6 behandelt H.N"äsc11ke eingehend das Wachstum des städtischen VVeichbildes Man wird in An- lehnung an diese Ausführungen alle älteren und neueren stadtpläne zu einer Entwickelungsreihe zusannnenstellen. Bie Bewegung der Bevölkerung des Landes wird durch Karten zu veranschau- lichen sein, wie sie E. Xveyhe in seiner ,,Landeskunde des Herzogtums Anhalt« 1) gegeben hat.
6. Das Gebäude, das se. Hoheit der Herzog der stadt für die Zwecke eines Landesmuseums überwiesen hat, ist ein XVerk Alfred Messels(geb. 22. Juli 1853, gest. 24· Mär-z 1909).2) Die .-xusgestaltung der Vorhalle, des 7llreppenhauses und der grollen Repräsentationsraume gehört zu dein schönsten, was dieser Künstler an Innendekorationen geschaffen hat. so empfäng"t bildende Kunst vornehmer und edler Art den Besuchen Durch die Islraude-Sintenis-stiftung ist die Stadt in Besitz einer ansehnlichen Reihe alter- Bilder gelangt. Unter den Originalen in dieser sammlung befinden sich einige, die für die Geschichte der Malerei in Anhalt von Bedeutung sind. Dank dei- Geldmittel aber, welche auller der genannten stiftung auch die Dr. Nathan-Meyer- stiftung gewährt, ist es möglicli gewesen, nicht nur die Sammlung von Werken einheimischer Künstler zu vervollständigen, sondern aucli weiterhin Bildwerke zu erwerben, die einen Ausbliclc in die gesamte deutsche Kunst der Gegenwart eröffnen.
7. Auch soweit es sich in Handel und verkehr, in Gewerbe und Industrie äulZert, wird das kulturelle Leben der Gegenwart nicht unbeachtet bleiben. ine die Fachmuseem so sollen auch die Heimatmuseen sich nicht darauf beschränken, die verbindung mit der vergangenheit her- zustellen und zu erhalten. Freilich werden sie nicht die Aufgabe der Gewerbemuseen zu der ihrigen machen, nnd es gilt, aus der Fülle des sich Darbietenden weise auszuwählen unter Wisahrung des landeskundlichen Prinzipes
Die auf die Einrichtung eines Heimatmuseiims ver-wendeten und noch zu verwendenden Mühen und Kosten lohnen sich nur dann, wenn es gelingt, es zu brauchbar-ein Volksbildungsmittel auszugestalten In Hinsiclit darauf müssen die stücke der schausammlungen ausgewählt, angeordnet und zusammengestellt werden, und aus diesem Grunde wird man bedacht sein, den Gegenständen knappe und doch das lVesentliche erschöpfende Erklärungen beizugeben. von besonderer Be- deutung ist es, einen gedruckten, womöglich illustrierten ,,Führer« zu beschaffen, ähnlich wie solche z. B. fül- den botanischen Garten in Dahlem, den Berliner zoologischen Garten und das Kaiser-Friedrich-Museum in Magdeburg in mustergiltiger F01«m vorliegen
Deis Gedanke liegt nahe, die Heimatmuseen auch als Bildungsmittel für die Jugend heran- zuziehen. In Amerika geschieht das, worauf unter anderen mit besonderem Nachdruck W. schönichen in einer sehr beachtenswerten Abhandlung hingewiesen hat, 3) in ausgiebiger Weise. Gewiss nicht ohne Erfolg-, da sonst die praktischen Amerikaner dies verfahren nach den ersten Versuchen alsbald aufgegeben haben würden-
Aus den Lehrplänen geht hervor, dall der Heimatkunde in den höheren Lehranstalten ofiiziell kein Platz angewiesen ist, und es ist zweifelhaft, ob sie im Verlaufe des erdkundlichen Unterrichts in Hinsicht auf das allgemeine Lehrziel, das Verständnis für die ,,umgebende Natur« verlangt,
l) Dessau 1907.
2) Messel hat das Haus im Aufträge der am 5 Januar 1903 verstorbenen kunstsinnigen Baronin von G(,)hn—0ppen- heim erbaut. Durch letztwillige Verfügung derselben ist es in den Besitz sr. Hoheit des Herzog-s übergegangen
3) Natur und schule in den Vereinigten staaten von Nordamerika von Dr. phil. Walthei- schöniehen..l)rogramm des IIelmholtz-Realgymnasiums in schönberg 1908(Nr. 136).


