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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Obgleich es als eine die Grenzen der Schule weit überschreitende Aufgabe bezeichnet werden muss, die noch Lernenden zur Erkenntnis der Wahrheit des Satzes(G. Freytag, Technik des Dramas p. 233) zu führen:dass das Schaffen in der Hauptsache mit einer Naturkraft geschieht, in welcher dem Dichter un- bewusst derselbe logische Zwang thätig ist, den wir vor dem fertigen Kunstwerk durch Nachdenken als innewohnendes Gesetz des geistigen Schaffens erkennen, so soll ihnen doch durch die Lek- türestunde, und dies könnte nach jeder der Fall sein, die UÜberzeugung sich aufdrängen, dass es ernste Gedankenarbeit kostet, von der blossen oberflächlichen Bekanntschaft mit dem Inhalt eines Dramas zum vollen Verständnis desselben zu gelangen. Des gebotenen Raumes wegen konnte nur von der Organisation der Handlung die Rede sein, und auch diese Aufgabe war nur in sehr gedrängter Kürze zu lösen. Dass Schiller? als Beispiel gewählt wurde, bedarf keiner Rechtfertigung; dass man aber, um die Okonomie eines Stückes zu erläutern, so zu verfahren habe, wie es hier geschehen, nämlich mit Zugrundelegung des von Gustav Freytagé in seiner Technik des Dramas(Kapitel II, 2, Bau des Dramas) Gesagten, darüber können die

d. h. rekapituliere das Gelesene von Zeit zu Zeit durch eine kurze Niederschrift so möchte man immer wieder jedem jugendlichen Leser zurufen. Dieses Mittel bewahrt vor einem Zuviel und hilft am besten geistiges Eigentum erwerben.(Lektürehefte!)

5) In nachstehender Reihenfolge sollen die Stücke angeführt werden, wobei die nebenstehenden Abkürzungen erlaubt sein mögen: 1. Die Räuber(R.), 2. Kabale und Liebe(K. u. L.), 3. Fiesko(F.), 4. Don Carlos(D. C.), 5. Wallen- stein(Wäst.), Piccolomini(Picc.), Wallensteins Tod(Wäst. Td.), 6. Maria Stuart(M. St.), 7. Jungfrau von Orleans (J. v. O.), 8. Bräut von Messina(B. v. M.), 9. Tell(Tl.),(Thlh.= Tellhandlung, Schaozh.= Schweizerhandlung, Atkgh.= Handlung Attinghausen). Freilich wird man die Jugenddramen des Dichters in der Schule kaum lesen, aber zu einer Heranziehung derselben bei der Besprechung der übrigen bietet sich fortwährend Gelegenheit. Wenn übrigens oben be- hauptet wurde, dass der Lehrer bei der Besprechung sich der kühlen Erwägung des Kritikers zu enthalten habe, so können doch gewisse Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten, die sich bekanntlich auch in den Dramen der Klassiker finden, nicht unerörtert pleiben, da die Schüler dieselben bei aufmerksamem Lesen selbst entdecken müssen. Die auffälligsten Mängel sind in den Noten, aber nur bei denjenigen Stücken Schillers, die in der Schule gelesen zu werden pflegen, nach Düntzer(D.) angeführt worden. Auf die gerechte Würdigung und von Vorurteilen freie Bewunderung, die auch Schillers Muse durch diesen ausgezeichneten Textkritiker gefunden hat, konnte hier nicht eingegangen werden, ob- gleich im Zusammenhange damit die von ihm ausgesprochenen tadelnden Bemerkungen oftmals erst recht verständlich werden. Jedoch dürfte der bei den einzelnen Auftritten und Scenen gegebene Hinweis auf die Seitenzahl der Er- läuterungen das Nachschlagen derjenigen Stellen, welche nach des Verfassers Meinung begründete Bedenken enthalten und bei der Lektüre erwähnt werden müssen, wesentlich erleichtern.

6) Die Einwände, die man gegen diese geistreiche Schrift des bedeutenden Dramatikers von einigen Seiten

erhoben hat er ziehe dem Drama zu enge Grenzen müssen und können hier unberücksichtigt bleiben. Mögen dieseArbeitsregeln für den Schaffenden bindend sein oder nicht, für den, der Geschaffenes nachempfinden c und verstehen will, sind sie eine unerschöpfliche Fundgrube. Nach G. Fr. T. d. D. pag. 100 flg. hat das Drama einen pyramidalen Bau, den er durch peistehende Figur versinnlicht. Die Buchstaben bezeichnen die d Teile der Handlung: Einleitung, Steigerung, Höhenpunkt, Fall oder Umkehr, Katastrophe. Ausserdem unterscheidet er noch drei Stellen: erregendes, tragisches Moment und Moment« 6 der letzten Spannung und bezeichnet die letzteren beiden alsgute, aber nicht unentbehrliche Hilfsmittel.(Siehe die Noten zu den Überschriften der einzelnen Abschnitte im Folgenden.) Ausserdem sei gleich hier noch bemerkt: man unterscheidet Dramen mit einfacher und Doppelhandlung und solche, in denen noch eine Nebenhandlung ein- gefügt ist. Wodurch die beiden letzteren entstehen s. N. 65 p. 20. Uber Stufe s. N. 58 p. 14 flg., dramatisches Moment s. N. 63 p. 17 flg. Eine Stufe kann aus mehreren Scenen bestehen. Aus dramatischen Momenten setst sich die Scene zusammen. In Bezug auf die Grösse der Ausführung ist ein Unterschied gemacht worden zwischen solchen Scenen, die in einem koordinierten Verhältnis stehen nicht selten enthält davon eine wesentlich Charakter- exposition und solchen, die als Hauptscenen deutlich hervortreten. In der Regel geht letzteren eine Vorscene voraus, wodurch das bedeutendere Interesse, das sie beanspruchen, scharf hervorgehoben wird. Wie das ganze Stück, so verlangt jeder Akt, jede Art von Scenen zuweilen eine Einführung in die Stimmung(Einleitung, Stimmungs- scene), besonders der Höhenpunktsscene fehlen dieselben selten, aber auch eines Schlusses(Finale) können diese grösseren und kleinerenTeilstücke oft nicht entbehren. Von den die Teile und Stellen des Dramas, oft auch die Akte verbindenden UÜberleitungen sind noch diejenigen kleinen Abschnitte unterschieden worden, die die Scenen hier und da verbinden und Upergangsglieder heissen mögen. Von den im Drama ausserdem noch vorkommenden Zwischenscenen und Episoden wird später die Rede sein. Wie weit freilich der Lehrer auch die Schüler zur Auffindung dieser angeführten kleineren Glieder heranziehen kann, hängt sehr von der gewählten Lektüre ab. Bei Dramen von komplizierterem Bau empfiehlt es sich nicht. Durchsichtige Handlungen erleichtern diese sehr zum Nachdenken anspornende Aufgabe. G. Fr. a. a. O. p. 182 sagt:Wie an einer Kette schliessen sich während der Arbeit(des Dichters) die nahe verwandten Anschauungen und Vorstellungen zusammen, in logischem Zwange eine die andere fordernd. In solchen einzelnen kleinen Teilen organisiert sich das Detail der Handlung, deren grosse Um- risse der Dichter in der Seele trägt. Wie verschieden die Arbeit der produktiven Kraft in dem Individuum sei, diese logischen und poetischen Einheiten bilden sich in jeder Dichterarbeit mit Notwendigkeit, und wer recht genau zu- sieht, vermag sie aus dem fertigen Gedicht sehr wohl herauszuerkennen und an einzelnen derselben die grössere oder geringere Kraft, Wärme, poetische Fülle und Korrektheit zu ersehen.

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