des Krieges, aber auch der in der mittel- alterlichen Anschauung tief begründete Wunderglaube; B. v. M. das dem antiken Geiste entsprechende Motiv eines fluchbeladenen Hauses, die Entfernung Beatricens, der Zwist der Brüder;¹* Tyl. die Anmassung und Willkür der Landvögte. An Wäst., Tl. und M. Gt. wird der Schüler am leichtesten erkennen, wie umfangreich die Voraussetzung sein kann, wäührend der Dichter aus dem unendlich reichen Stoffe doch immer nur einen kleinen Bruchteil, z. B. in Wäsl. die letzte Aktion des Verrates, in M. St. eigentlich nur das Ende der Heldin, zur dramatischen Gestaltung auswählt. ¹²
Den Beschluss der Erörterungen, die sich aus der Auffindung der Idee des Dramas ergeben müssen, bilde sodann die Antwort auf die Frage, welcher allgemeine Charakter d. i. welcher Grundton dem Stücke zuzusprechen sei. Schon das Epos kann den letzteren nicht ganz entbehren; in unseren beiden Nationalepen ist derselbe am reinsten gewahrt; das Nibelungenlied zeigt, evie liebe mil leide ze jungest lönen kan, die Gudrun, wie leid sich zuletzt in liebe(Freude) wandelt. Aber das Drama ist ohne Grundton nicht denkbar, und wenn er dem Stoffe nicht schon an und für sich anhaftet, so muss er demselben durch die dichterische Umbildung gegeben werden. Je reiner und ungetrübter derselbe, je konsequenter und deutlicher der Charakter des Stückes gewahrt ist, desto ungezwungener und voll- ständiger können sich Charaktere wie Handlung entwickeln. Bei Schiller können folgende Stellen, die zugleich beweisen, wie verwandt gewisse Stücke durch den durchklingenden Ton miteinander sind, die Feststellung des allgemeinen Charakters erleichtern. R. Moor(V, 2): O über mich Narren, der ich wähnte, die Welt durch Greuel zu verschönern und die Gesetze durch Geselzlosigkeit aufrecht zu erhalten. Ich nannte
Carlos heisst es: Und was wäre also die sogenannte Einheit des Stückes, wenn es Liebe nicht sein soll und Freund- schaft nie sein konnte? Von jener handeln die drei ersten Alcte, von dieser die zwei übrigen, aber keine von beiden beschäftigt das Ganze.— Unter beiden Freunden bildet sich also ein enthusiastischer Entwurf, den glücklichsten Zustand hervorzubringen, der der menschlichen Gesellschaft erreichbar ist, und von diesem enthusiastischen Entwurfe, wie er nämlich im Konflilct mit der Leidenschaft erscheint, handelt das gegenwärtige Drama.
10) Gemeint ist vom Dichter die bedrohte republikanische Freiheit; bekanntlich ist dieselbe thatsäch- lich nicht mehr vorhanden, da Andreas Doria Herzog ist. 3
11) Uber die willkürliche Annahme eines regierenden Fürstengeschlechts in Messina D. B. v. M. p. 42 flg. Dass die Brüder trotz des verschiedenen Alters seltsam genug gleichberechtigt neben einander stehen, s. D. B. v. M. p. 77.
12) Die ganze Geschichte der Eidgenossenschaft bildet streng genommen die Voraussetzung im Tl., sie kommt erst im zweiten Akte, der Rütliscene, in Erwähnung, während die Exposition(p. 11) eben nur soviel davon enthält, als unbedingt für das Verständnis der nächstfolgenden Ereignisse notwendig erscheint. G. Fr. a. a. O. p. 35„Schiller hat in seinen beiden grössten historischen Stücken nur die geschichtliche Katastrophe, die letzten Scenen eines wirk- lichen Menschenlebens. verwertet, und er hat für ein so kleines historisches Segment im Wallenstein drei Dramen gebraucht.“


