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1 (1850)
Entstehung
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zu dürfen, bei einem Jeden von Ihnen bisher genossen habe! Helfen Sie mir mit Rath und That, dass ich überall nur das Rechte und Erspriessliche thue, und seien Sie versichert, Sie werden mich für Ibre Rathschläge stets zugänglich und stets dankbar finden.

Und nun, meine jungen Freunde, noch ein Wort an Euch! Ich trete heute in ein neues Verhältniss zu Euch. Während ich bisher meine Thätigkeit nur einzelnen Classen zuwendete, soll ich Euch von nun an in den allgemeinen Verhältnissen des Gymnasiums ein väterlicher Führer sein. lch will es Euch sein mit rechter voller Liebe, das spreche ich aus dem Grund meines Herzens. Schon bis jetzt ist mein Wollen wenigstens darauf gerichtet gewesen, für Euer wahres Wohl zu sorgen, dafür keine Mühe zu scheuen und in diesem Sinn werde ich nicht nur fortfahren, sondern ich habe auch die feste Zuversicht, dass Gott mir auf mein Bitten tagtäglich mehr Einsicht und Rraft geben wird, Euch in al- len Stücken ein gerechter, liebevoller und treuer Führer zu sein. Von Euch aber hoffe ich, dass Ihr mir mit Vertrauen entgegenkommt. Besondere Freude werdet Ihr mir, werdet Ihr allen Lehrern ma- chen, wenn Ihr Euch freudig und aus innerem Antrieb unserer Führung anschliesst. Das ist die schöne Art der Folgsamkeit, wie sie frei- und christlich gesinnter Menschen würdig ist. Das ist zugleich der schönste Dank, den ein Schüler seinem Lehrer darbringt.

Ja ein solches Leben aus innerer Freiheit, ein solches Leben aus christlicher Liebe möge sich im-

mer mehr unter uns entwickeln!

In Folge der unter den Lehrern eingetretenen Veränderungen wurden die Sommerferien schon am 23. Juni begonnen. Sie endigten mit dem 14. Juli. Bei dem Beginn der Lehrstunden am 16. Juli wurde Dr. Hasselbach in einer Versammlung der Lehrer und Schüler durch den Direktor feierlich in sein Amt eingeführt und von seinen Collegen wie von den Schülern freundlich bewillkommt. Ueber sein früheres Leben hier einige kurze Mittheilungen: Er wurde geboren zu Richelsdorf in Niederhessen den 22. Oct. 1813, verlebte aber den grössten Theil seiner Jugend auf einem Eisenhammer bei Rosenthal in Oberhessen, wohin sein Vater, ein Bergbeamter, 1816 versetzt worden war, und wo auch nach des- sen schon 1823 erfolgtem Tod die Familie sich aufhielt. Zu Ostern 1828 ging er auf das Gymnasium zu Hersfeld, von da Ostern 1834 auf die Universität Marburg, um Philologie zu studiren. Nach einem vierjährigen Studium wurde er als Praktikant dem Gymnasium zu Marburg zugewiesen. Seit August 1840 war er an dieser Anstalt als Hülfslehrer, seit October 1846 als ordentlicher Lehrer angestellt.

Der Unterricht wurde am 15. September geschlossen. Tags darauf begingen die Lehrer und die confirmirten Schüler der Anstalt gemeinschaftlich die Feier des heiligen Abendmahls, zu welchem Tags zuvor ausser der kirchlichen noch eine besondere Vorbereitung im Gymnasium Statt gefunden hatte. Am 17. und 18. September wurden vor dem versammelten Lehrercollegium alle Classen einzeln auf dem grossen Hörsaale geprüft, jedoch unterblieb, wie gewöhnlich im Herbst, eine öffentliche Einladung dazu. Auch fand, weil in Ermangelung von Anmeldungen ein Maturitätsexamen nicht gehalteu worden war, ein öffentlicher Act zur Entlassung der auf die Universität abgehenden Schüler nicht Statt. Die Ferien begannen daher Mittwochs den 19. September. Schon mehrere Wochen vor dem Beginn derselben hatte leider Dr. Feussner wegen andauernden Unwohlseins seinen Unterricht ganz aussetzen müssen; auch der Gesanglehrer Weickert war aus gleichem Grund an der Ertheilung des Unterrichts seit Anfang Septem- bers verbindert. Die Lehrstunden erlitten jedoch dadurch keine Unterbrechung, indem die andern Leh- rer die Stellvertretung bereitwillig übernahmen.

Das Winterhalbjahr begann am 8. October mit der Vorlesung der Gesetze und der feierlichen Auf-

nahme der neu eintretenden Schüler, welche am 6. October geprüft worden waren.