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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Ansichten geteilt sein das ist Sache der gewonnenen künstlerischen Anschauung jedes einzelnen. Der Zweck der Arbeit ist erfüllt, wenn dieselbe dazu beigetragen hat, das Urteil der Fachgenossen anzuregen, ob und inwieweit nämlich auf diesem Wege die Lektüre klassischer Dramen in der Schule für die reifere Jugend anregend und fruchtbar gemacht werden kann.

Den Anfang der Besprechung bildet am besten die Feststellung der Idee, Voraussetzung und des allgemeinen Charakters des Dramas.

Zu diesem Zwecke muss dasselbe von den Schülern zuvor privatim gelesen worden sein. Is ist zu beachten, dass es darauf ankommt, die Idee der Handlung in möglichst knappen Worten wiederzugeben, z. B. durch folgendeFormeln: f. Die Intrigue des herzlosen Bruders treibt einen in seinen heiligsten Gefühlen gekränkten Jüngling mit seinem Anhang auf einen zum Verbrechen führenden Sühneweg. K. à. L.Auf- geregte Eifersucht eines jungen Adeligen treibt zur Tötung seiner bürgerlichen Geliebten. F. Ehrgeiz und erlangter Einfluss treibt einen anscheinend in Genusssucht versunkenen Edlen statt im Sinne der Ver- schwörung zur Rache an der bedrohten republikanischen Freiheit zum ihm selbst todbringenden Verrat an derselben. D. C. Um einem tyrannisch regierten Lande seine Freiheit durch den in verbrecherischer Liebe zu seiner zweiten Mutter fast verlorenen Infanten zu retten, wird eine edle Seele zum Opfertod für den königlichen Freund getrieben. Wlst. Ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an seinem Kaiser; aber durch seinen in abergläubischen Vorstellungen befangenen Sinn verleitet, sieht er selbst im intriguanten Gegner(Oktavio) seinen Verbündeten, der es bewirkt, dass der Feldherr in der entscheidenden Stundevon der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen, von Meuchelmördern umgarnt und getötet wird. Picc.Ein hochgesinnter, argloser Jüngling, der die Tochter seines Feldherrn liebt, erkennt, dass sein Vater die politische Intrigue gegen seinen Feldherrn leitet, und trennt sich von ihm; er erkennt, dass sein Feldherr zum Verräter geworden ist, und trennt sich auch von ihm, zu seinem und der Geliebten Untergang. M. St.Aufgeregte Fifersucht einer Königin treibt zur Tötung ihrer gefangenen Gegnerin. J. v. O. Glaube an ihren himmlischen Beruf treibt eine reine Jungfrau zur Rettung ihres Vaterlandes. B. v. M. Eifersüchtige Liebe zu der von einer besorgten Mutter ihnen ver- borgen gehaltenen und als solche zunächst nicht erkannten Schwester treibt zwei durch jahrelange Feind- schaft getrennte Brüder in den Tod. Tl.(Tlh. u. Schweh.) Wie Liebe zu den Seinen einen freiheitsliebenden Mann, so treibt ein Volk die zugefügte schwere Kränkung an den heiligsten Gütern zum Sturze der Tyrannei.

Auf den ersten Blick wird der Schüler erkennen, dass jeder dieser Ideen ein gewisses bewegendes breibendes Element innewohnt, nämlich eine starke menschliche Leidenschaft, ohne welche ein Drama nicht gedacht werden kann. Die Zusammen- und Nebeneinanderstellung dieser treibenden Elemente zeigt, in welcher Sphäre der Dichter sich am liebsten bewegt: in K. ¹. L., M. Sl., B. v. M. ist diese Kraft die Eifersucht, in F. und Wlst. der Ehrgeiz; in den R., dem Erstlingswerk des Dichters, erscheint diese durch die ge- meinste Intrigue aufgeregte, alles zerstörende Leidenschaft noch wie eine ungebändigte, wilde Naturgewalt; in D. C., J. v. O., Tl. dagegen sind es die edelsten Triebe: Vaterlandsliebe und politischer Freiheitssinn. Andere Haupteigenschaften des Dramas lassen sich aus der Idee ebenfalls ableiten: jedem Drama ist ein Held notwendig, der in nächster Beziehung zu dieser vorwärtstreibenden Kraft steht. Für Schiller ist ausserdem die Vorliebe für einenDoppelhelden? bemerkenswert: in den N. Franz und Karl Moor,

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7) Man hat bekanntlich versucht, jedem Stücke der Klassiker einen allgemeinen Satz zu Grunde zu legen, für dessen Richtigkeit dann die dramatische Handlung gleichsam die Beweisführung sein soll. Mit diesen sogenannten Grundideen(Prinzipien) haben diese Formeln nichts zu thun.

8) Diejenigen Stellen, die in Anführungszeichen stehen, sind aus G. Fr. T. d. D. wörtlich angeführt worden, die in Cursivschrift gegebenen sind Citate aus Schillers Werken.

9) Dass in D. C., der bekanntlich der Einheit entbehrt, eigentlich von zwei dramatischen Ideen die Rede sein muss, der ursprünglichen nicht zur Reife gekommenen und der, die den Dichter später anzog, in Wist. aber die Verflechtung der beiden obenangeführten eine dramatische Einheit bildet, in T'l. endlich drei Handlungen beinahe parallel laufen, ist beim Bau der Schillerschen Dramen nachgewiesen worden(s. u. Steigerung p. 13 flg., vergl. ausserdem a. a. O. p. 260). Schiller suchte die Einheit in D. C. nachzuweisen. Im achten Briefe über Don