Führer dureh die Mineraliensammlung des Landesmuseums.
Geschichte der Sammlung.
Die ungefähr 6000 Mineralienstüeke enthaltende Sammlung stamint aus dem Besitze des am 7. Dezember 1823 zn Brilon in NTestfalen geborenen und am 27. April 1893 zn Aachen ver- storbenen ,l?ergingenieurs Flmil venat0r. ZDessen Sohn, Herr Kommerzieni"-a.t Emil Venator in Dessau, hat im Einverständan mit seinen Geschwister-n diese bedeutende Sammlung dem anhaltischen Staate Zum Geschenke gemacht nnd dafür Sorge g(-Ztra-gen, dall sie in würdiger Weise aufgestellt worden ist, um dadurch eine bleibende Erinnerung an den Yater zu schaffen. Fliii schoneres und passen- deres Denkmal hatte kindliche Dankbarkeit dem I-leimg’egaiig«eiie11 nicht stiften können-
Die(Tkeschichte der Sammlung ist mit der Lebensgeschichte ihres Schöpfers nnd Besitzers eng verknüpft Ihr Beginn reicht bis in die Studienzeit des späteren jl·3ergingenieurs zurück, der nach--xbsolviei-1111g des Gymnasiums sich Zuerst in Gielzen als Jurist einschreiben lief-l, um übrigens bald zum Studium der Chemie und Mi11e1"alog"ie und spater auf der Königl. Bergschnle in Siegen zum Bergfaehe überzugehen Nachdem er einige Jahre auf verschiedenen Gruben in Nassau und im Siegener Lande praktiziert hatte, ging er als Geometer und Bergingenieur für die fran- zosische Regierung nach Algier. Zurückgekehrt trat er 1854 als Bergingenieur bei der ,,Societe de la Vieille Montag-ne(Altenberg)" unweit Aachen ein, wo er bis zum Jahre 1872 verblieb.
Die Zinkerzgruben von Altenberg, die seit langer als 400 Jahren im Betrieb sind, liegen auf eineni Gebiete, das weder zu Deutschland noch zu Belgien gehört Naeli dem Pariser Frieden nämlich, in dem die Rheinlande an Preulsen fielen, fand 1816 die Grenzregulierung nach den Niederlanden zu statt, und da man sich über das Bergwerk Altenberg nicht einigen konnte, wurde es vorläufig unter gemeinschaftliche Verwaltung von Holland und Preutlen(seit 1830 von Belgien und Preullen) gestellt Dabei ist es gebliebe11, nnd so hat unsere Sammlung 18 Jahre lang anf neutralem Boden gestanden, auf einem politisch recht merkwürdigen Stück des europaischen Kon- tinents Sie ist in dieser Zeit bedeutend gewachsen. Die Gesellschaft der vieille Montagne besall auf-lei- den Gruben in Neutral-Moresnet noch zahlreiche andere in Deutschland, Belgien, Schweden, spanien, Sardinien und Algier, aus denen interessante Jslineralien einliefen, die wiederum fikelegenheit zn einem lebhaften kllauschverliehr mit Sannnlern und Handlern abgaben.
lm Jahre 1872 siedelte Emil Yenat0r, nm schien aclit Söhnen eine bessere Erziehung an- gedeihen zn lassen, nach Aachen über nnd wurde drei Jahre spater von der Dessauer Zucker- raffinerie zum bergmannischen Beirat ihrer Strontianitgruben in Drensteinfurt(XYestfalen) gewählt. Die herrlichen Strontianitstufen der Sammlung erinnern aii diese Zeit, die ihn mit unserm Heimat- lande und speziell mit Dessau in erste nahere Verbindung gebracht hat-. Von der Bedeutung des Strontianits für die heimische Zuckerindustrie wird bei der Besprechung der Sammlungsstüeke dieses Minerals ausführlicher die Rede sein. Das nur sei hier schon bemerkt, clalz die grolsartigen Erfolge der 1871 gegründeten Dessauel« Zuckerraftinerie in den ersten 15 Jahren ihres Bestehens nur durch den Strontianitbergban in Westfalen ermöglicht wurden, und dals wir schon aus diesem Grunde alle Yeranlassung haben, den Erforseher jener Sti-oiitia11itlag’ei« in dankbare-r Erinnerung zu behalten.
Vier Sehne Einil Yenators haben sicli dem Berg- und Hüttenwesen gewidmet Diese sowie der Stifter dei« Sammlung haben fortlaufend an der Ausgestaltung unserer Mineraliensammlung mitgearbcitet. Besondere Bereicherung erfuhr sie durch den Bergingeiiie111« Herrn Ludwig"Fs"eiiat01s in Saarbrüeken, der lange Jahre Direktor von sardinischen läleigruhem claim von Goldgruben in


